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Christoph Heinrich Pfaff (1773 - 1852)

Professor für Physik und Chemie
* 02.03.1773 Stuttgart
† 24.04.1852 Kiel
Verleihung am 05.10.1843

Christoph Heinrich Pfaff
Christoph Heinrich Pfaff
Abb.: Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek

Christoph Heinrich Pfaff wurde am 2. März 1773 als Sohn eines Geheimen Oberfinanzrates in Stuttgart geboren. Mit neun Jahren ging er an die bekannte Carls-Hochschule in Stuttgart, an der er zunächst eine Grundausbildung erhielt, dann ab 1788 Medizin studierte. 1793 verließ er die Schule mit der Promotion. Da in Stuttgart die Medizin damals vorwiegend theoretisch gelehrt wurde, sammelte er bis 1795 in Göttingen und Kopenhagen klinische Erfahrungen und setzte seine Lieblingsstudien in Chemie, Physik und Botanik fort.

1795 bis 1797 begleitete Pfaff Fritz Graf von Reventlow zu Emkendorf und seine Gemahlin als Reisearzt nach Italien. Anschließend ließ er sich als praktischer Arzt in Heidenheim a. d. Brenz nieder.

Ein vielseitiger Gelehrter an der Kieler Universität

Da Pfaff das Leben als Landarzt wenig zusagte, nahm er 1798 auf Betreiben Graf Reventlows die Berufung an die Kieler Universität an. Er wurde außerordentlicher Professor für Naturwissenschaften und Medizin ohne Bezahlung. Eine Berufung als Bergrat nach Württemberg lehnte Pfaff auf Rat Reventlows ab. Dieser bewirkte auch, dass Pfaff 1801 ordentlicher Professor der Physik in Kiel mit einem Gehalt von 300 Reichstalern wurde. Nebenbei war Pfaff weiter als Arzt tätig. Vor allem arbeitete er auf dem Gebiet der Blatternimpfung mit großem Erfolg.

Da der Kieler Professor für Chemie Johann Christian Kerstens schon sehr alt war und seit Jahren keine Vorlesungen mehr hielt, wurde Pfaff die Aussicht eröffnet, im Todesfall von Kersten auch diese Professur übernehmen zu können und somit Mitglied der medizinischen Fakultät zu werden, zu der damals die Chemie gehörte.

Obwohl die Chemie zu Pfaffs Lieblingsfächern gehörte, hatte er auf diesem Gebiet ebenfalls wenig praktische Erfahrungen. Daher unternahm er 1801 eine Reise nach Paris, um diese Lücken zu schließen. Hier tat er sich mit einigen jüngeren Franzosen zusammen, um ein eigenes Labor zu gründen und traf mit namhaften Chemikern und Physikern zusammen, u. a. dem italienischen Physiker Volta. Als Pfaff nach Kiel zurückkehrte, übernahm er 1802 die Professur für Chemie.

An der Kieler Universität war es mit den Naturwissenschaften damals nicht zum Besten bestellt. Es gab keine physikalische Sammlung, kein chemisches Labor. Pfaff richtete im Küchen- und Waschgebäude des Schlosses ein vorbildliches chemisches Labor ein. Daneben hielt er Vorlesungen in Physik, Chemie und auch in Medizin. Pfaff klagte, dass er zu viele Fächer übernommen habe. Sein Vorlesungsverzeichnis seit 1799 zeigt einen vielseitigen Gelehrten. Pfaff  las z. B. über Mineralogie, Geologie, Galvanismus, Magnetismus, Elektrizität, pharmazeutische Chemie, Chemie der Materie, Toxikologie, Geschichte der neueren Medizin, Physiologie, Gall's Schädel- und Hirnlehre.

Entsprechend umfangreich sind die wissenschaftlichen Veröffentlichungen Pfaffs, die als selbständige Schriften oder als Beiträge in Zeitschriften oder Enzyklopädien erschienen, darunter allein 40 Abhandlungen über Galvanismus und Elektromagnetismus. Trotz seiner umfangreichen wissenschaftlichen Tätigkeit war Pfaff 1803/04, 1816/17 und 1828/29 Rektor der Kieler Universität.

