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August Christian Heinrich Niemann und die Gesellschaft der freiwilligen Armenfreunde

Forstwissenschaftler und Mitbegründer der „Gesellschaft Freiwilliger Armenfreunde“

* 30.Januar 1761 in Altona
† 21. Mai 1832 in Kiel

August Christian Heinrich Niemann
August Christian Heinrich Niemann

Neben seiner Tätigkeit als Professor und Leiter der Königlich-Dänischen Forstlehranstalt engagierte sich August Niemann auch karitativ. Als gebildeter Bürger in der Zeit der Aufklärung fühlte er sich verpflichtet, zur Integration der Armen in die Gesellschaft beizutragen und seiner Heimat so zu helfen.

Schlechte wirtschaftliche Verhältnisse trugen seit Ende des 18. Jahrhunderts zur Verstärkung der Armut in Schleswig-Holstein bei, und Bettler waren ein häufiges Bild in Kiel. Die Stadt versuchte zwar, dem durch Einrichtung einer Armenkasse entgegenzuwirken, konnte aber nicht genügend Mittel aufbringen.

1792 gründete sich deshalb auf Betreiben August Niemanns die Gesellschaft Freiwilliger Armenfreunde in Kiel. Zu ihrem Ziel machten sich die Armenfreunde, Arbeitslosen durch Arbeitsvermittlung die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu ermöglichen, Arbeitsunfähige finanziell zu unterstützen und den Kindern der Armen Arbeits- und Schulunterricht zu ermöglichen.

Stele am Schwesterngang
Stele am Schwesterngang

Nach außen wurden die Armenfreunde durch einen Wortführer vertreten. Dieses Amt hatte August Niemann mehrmals inne. Neben der Arbeitsvermittlung wurde vor allem finanzielle Hilfe in Form von Miete, Kleidung und Lebensmitteln geboten. Alle Mittel dafür stammten aus Beiträgen der Mitglieder. Die Arbeit der Armenfreunde wurde von der Bevölkerung positiv aufgenommen und zeigte schnell erste Erfolge.

Der zweite Ansatz der Gesellschaft freiwilliger Armenfreunde beruhte auf dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe: 1796 wurde die Kieler Spar- und Leihkasse gegründet. Hier sollten die wieder in Arbeit Vermittelten einen Teil ihres Lohns gegen Zinsen zurücklegen, um so für Alter und Krankheit vorzusorgen oder Geld für die Selbstständigkeit als Handwerker zu sparen. Durch Kredite wurde ihnen aus finanziellen Engpässen geholfen. Obwohl zunächst nur geringe Einlagen getätigt wurden, entwickelte sich die Kieler Spar- und Leihkasse im 19. Jahrhundert zu einem großen Geldinstitut.

An August Niemann und sein großes karitatives Werk erinnern heute der nach ihm benannte Niemannsweg und eine dort 1969 an der Kreuzung zum Schwesterngang aufgestellte Gedenkstele.

Lageplan

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Weitere Informationen

Kieler Erinnerungstage: Gründung der Kieler Spar- und Leihkasse

Kieler Erinnerungstage: Gründung der Volksküche in der Boninstraße

Bildnachweise

Portrait August Christian Heinrich Niemann: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek
Stele am Schwesterngang: Janne Heintz

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