Landeshauptstadt Kiel Kiel.Sailing.City
Volltextsuche innerhalb von www.kiel.de

NS-Geschichte, Reiseplakate und 775 Jahre Kiel:
Vielseitiges Jahresprogramm im Stadtmuseum

Meldung vom 6. Januar 2017

Im Oktober 2016 konnte der Warleberger Hof – Heimat des Kieler Stadtmuseums – sein 400-jähriges Bestehen feiern. Als ältester Profanbau in der Landeshauptstadt bietet der ehemalige Adelshof seinen Besucherinnen und Besuchern einmalige Einblicke in die Kieler Stadtgeschichte. Auch 2017 wird die Dauerausstellung des Stadtmuseums durch eine Reihe von abwechslungsreichen und spannenden Sonderausstellungen ergänzt.

Präsentiert wird dabei erneut ein breites Spektrum der Kieler Stadt- und Kulturgeschichte. So werden unter anderem Fotos und Dokumente der Kolonialgeschichte, finnische Plakatkunst sowie historische Stadtfotografien gezeigt. Die erste neue Ausstellung im Jahr 2017 beschäftigt sich mit der NS-Geschichte im Spiegel des Kieler Museumsbestandes. Das 775. Kieler Stadtjubiläum wird ebenfalls gewürdigt. Ergänzt wird das Ausstellungsprogramm durch verschiedene Veranstaltungen, Katalogpublikationen und museumspädagogische Angebote.

Das Museumsjahr 2016 im Warleberger Hof, das mit den beiden Ausstellungen „Das Büro“ (noch bis zum 29.Januar) und „Kieler Künstler und Künstlerinnen“ (noch bis zum 19. März) zu Ende geht, war mit einem Besucherzuwachs von über 30 Prozent gegenüber 2015 ein großer Erfolg. Die Dauerausstellung zur maritimen Stadtgeschichte im Schifffahrtsmuseum wurde erneut von gut 30.000 Menschen besucht. Alle Einrichtungen des Stadt- und Schifffahrtsmuseums zusammen kamen im Jahr 2016 auf über 55.000 Gäste.


Kritischer Blick auf das kulturelle Erbe des NS-Alltags

Zum Auftakt des Jahresprogramms im Warleberger Hof wird am 12. Februar die Ausstellung „Sammeln und Erinnern. NS-Geschichte im Spiegel des Kieler Museumsbestandes“ eröffnet (12. Februar bis 5. Juni). Dieses Projekt steht in Zusammenhang mit der Diskussion um neue Formate der städtischen Erinnerungskultur.
 
Die Ausstellung möchte anhand von rund 150 Exponaten aus dem Eigenbestand des Museums zeigen, welchen Beitrag die Sammlung zum Diskurs über den Umgang mit dem Nationalsozialismus leisten kann und welches Vermittlungspotenzial in den verschiedenen Objekten steckt.

Sammelfiguren des Winterhilfswerkes, Volksempfänger, Möbel einer Musterwohnung für Mitarbeiter der Deutschen Werke in Kiel-Elmschenhagen oder eine Volksgasmaske waren Massen- und Alltagsprodukte mit zum Teil sehr individueller Objektgeschichte. Sie verdeutlichen die Durchdringung aller Lebensbereiche mit der Propaganda und der Ideologie des faschistischen Systems. Zugleich zeigen sie die stadtgeschichtliche Entwicklung des Marine- und Werftenstandorts Kiel unter nationalsozialistischer Herrschaft.

Alle Exponate sind im Zuge des Projektes museologisch aufgearbeitet worden und werden in einem Begleitbuch zur Ausstellung von der Historikerin Katja Töpfer näher erläutert. Ausstellung und Katalog wollen anregen, das kulturelle Erbe des NS-Alltags als Geschichtsdokument wahrzunehmen und neu zu bewerten.  


Mit der Marine auf Chinafahrt


Die Zeit Kiels als Reichskriegshafen steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Chinafahrt! Koloniale Bilder und Souvenirs der Marine aus der Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums“ (2. April bis 3. September). Dabei stehen ebenfalls Exponate aus dem eigenen Museumsbestand im Mittelpunkt.

