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Max Planck (1858 - 1947)

Professor der Theoretischen Physik
* 23.04.1858 Kiel
† 04.10.1947 Göttingen
Verleihung am 16.09.1947

Max Planck
Max Planck
Abb.: Stadtarchiv Kiel Sammlung 441

Im Haus der Küterstraße 17, dem Jahnhof, dort, wo heute die HSH Nordbank steht, wurde Max Planck am 23. April 1858 geboren. Er war das sechste Kind des Professors für Zivilprozessrecht Johann Julius Wilhelm Planck und seiner Ehefrau Emma. Das als „Jahns Hof“ bekannte Gebäude gehörte den Erben des Syndikus Jahn, die einen Flügel des großen Gebäudes an Kieler Professoren vermietet hatten.

Hier wuchs der junge Max Planck auf und besuchte auch das Gymnasium in der Küterstraße, die Gelehrtenschule. Als Planck neun Jahre alt war, bekam der Vater einen Ruf an die Universität München. So zog die Familie nach Bayern. 1874 bestand Planck mit knapp 16 Jahren ein glänzendes Abitur.

Professor in Kiel und Berlin

Musisch sehr begabt, schwankte Planck lange bei der Wahl seines Studienfaches. Schließlich entschied er sich für die Physik, die er in München und Berlin studierte. Mit 21 Jahren promovierte Planck an der Universität München „Über den zweiten Hauptsatz der Wärmetheorie“ mit summa cum laude. Aber seine Arbeit fand damals weder Interesse noch Beifall.

1880 folgte seine Habilitationsschrift „Gleichgewichtszustände isotroper Körper in verschiedenen Temperaturen“. Im Anschluss daran war Planck unbesoldeter Privatdozent in München und wartete auf einen Ruf, der 1885 aus seiner Geburtsstadt Kiel kam. Max Planck wurde außerordentlicher Professor für theoretische Physik an der Christian-Albrechts-Universität. 1889 ging er als außerordentlicher Professor an die Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin, wo er drei Jahre später zum Ordinarius ernannt wurde.

Revolutionär der Physik

Auch in Berlin arbeitete Planck weiter an der Wärmestrahlung. Er entdeckte dabei das Plancksche Wirkungsquantum als neue Naturkonstante und fand seine berühmte Strahlungsformel, die er in einer Sitzung der Berliner Physikalischen Gesellschaft am 14. Dezember 1900 vorlegte.

„Dies ist die Geburtsstunde der Quantentheorie und damit der Beginn einer neuen Periode der Physik und der Naturforschung überhaupt“ (Max Born). Max Planck entdeckte, dass die Strahlungsenergie nicht gleichmäßig fließt, sondern sprunghaft, stoßweise, in Quanten. Damit war die Ansicht von der ununterbrochenen Strahlung des Lichts widerlegt. „Revolutionär wider Willen“ nannte ihn der Stuttgarter Wissenschaftshistoriker Professor Armin Hermann.

Vorerst blieb jedoch alles beim Alten. „Zunächst erlebte Planck, was er schon so oft erlebt hatte: Niemand beachtete seine Theorie“, berichtete sein Schüler und Freund Max von der Laue. „Bis dann 1905 Albert Einstein, die Idee des Energiequants auf die Strahlung selbst übertragend, den Begriff des Strahlungsquants schuf und mit seiner Hilfe sogleich eine ganze Reihe altbekannter, aber vordem unverstandener Erscheinungen deutete. Dann aber erfolgte ein Umschwung. Die Physiker nicht nur, auch die Chemiker“, so Laue, „stürzten sich auf die Quantentheorie, welche neues Licht auf die Abhängigkeit der spezifischen Wärme von der Temperatur, auf die Bilanz des photochemischen Umsatzes und vieles andere warf“.

An dem Aufbau der Quantentheorie haben dann noch andere große Physiker mitgewirkt wie Nils Bor, Wolfgang Pauli und Werner Heisenberg. Sie beeinflusste nicht nur die theoretische Physik , sondern auch die Astrophysik und selbst die Biologie. Ob Molekularbiologie, Halbleiter- oder Computerbau, die Naturwissenschaften kommen ohne Quantenmechanik nicht mehr aus.

Jahrzehnte dauerte es, bis Max Planck die äußere Anerkennung für seine Leistung erhielt: den Orden pour le mérite für Wissenschaft und Künste 1915, den Nobelpreis für Physik 1918 (Bekanntgabe im November 1919). 1928 wurde die Max-Planck-Medaille gestiftet, die höchste Auszeichnung, die die Deutsche Physikalische Gesellschaft bis heute vergibt. Die ersten Preisträger waren 1929 Max Planck und Albert Einstein. Planck wurde Ehrendoktor zahlreicher in- und ausländischer Universitäten und Mitglied oder Ehrenmitglied aller bedeutenden Akademien. 1930 wurde er zum Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gewählt.

Die Persönlichkeit des Gelehrten

Trotz aller Ehrungen blieb Max Planck bescheiden und einfach. „Er war ein Mensch von offenem, gewinnendem Wesen, bei allem Ernst doch freundlich und heiter. Klarheit strahlte von ihm aus“ (Max Born).

Privat hatten Planck ungewöhnlich viele und harte Schicksalsschläge getroffen. 1909 starb seine erste Frau. Ein Sohn fiel 1916 vor Verdun, die Zwillingstöchter starben 1917 und 1919 im Wochenbett. Sein Sohn Erwin, beteiligt am Attentat vom 20. Juli 1944, wurde im Januar 1945 im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet. So überlebte Planck alle seine vier Kinder aus erster Ehe. Der Sohn Hermann aus zweiter Ehe war zum Entsetzen des Vaters geistig behindert. Diese Schickssalsschläge trafen Max Planck hart, aber sie zerbrachen ihn nicht. Er fand Trost in seinem Glauben, in der Musik und in der Wissenschaft. Erholung brachte ihm das Bergsteigen.

