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Kieler Erinnerungstag: 24. November 1896

Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Schlossgarten

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Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals im Schlossgarten

Am 24. November 1896 kündigte sich in Kiel ein gesellschaftliches Großereignis an: Der Kaiser selbst würde kommen und ein Denkmal zu Ehren seines Großvaters, Kaiser Wilhelm I., einweihen. Der Schlossgarten war mit Fahnen und Tannengirlanden festlich geschmückt. Zu beiden Längsseiten des noch verhüllten Denkmals befanden sich Tribünen für die Zuschauer. Auf der Südseite stand der Kaiserpavillon mit Baldachin, geschmückt mit goldenen Adlern und Kaiserkrone.

Kurz vor Beginn der Feierlichkeiten füllte sich der Platz. Mit Fahnen und Musik marschierten zunächst die Ehrenkompanien heran. Ihnen folgten Deputationen der Werftarbeiter, des Gaardener Kommunalvereins, der Kieler Innungen, der Liedertafel, des Gesangsvereins, des katholischen Gesellenvereins, des Ersten Kieler Ruder-Clubs und der Turnvereine. Vor dem Portal der Universität nahmen Studenten Aufstellung, die Chargierten in vollem Wichs. In der Nähe des Kaiserpavillons versammelten sich die Admiralität, die Spitzen der Provinzialbehörde, die Vertreter der Stadt und die Mitglieder des Denkmal-Komitees. Auf der Förde, bis zur Seebadeanstalt hinaus, lagen die Schiffe der Kaiserlichen Marine. Viele Schaulustige hatten sich in der Wasserallee (Düsternbrooker Weg) und in der Dänischen Straße bis ins Zentrum eingefunden.

Mit Fanfaren wurde die Ankunft des Kaiserpaares und des Prinzen Heinrich angekündigt. Nachdem der Kaiser im Pavillon angelangt war, ergriff der Vorsitzende des Denkmal-Komitees Graf Reventlou das Wort. Er führte aus, dass dieses Denkmal das erste sei, das Schleswig-Holstein einem Landesherrn errichte. Das Land danke Kaiser Wilhelm I. „für die Befreiung von der Fremdherrschaft“.

Denkmal im Schlosspark vor 1942
Denkmal im Schlosspark vor 1942

Am Ende der Rede bat der Graf um die Erlaubnis, das Denkmal enthüllen zu dürfen. Als Wilhelm II. diese erteilt hatte, spielte der Bläser Chor „Nun danket alle Gott“, von den Türmen der Stadt läuteten die Glocken, und die Schiffe schossen Salut. Anschließend trat Reventlou mit Vertretern der Stadt, darunter der Oberbürgermeister Paul Fuß und der Geheime Kommerzienrat Sartori, vor das Kaiserpaar. Feierlich wurde das Denkmal der Stadt Kiel übergeben. Danach besichtigten Kaiser und Kaiserin das Denkmal, geführt vom Künstler Adolf Brütt. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete ein Parademarsch der Ehrenkompanie.


Das Reiterstandbild - ein national-monarchisches Denkmal
Das Denkmal wurde von Adolf Brütt (1855-1939) geschaffen, der sich durch seine Arbeiten einen nationalen und internationalen Ruf erworben hatte.

Die überlebensgroße Bronzeplastik zeigt Kaiser Wilhelm I. stolz und erhaben auf einem Pferd sitzend. Auf dem hohen Granitsockel sind zwei wichtige Ereignisse für Schleswig- Holstein dargestellt. Auf der einen Seite wird die „Schlacht bei Eckernförde 1849“ gezeigt, in der die Schleswig-Holsteiner gegen die Dänen im Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit siegreich gekämpft hatten. Auf der anderen Seite ist die „Grundsteinlegung des Nord-Ostsee-Kanals 1887“ dargestellt. An den Frontseiten waren drei allegorische Figuren angebracht. Die zwei Frauengestalten, die eine stehend, die andere sitzend, symbolisierten Schleswig-Holstein, wobei die eine ein Netzwerk trägt, Sinnbild der Fischerei, die andere eine Sichel als Symbol der Landwirtschaft in der Hand hält.

Allegorische Figuren
Allegorische Figuren

Zu Füßen der Gruppe liegt das schleswig-holsteinische Doppelwappen zwischen den Erträgen der Landwirtschaft und der Fischerei. Auf der Rückseite befand sich eine männliche Figur, die die Schifffahrt darstellte. Unter den Relief liegen Granitplatten mit den Inschriften:“Wilhelm dem Ersten. Das befreite Schleswig-Holstein“, und „Errichtet im Jahre 1896“.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal diente „der Verherrlichung der hohenzollernschen Geschichte und des neuen Kaisertums“ (Kai Detlev Sievers), betonte aber auch den Einheits- und Nationalgedanken Schleswig Holsteins. „Fasst man die Bildaussage dieses Denkmals zusammen, so ließe sich sagen: Im Schutze der preußische Monarchie finden Schleswig und Holstein zu ihrer eigentlichen friedlichen Bestimmung“ (Peter Wulf).


Versöhnung mit Preußen
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal galt auch als Zeichen der Aussöhnung mit Preußen. In der Erhebung 1848-1852 hatte Schleswig-Holstein vergeblich für Freiheit und Eigenständigkeit gegen Dänemark gekämpft. Als 1867 die Annexion der Herzogtümer durch Preußen erfolgte, standen viele Schleswig-Holsteiner der neuen Obrigkeit ablehnend und misstrauisch gegenüber. Die Liberalen hatten nach staatlicher Selbständigkeit unter den Augustenburgern gestrebt.