Gezeigt werden Asiatica wie Lackarbeiten oder Porzellan, die vor allem von Marineangehörigen auf Ostasienfahrt mitgebracht wurden, ebenso wie beeindruckende Fotografien von den Reisen und deren exotischen Zielen. Diese geben Einblick in das koloniale Selbstverständnis der Matrosen und Offiziere der Kaiserlichen Marine. 

Den roten Faden durch die Ausstellung bildet die Reiseroute mit dem Schiff zu den asiatischen und pazifischen „Schutzgebieten“ und Handelsstationen. Die Besucherinnen und Besucher erfahren, wie der Kontakt zu China entstand, wie das „Fremde“ wahrgenommen wurde und welche Konflikte es gab. Dabei geht es nicht nur um die deutsche Kolonialpolitik, sondern um die individuelle Begegnung und Auseinandersetzung mit der fremden Welt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der noch nie veröffentlichte Fotos vom Zusammentreffen mit der asiatischen Kultur präsentiert.


Werkschau von Robert Schmidt-Hamburg-Laboe

Die Kieler-Woche-Ausstellung im Warleberger Hof ist in diesem Jahr einem maritimen Künstler mit besonderem Bezug zu Kiel gewidmet: Robert Schmidt-Hamburg, der sich später zusätzlich nach seinem langjährigen Wohnort Laboe benannte, hat vom Anfang des 20. Jahrhundert bis in die 1960er Jahre hinein die deutsche Seefahrtsgeschichte mit Zeichenstift und Pinsel dokumentiert. Die Ausstellung „Der Maler Robert Schmidt – Chronist der deutschen Seefahrtsgeschichte“ (18.Juni bis 29. Oktober) wird ebenfalls von einer Publikation begleitet.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Der autodidaktische Marinemaler und Illustrator fuhr zunächst selbst zur See; im Ersten Weltkrieg war er Kriegsberichterstatter bei der Marine und unterhielt zugleich ein Atelier in Kiel. In den 1920er Jahren zog er nach Laboe, wo er von seinem Haus aus die in und aus dem Kanal laufenden Schiffe zeichnerisch festhalten konnte. Er illustrierte in zahlreichen Postkarten und Werbegrafiken den Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte – unter anderem die Jungfernfahrt des Lloyd-Dampfers „Bremen“ nach New York – und lieferte über 1000 Motive für maritime Serien von Zigaretten-Sammelbildern. Auch große Gemälde sind von ihm überliefert, darunter etliche Ansichten vom Kieler Hafen und Schiffen auf der Förde.


Sonderausstellungen zum Museumstag und zum Kieler Stadtjubiläum

Einen Monat vor Beginn der Kieler Woche präsentiert das Stadt- und Schifffahrtsmuseum zum internationalen Museumstag im Mai zusammen mit dem Verein Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei eine Doppelausstellung. Gleichzeitig feiert der Verein sein zehnjähriges Bestehen. Gezeigt werden Fotos zur Werftarbeit in den 1960er Jahren sowie eine Dokumentation über den Architekten Heinrich Moldenschardt, der das Kieler Industriegebäude 1884 entworfen hat. Die Ausstellungen sind in der Gießerei vom 20. Mai bis zum Saisonende im Oktober zu sehen.

Das 775. Kieler Stadtjubiläum gibt vom 22. Juli bis zum 29. September Anlass für die Präsentation früher stadtgeschichtlicher Dokumente und Urkunden aus dem Kieler Stadtarchiv im historischen Gewölbekeller des Warleberger Hofes. „Urkunden aus der mittelalterlichen Stadt“ führen zurück in die Ursprünge der Stadtgeschichte. Höhepunkt ist die wertvolle Handschrift des Lübischen Rechts, entstanden um 1282. Es handelt sich dabei um die bedeutendste Fassung dieses wichtigsten Gesetzbuchs der Hansezeit.