Enge Kontakte mit europäischen Wissenschaftlern

Obwohl er mehrmals einen Ruf an andere Universitäten erhielt, blieb Pfaff Kiel treu. Aber er ging auf Reisen, um alte Kontakte zu pflegen, neue Beziehungen zu knüpfen und wissenschaftliche Anregungen zubekommen. Er traf sich mit bedeutenden Wissenschaftlern in Süddeutschland, Böhmen, der Schweiz, in Paris, Berlin, London, Prag und Wien. Pfaff hat aber weder in der Chemie, noch in der Physik oder Medizin entscheidende Entdeckungen oder Erfindungen gemacht.

Er sagte von sich selbst: „Ich habe nie so sehr nach Originalität gestrebt, sondern gerne auf dem Grunde, den andere gelegt, fortgebaut und immer den historischen Grund für den jedesmal abgehandelten Gegenstand festgehalten. Der tiefer Eindringende wird daher leicht erkannt haben, dass der Verfasser mehr empfangen, aber doch auch das Empfangene verarbeitet und bei sich geordnet als selbst schöpferisch erzeugt habe“ (Pfaff, Lebenserinnerungen, S. 283).

Sekretär des Sanitätskollegiums, Initiator der Seebadeanstalt

1804 wurde ein Sanitätskollegium für die Herzogtümer errichtet, das die Oberaufsicht über das gesamte medizinische Personal, Ärzte, Apotheker, Physiker, Hebammen, und die medizinischen Anstalten besaß. Außerdem war es Prüfungsbehörde für Physiker, Apotheker und Zahnärzte. Pfaff trat im Gründungsjahr dem Kollegium bei und wurde sogleich ihr Sekretär, 1828 dessen Direktor. Er arbeitete eine völlig neue Organisation des Apotkerwesens aus, die 1831 erschien.

Schon 1803 hatte Pfaff zusammen mit Etatrat Schrader und Professor Brandis, der Brunnen- und Badearzt in Driburg gewesen war, den Plan gefasst, in Düsternbrook ein Seebad einzurichten. Denn nach Brandis Meinung war dieser Platz an der Ostsee hervorragend geeignet für heilende und kräftigende Bäder im Meerwasser. Aber aus Geldmangel wurde aus dieser Idee zunächst nichts.

Durch Initiative Kieler Bürger konnte jedoch später eine Aktiengesellschaft gegründet werden, die die Badeanstalt finanzierte, die 1822 eingeweiht wurde. Ein Badehaus im klassizistischen Stil enthielt Räume, in denen in Badewannen in erwärmtem Seewasser nach Geschlechtern getrennt gebadet werden konnte. Zu kalten Seebädern begab man sich mit Badekarren in die Förde. Die Düsternbrooker Seebadeanstalt am Platz des heutigen Landeshauses entwickelte sich bald zum Mittelpunkt der Kieler Gesellschaft.

Kieler Ehrenbürger

Christoph Heinrich Pfaff wurden in seinem Leben viele Ehrungen zuteil. 1815 wurde er Ritter vom Dannebrog, 1836 Dannebrogsmann, 1840 Kommandeur dieses Ordens und 1829 Etatrat. Anlässlich seines 50jährigen Doktorjubiläums erhielt er 1843 den Titel Konferenzrat und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Kiel.

1845 musste Pfaff wegen fortschreitender Erblindung seine Lehrtätigkeit aufgeben. Er starb am 24. April 1852 in Kiel.


Autorin: Christa Geckeler
Stadtarchiv Kiel


Quellen

  • Stadtarchiv Kiel Akte Nr. 3194: Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Prof. Dr. Christoph Heinrich Pfaff

Literatur

  • Karsten, Gustav: Pfaff, Christoph Heinrich, in: Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25, Leipzig 1887, S. 582-587
  • Pfaff, Christoph Heinrich: Das Kieler Seebad dargestellt und verglichen mit anderen Bädern an der Ostsee und Nordsee, Kiel 1822
  • Pfaff, Christoph Heinrich: Lebenserinnerungen, hrsg. von H. Ratjen, Kiel 1854
  • Treichel, Fritz: Pfaff, Christoph Heinrich, in: Hans-F. Rothert (Hg.): Kieler Lebensläufe in sechs Jahrhunderten, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 55, Neumünster 2006, S. 262-264
  • Kieler Nachrichten vom 26. August 1950, vom 24. April 1952