Kaiser-Wilhelm-Denkmal: Detailansicht
Kaiser-Wilhelm-Denkmal: Detailansicht

Als am 12. Januar 1867 die Einverleibung Schleswig-Holsteins in Preußen feierlich im Kieler Schloss begangen wurde, blieben einige Vertreter der Kieler Bürgerschaft aus Protest fern. Mit den militärischen Erfolgen 1871 und dem wirtschaftlichen Aufschwung schwand allmählich die ablehnende Haltung gegenüber Preußen.

Unmittelbar nach dem Tod Kaiser Wilhelms I. erschien in der Nord-Ostsee Zeitung ein Leitartikel, dass Schleswig-Holstein Wilhelm I. viel verdanke und dies durch ein Denkmal zum Ausdruck gebracht werden müsse. Außerdem wurde zu einer Spende aufgerufen. Kommerzienrat Sartori ergriff die Initiative. Am 25. Juni 1888 wurde in Neumünster beschlossen, ein Provinzialdenkmal für Wilhelm I. zu schaffen, das im Kieler Schlossgarten aufgestellt werden sollte. In einer lebhaften Leserbriefdebatte gab es Diskussionen über die Gestaltung des Denkmals. Kritische Stimmen forderten: „Wir Schleswig-Holsteiner wollen einen Menschen sehen. Fort mit den Gaul“. Trotz dieser Einwände wurde das Reiterdenkmal gebaut und durch Spenden finanziert. Beteiligt waren die Provinz mit 50 000 Mark, Kieler Privatleute ebenfalls mit 50 000 Mark, die Stadt Kiel mit 30 000 Mark, die Gesellschaft freiwilliger Armenfreunde mit 10 000 Mark und der Provinziallandtag mit 125 000 Mark. Dass der Kaiser und Preußen inzwischen in Schleswig-Holstein akzeptiert wurden, zeigte die große Beteiligung bei der Einweihung des Denkmals.


Ein unvollständiges Denkmal im Schlossgarten
Die drei Bronzefiguren am Sockel des Denkmals, d. h. der Seemann und die beiden Frauengestalten, Trina und Stina genannt, wurden 1942 eingeschmolzen.

Reiterdenkmal 1972
Reiterdenkmal 1972

Das Denkmal an sich aber wurde durch Einspruch des Oberbürgermeisters gerettet. In einem Schreiben des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 18. Juni 1942 heißt es:
„Unter Berücksichtigung des soeben hier eingetroffenen Antrags des Oberbürgermeisters in Kiel wird in Abänderung des in meinem Erlass Mitgeteilten das Denkmal Kaiser Wilhelm I in Kiel von der Ablieferung ausgenommen, nicht lediglich zurückgestellt. Doch kann nicht darauf verzichtet werden, dass die allegorischen Figuren des Sockels abgeliefert werden, da sie künstlerisch von wesentlich geringerem Wert als das Standbild selbst sind“. Das Kulturamt der Stadt Kiel vermerkte unter dem 1. Oktober 1942: „Die Ablieferung der Originale an die Reichsstelle für Metalle veranlasste das städtische Maschinenamt“.

Das Kaiser-Wilhelm Denkmal mit den beiden Bronzereliefs überstand unbeschadet den Zweiten Weltkrieg und steht renoviert am Rande des Schlossgartens.


Christa Geckeler

Quellen
Akte 1535: betr. die Feier der Enthüllung des Provinzialdenkmals für Kaiser Wilhelm I. (1896-1897), Stadtarchiv Kiel
Akte 10056: Stimmen der Presse über das Denkmal für Kaiser Wilhelm I.: (1892-1893), Stadtarchiv Kiel
Akte 10060: Provinzialdenkmal für Kaiser Wilhelm I. im Schlossgarten zu Kiel (1888-1893), Stadtarchiv Kiel

Literatur
Kiesel, Marianne: Kunst im Freien und Denkmale in Kiel und Umgebung, Kiel 1993, S. 21
Menneke, Melanie: Das Kriegerdenkmal und das Reiterstandbild Wilhelms I. Ein Vergleich, historische Seminararbeit, Kiel 2008, Stadtarchiv Kiel
Sievers, Kai Detlev: Das Kriegerdenkmal und das Denkmal Wilhelms I.: Schleswig-Holstein und die deutsche Einigung, in: Begegnung mit Kiel. Gabe der Christian-Albrechts-Universität zur 750-Jahr-Feier der Stadt, hrsg. von Werner Paravicini in Zusammenarbeit mit Uwe Albrecht und Annette Henning, Neumünster 1992, S. 111-114
Sievert, Hedwig: Kieler Ereignisse in Bild und Wort, Kiel 1973, Nr. 8
Wulf, Peter: Kiel wird Großstadt, in: Geschichte der Stadt Kiel, hrsg. von Jürgen Jensen und Peter Wulf, Neumünster 1991, S. 256
Zeitungen
Kieler Nachrichten vom 14. März 1972
Kieler Zeitung vom 24. November 1896 abends; vom 25. November 1896 morgens

Abbildungen:
Stadtarchiv Kiel

Weitere Infos:


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