In seiner politischen Einstellung war Planck konservativ, staatstreu. Seit 1926 emeritiert, versuchte er als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft einerseits sich dem Staat gegenüber loyal zu verhalten und die Wissenschaft aus dem politischen Geschehen herauszuhalten. Andererseits bemühte er sich, Freunde und Kollegen zu schützen. Deshalb ließ er sich trotz seiner 75 Jahre 1933 noch einmal zum Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft wählen.

Er intervenierte vergeblich bei Hitler gegen die Entlassung jüdischer Gelehrter, da ihre Vertreibung einen unermesslichen Verlust für die Wissenschaft bedeute. Aber bei der Gedächtnisfeier für Fritz Haber, der 1934 in der Emigration gestorben war, setzte Planck sich gegen den Druck der Behörden durch. Die Feier eröffnete er mit dem Hitlergruß und schloss sie mit den Worten: „Haber hat uns die Treue gehalten, wir werden ihm die Treue halten.“

Ehrungen in Kiel

Im Februar 1944 wurde Plancks Haus im Grunewald zerstört. Er verlor fast seine gesamte Habe einschließlich seiner Tagebücher und Aufzeichnungen. Er fand mit seiner Frau Zuflucht auf dem Gut Rogätz bei Magdeburg, das Freunden gehörte.

Als die Amerikaner bei Kriegsende von seinem Aufenthalt hörten, holte ein Physiker kurz vor Besetzung dieses Gebiets durch die Russen den 87jährigen Gelehrten mit seiner Frau in einem Jeep nach Göttingen.

Um den Fortbestand der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zu retten, übernahm Planck noch einmal vorübergehend das Amt des Präsidenten. Als die Westmächte auf Auflösung der Gesellschaft drängten, weil sie sich vor allem an ihrem Namen störten, schlugen die Briten den Namen Max-Plack Gesellschaft vor. Diesen Namen trägt sie seit 1946.

1944 besuchte Planck das letzte Mal Kiel, als ihm die Universität die Würde eines Ehrensenators verlieh. Im September 1947 ehrte ihn die Stadt Kiel mit dem Ehrenbürgerrecht. In der Urkunde heißt es: „Dem bahnbrechenden Forscher und weisen Verkünder der ewigen Wahrheit, dessen Wirken dem deutschen Volk in schwerer Zeit Trost und Hilfe gab, Herrn Professor Dr. Max Planck gebührt der Dank seiner Vaterstadt ...“ An der Verleihung konnte Planck aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Am 4. Oktober 1947 starb er in Göttingen.

Schon 1932 wurde in Kiel eine Straße nach Planck benannt, die allerdings 1947 Teil des Ostrings wurde. Aber seit 1963 gibt es eine neue Max-Planck-Straße zwischen Königsweg/Ecke Hummelwiese und Winterbekerweg/Ecke Melanchtonstraße. Auch das dort gelegene Gymnasium trägt seit 1947 den Namen des Physikers. Anlässlich des 100. Geburtstags von Max Planck am 23. Mai 1958 wurde in Kiel ein Gedenkstein feierlich enthüllt, der von der Universitätsgesellschaft, der Landesbank und der Stadt Kiel gestiftet wurde. Das Denkmal steht in der Küterstraße hinter der HSH Nordbank, dort, wo sich das Geburtshaus von Max Planck befand.

Autorin: Christa Geckeler
Stadtarchiv Kiel


Quellen

  • Stadtarchiv Kiel Akte Nr. 34462: Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Kiel an den Physiker Prof. Max Planck
  • Stadtarchiv Kiel Akte Nr. 52909: enthält Lebenslauf von Max Planck

Literatur

  • Born, Max: Max Planck 1858-1947, in: Die großen Deutschen, Band 4, Berlin 1956, S. 229 ff.
  • Hanle, W.: 50 Jahre Quantentheorie. Zum 14. Dezember 1950, in: Kosmos, Heft 5, Mai 1950, S. 529 ff.
  • Hermann, Armin: Max Planck in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlts Monographien, Reinbek 1973
  • Hermann, Armin: Leben und Leistung eines Platonikers im 20. Jahrhundert, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 68, 1981-1983, S. 211 ff.
  • Max Planck zum Gedenken, hrsg. von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Berlin 1959
  • Max Planck (1858/1947). Zum Gedenken an seinen 50. Todestag am 4. Oktober 1997, Max-Planck-Gesellschaft, Berichte und Mitteilungen, Heft 5, München 1997
  • Pufendorf, Astrid: Die Plancks. Eine Familie zwischen Patriotismus und Widerstand, Berlin 2006
  • Radunz, Karl: Denkmäler, Gedenksteine und -tafeln, Plastiken in Kiel, in: Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte, Band 53, 1958-1962, S. 102
  • Stolz, Gerd: Menschen und Ereignisse - Gedenktafeln in Kiel, Husum 2001, S. 21 ff.
  • http://www.kantel.de/wip/planck/biograhy/index.html, 2000 Max- Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte
  • Kieler Nachrichten vom 4. Mai 1946, vom 8. Oktober 1947, vom 23. April 1958, vom 24. April 1958, vom 25. Mai 1967, vom 24. April 1983, vom 4. Oktober 1997, vom 28. August 2000, vom 6. September 2000, vom 15. Dezember 2000
  • Schleswig-Holsteinische Volks-Zeitung vom 8. Oktober 1947, vom 23. April 1958