Reiseplakate aus dem hohen Norden

„Auf nach Finnland / Come to Finland“ heißt eine Wanderausstellung mit historischen Reiseplakaten, die das Stadt- und Schifffahrtsmuseum anlässlich des 100. finnischen Staatsjubiläums vom Nationalmuseum Helsinki übernimmt (17. September bis 14. Januar 2018). Die Ausstellung und der begleitende Katalog des Sammlers Magnus Londen zeigen rund 80 Plakate und beschäftigen sich unter anderem mit dem Entstehen und der Entwicklung des Tourismus nach und in Finnland. Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Werbung und ihre grafische Gestaltung von 1851 bis in die 1960er Jahre, als die von Hand gezeichneten Plakate der Fotografie weichen mussten.

Die farbenfrohen Bilder zeigen Verkehrsmittel wie Schiff, Flugzeug oder Bahn verschiedener Epochen ebenso wie die grandiose skandinavische Landschaft mit Wäldern und Seen. Die finnische Plakatsammlung korrespondiert mit der des Stadt- und Schifffahrtsmuseums, die ebenfalls einen großen Schwerpunkt bei Reiseplakaten hat.


Kieler Messe für angewandte Kunst feiert Jubiläum


Unterbrochen wird die Plakatausstellung von der 20. Kieler Messe für angewandte Kunst (3. bis 12. November). Die Kooperation zwischen dem Forum für angewandte Kunst und dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum hat sich längst zu einer regionalen Institution entwickelt.

Die Messe gibt auch im Jubiläumsjahr einen akzentuierten Einblick in die aktuellen Entwicklungen verschiedenster Gewerke: Vom Möbeldesign über Keramik und Goldschmiedearbeiten bis zu Glaskunst, Textil- und Papierarbeiten wird hier wieder Schönes und Nützliches zu finden sein – ausgezeichnet von hervorragender handwerklicher Qualität und hohem künstlerischen Anspruch. Gleichzeitig bietet die Messe den Künstlerinnen und Künstlern Raum, sich zu präsentieren, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen und ihre Objekte zu verkaufen.


Spannende Blicke durch Theodor Möllers Kameralinse

Zum Finale des Ausstellungsjahres 2017 wird am 26. November im Warleberger Hof die Ausstellung „Historische Stadtfotografien von Theodor Möller“ (26. November bis April 2018) eröffnet.  Dabei handelt es sich um ein Projekt der Fielmann-Stiftung, die dem Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum aus dem Nachlass des Fotografen 110 hochwertige Schwarz-Weiß-Abzüge zur bildlichen Dokumentation der Stadtgeschichte überlassen hat.

Die großformatigen Fotos aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zeigen detailgenau die alten Straßen der Altstadt und den Hafen mit dem Gaardener Fähranleger ebenso wie die seinerzeit noch sehr ländliche Umgebung im Kieler Süden, etwa Vieburg, Hornheim, Waldwiese oder Hasseldieksdamm und das Fördeufer mit Ellerbek.   


Begleitprogramm und Ausblick auf 2018

Neben und begleitend zu den Ausstellungen plant das Stadt- und Schifffahrtsmuseum auch 2017 viele Veranstaltungen, zum Beispiel Vorträge zu stadtgeschichtlichen Themen, Lesungen sowie besondere Führungen mit Umtrunk. 

Neu ins Museumsprogramm aufgenommen wurden zwei musikalische Veranstaltungen in Kooperation mit Wagners Salonensemble. Am 25. Mai  wird es passend zur Ausstellung „Chinareise“ einen Musikabend unter dem Motto „Von Turandot und Frühlingsröllchen – eine musikalische Reise ins Land des Lächelns“ geben. Am 12. Oktober präsentiert Wagners Salonensemble „Kamingeschichten aus England“ von William Somerset Maugham, Saki und Charles Dickens. Ein echter Publikumsmagnet dürfte auch in diesem Jahr das traditionelle Weihnachtskonzert am 9. Dezember im Warleberger Hof sein.

