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Rudolf Hell (1901 - 2002)

Wissenschaftler, Erfinder, Unternehmer
* 19.12.1901 Eggmühl/Niederbayern
† 11.03.2002 Kiel
Verleihung am 17.12.1981

Rudolf Hell
Rudolf Hell
Abb.: Stadtarchiv Kiel Sammlung 438

Am 19. Dezember 1901 wurde Rudolf Hell in Eggmühl nahe Regensburg geboren. Sein Vater war dort Bahnhofsvorsteher. Als Rudolf Hell sechs Jahre alt war, wurde sein Vater Leiter des Güterbahnhofs in Eger, heute in der Tschechischen Republik. Hell besuchte dort die Volks- und Oberrealschule und bestand 1919 das Abitur. Über seine Schulleistungen sagte er einmal: „In Physik und Mathematik war ich immer der Beste, in Sprachen mäßig und dort, wo man viel lernen musste, war ich einfach schlecht“.

Fasziniert von der Technik der Eisenbahn und der beginnenden Elektrifizierung entschied sich Hell für das Studium der Elektrotechnik an der Technischen Hochschule in München, das er 1923 mit dem Titel eines Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.) abschloss.

Ein genialer Erfinder, der die Kommunikationstechnik revolutionierte

Als Student hatte Hell die Vorlesungen von Dozent Dr. Max Dieckmann über „Drahtlose Telegraphie“ so begeistert, dass er 1924 zunächst unbezahlter Assistent von Dieckmann wurde. 1925 meldeten beide gemeinsam ein Patent mit dem Titel „Lichtelektronische Bildzerlegerröhre für Fernseher“ an, womit sie einen wichtigen Baustein für das spätere Fernsehen geschaffen hatten.

1927 promovierte Hell über das Thema „Direktanzeigendes Funkpeilgerät für die Luftfahrt“. Diese Forschungsergebnisse wurden die Grundlage für den späteren Blindflug von Flugzeugen. 1929 meldete Hell sein erstes selbständiges Patent an, den Hell-Schreiber. Mit diesem Fernschreibgerät ließen sich Nachrichten innerhalb kurzer Zeit um die ganz Welt verschicken. Es wurde bis in die 1980er Jahre von der Presse, der Post, der Polizei und dem Wetterdienst eingesetzt. Eine revolutionäre Erfindung!

Hell verkaufte dieses Patent an Siemens & Halske in Berlin. Mit diesem Erlös, einer kleinen Erbschaft und dem Verkauf seines Autos hatte Hell das Startkapital, um 1929 ein eigenes Unternehmen in Neubabelsberg bei Berlin zu gründen. 1937 hatte die Firma 40 Mitarbeiter. Die Räumlichkeiten in Babelsberg wurden zu klein, der Umzug nach Berlin-Dahlem erfolgte. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Hell-Schreiber weiter entwickelt, aber u. a. auch Peilsender, Minensuchgeräte, Morseschreiber und Funkpeiler produziert.

Durch Krieg und Demontage waren die Werke von Hell in Berlin zerstört. Er wagte 1947 einen Neuanfang in Kiel-Dietrichsdorf in einem ehemaligen Gebäude der Howaldtswerke. Hell widmete sich weiter seinen Erfindungen, vor allem der Bildübertragung.

1951 stellte er den Klischographen vor, eine elektronisch gesteuerte Graviermaschine, die einen schnellen Druck von Bildern erlaubte. Für das Zeitungswesen und das graphische Gewerbe war das eine bahnbrechende Erfindung. Der Klischograph wurde im Laufe der Zeit weiter entwickelt zum Vario- und Helio-Klischograph. In den 1960er Jahren entwickelte Hell den „Cholographen“, den Vorläufer der heutigen Scanner.

1965 präsentierte er den „Digiset“ für die digitale Schrift- und Bildwiedergabe. Damit war das Ende des Bleisatzes in der Druckindustrie gekommen. Hell äußerte sich einmal mit folgenden Worten dazu: „Eigentlich habe ich dem Gutenberg ja ins Handwerk gepfuscht.“ 1971 gelang Hell die Entwicklung von Fernkopiergeräten, die die ersten Faxgeräte weltweit waren. Insgesamt meldete Hell in seinem Leben 131 Patente an.

Ende der 1960er Jahre beschäftigte die Firma mehr als 2000 Mitarbeiter. 1961 kam ein Werk in Kiel-Gaarden und später auch in Suchsdorf hinzu. 1972 schied Hell aus der Geschäftsführung aus und wurde Aufsichtsratsvorsitzender.

1981 übernahm die Siemens AG die „Dr.-Ing. Rudolf Hell GmbH“ als 100prozentige Tochter. Hell wurde Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrates. 1980 zog er sich aus dem aktiven Geschäftsleben zurück. 1990 kam es durch die Fusion mit der Linotype AG zur Linotype-Hell AG, die 1996 von der Heidelberger Druckmaschinen AG übernommen wurde.

Viel geehrt

Hell wurde zu Lebzeiten mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Großen Verdienstkreuz zum Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (1967), dem Ullstein-Ring (1968), dem Gutenbergpreis (1977), dem Werner-von-Siemens-Ring (1978), dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern (1980). 1987 wurde Hell in die Erfindergalerie des Deutschen Patentamtes in München aufgenommen.

Auch seine Wahlheimat Kiel ehrte den großen Erfinder. 1968 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Kiel. 1979 wurde Hell Ehrenbürger der Christian-Albrechts-Universität und 1981 Ehrenbürger der Stadt Kiel. Sie würdigte damit den bekannten Wissenschaftler, Erfinder und Unternehmer. 2001  erfolgte die Umbenennung des Siemenswalls in Suchsdorf in Dr.-Hell-Straße.
Am 11. März 2002 starb Dr. Rudolf Hell in Kiel. Auf dem Eichhoffriedhof erhielt er ein Ehrengrab.


Christa Geckeler
Stadtarchiv Kiel

Quellen

  • Akte (Büro der Stadtpräsidentin): Ehrenbürger Dr. Rudolf Hell, Rathaus Kiel


Literatur

  • Fuchs, Boris und Christian Onnasch: Dr.-Ing. Rudolf Hell. Der Jahrhundert-Ingenieur im Spiegelbild des Zeitgeschehens. Sein beispielhaftes Wirken, Heidelberg 2005
  • Frankfurter Allgemeine vom 17. Dezember 2001
  • Hamburger Abendblatt vom 18. Dezember 2001
  • Kieler Nachrichten vom 19. Dezember 1981, vom 22. Januar 1982, vom 19. Dezember 2001, vom 15. März 2002, vom 17. Dezember 2007
  • Schleswig-Holsteinische Landeszeitung vom 19. Dezember 2001