Feste Veranstaltungsformate sind die Führungen, die immer sonntags zu den Ausstellungen angeboten werden. Neu im Programm des Schifffahrtsmuseums ist eine Kombi-Führung mit dem Titel „Treffpunkt Technik: Maschinentelegraph, Motor & Co.“, die das Museum in Kooperation mit dem Förderverein MS Stadt Kiel in der Sommersaison (April bis Oktober) künftig regelmäßig am ersten Mittwoch im Monat anbietet. Dabei können interessierte Besucherinnen und Besucher auf der MS Stadt Kiel unter anderem erleben, wie ein echter Schiffsmotor in Aktion läuft oder wie die Kommunikation zwischen Maschine und Brücke über den Maschinentelegraphen funktioniert.

Mit Beginn des Jahres 2017 wurde der Eintrittspreis in den Museen der Landeshauptstadt Kiel von drei auf vier Euro angehoben; ermäßigte Karten kosten weiterhin einen Euro. Die Eintrittskarte berechtigt auch weiterhin zum Besuch aller drei städtischen Häuser Schifffahrtsmuseum, Stadtmuseum und Stadtgalerie.

Schon jetzt arbeitet das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum mit Hochdruck am Programm für das Jahr 2018. Dann steht der 100. Jahrestag des Kieler Matrosenaufstandes im Fokus. Dazu ist eine große Sonderausstellung unter dem Titel „Die Stunde der Matrosen. Kiel und die deutsche Revolution 1918“ geplant. Sie soll von Mai 2018 bis Februar 2019 im Schifffahrtsmuseum Fischhalle präsentiert werden. Im Stadtmuseum Warleberger Hof wird es im Frühjahr 2018 um ein ganz anderes Thema gehen: Dann widmet sich die Ausstellung „Kiel kocht“ der Geschichte der regionalen Küche und der Lebensmittelproduktion im 19. und 20. Jahrhundert. 


Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum

www.stadtmuseum-kiel.de
Twitter: @StadtKulturKiel


Stadtmuseum Warleberger Hof

Dänische Straße 19
24103 Kiel
Telefon 0431/901-3425

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
15. April bis 14. Oktober: täglich 10 bis 18 Uhr
Eintritt: vier Euro, ermäßigt ein Euro

Führungen:
Öffentliche Führungen: sonntags 11.30 Uhr und 15.30 Uhr
Gruppenführungen nach Vereinbarung, Telefon 0431/901-3488


Ausstellungsprogramm 2017:


Bis 29. Januar
Das Büro. Schreibtechnik und Büroarbeit 1900-1980

Bis 19. März
Kieler Künstler und Künstlerinnen in der Kaiserzeit 1871-1918

12. Februar bis 5. Juni
Sammeln und Erinnern. NS-Geschichte im Spiegel des Kieler Museumsbestandes

2. April bis 3. September
Chinafahrt! Koloniale Bilder und Souvenirs der Marine aus der Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums

18. Juni bis 29. Oktober
Der Maler Robert Schmidt – Chronist der deutschen Seefahrtsgeschichte

22. Juli bis 29. September
Urkunden aus der mittelalterlichen Stadt (Sonderausstellung zum 775. Kieler Stadtjubiläum)

17. September bis 14. Januar 2018
Auf nach Finnland / Come to Finland

3. November bis 12. November
20. Messe für angewandte Kunst

26. November bis April 2018
Historische Stadtfotografien von Theodor Möller


Schifffahrtsmuseum Fischhalle

Wall 65
24103 Kiel
Telefon 0431/901-3428

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
15. April bis 14. Oktober: täglich 10 bis 18 Uhr
Eintritt: vier Euro, ermäßigt ein Euro



Museumsbrücke Seegarten

Wall 65
24103 Kiel
Telefon 0431/901-3428

Öffnungszeiten:
15. April bis 14. Oktober: täglich 10 bis 18 Uhr
Eintritt mit Museums-Eintrittskarte

Den Fahrplan und Fahrkarten für den historischen Tonnenleger „Bussard“ gibt es im Internet unter www.dampfschiff-bussard.de.



Museumsdepot Wissenschaftspark

Kuhnkestraße 6 (Halle 23)
24118 Kiel

Pressemeldung 011/6. Januar 2017/Ti-ari

kiel.de-Pressemeldungsarchiv zu Kultur durchsuchen

kiel.de-Meldungen zu Kultur durchsuchen
Suche nach Stichwort
Zeitraum
Kategorie