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Porträt Bürgermeister Fritz Gradenwitz

Porträt Bürgermeister Dr. Fritz Gradenwitz

Gemalt von
Willi Langbein
1932

Öl auf Hartfaser
81 x 102,5 cm 

 

Das Porträt hängt
in der Galerie vor dem 
Ratssaal des Rathauses 

 

Der Porträtierte

Bürgermeister Dr. Fritz Gradenwitz, geb. 17. April 1872 Breslau, gest. 18. Juni 1957 Hamburg

Amtszeit 1913 - 1925 

Gradenwitz entstammte einer jüdischen Familie aus der preußischen Provinz Posen, ließ sich jedoch evangelisch taufen. Er war promovierter Jurist, ab 1907 besoldeter Stadtrat in Stettin, von wo er sich bald nach seiner Wiederwahl 1913 auf die attraktivere Stelle in Kiel bewarb.

1913 bis 1925 amtierte er in Kiel als Bürgermeister, gestützt auf Linksliberale und Sozialdemokraten. Seine Zuständigkeiten waren im Wesentlichen gewerbliches Schulwesen, Personalwesen, Finanzen und Erwerbslosenfürsorge. Offenbar war er bis nach seiner Zeit als Bürgermeister parteilos, galt aber als zu den Liberalen tendierend.

1914 wurde er eingezogen und kämpfte bis 1917 im 1. Weltkrieg. Im August 1917 nahm er sein Bürgermeisteramt in schwieriger Versorgungslage der Stadt wieder auf, mit durch Kriegszustand und später Novemberrevolution eingeschränkten Kompetenzen.

Von Oktober 1919 bis April 1920 leitete er die Stadt kommissarisch, da Oberbürgermeister Lindemann nach grundlegenden Differenzen mit der Selbstverwaltung zurücktrat. In diese Zeit fiel der Kapp-Putsch, in dem Gradenwitz und die Selbstverwaltung auf Seiten der verfassungsmäßigen Regierung standen, gegen den von Kapp eingesetzten Oberpräsidenten Schleswig-Holsteins - den ehemaligen Oberbürgermeister Lindemann.

1925 scheiterte Gradenwitz' Wiederwahl an den veränderten politischen Verhältnissen und an seiner offenbar geringen politischen Vernetzung. Ihm wurden jedoch korrekte, vermittelnde Amtsführung und großer Fleiß bescheinigt.

Er blieb in Kiel, wo er von 1926 bis 1938 als Rechtsanwalt tätig war. 1928 wurde sein Antrag auf Zulassung als Notar abgelehnt, offiziell auf Grund objektiver Kriterien, in Wahrheit aber wohl wegen seiner jüdischen Herkunft.

Etwa um dieselbe Zeit errang er als Kandidat der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) einen Sitz im Kieler Stadtparlament, den er 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor. Er konnte aber als Weltkriegsteilnehmer und als Ehemann einer „arischen“ Frau vorerst weiter seinem Beruf nachgehen.

1938 nahm man Gradenwitz auch seine Zulassung als Anwalt; in der Pogromnacht des 9. November wurde er zusammen mit den meisten anderen jüdischen Kielern gewaltsam in „Schutzhaft“ genommen und ins KZ Sachsenhausen gebracht, offenbar aber im Laufe des Jahres wieder freigelassen.

1939 wurde er am Jahrestag der Pogromnacht erneut für vier Wochen verhaftet; danach zog er mit der Familie nach Hamburg, der Heimatstadt seiner Frau Martha. Ihr wird erheblicher Anteil daran zugeschrieben, dass er die Zeit des Nationalsozialismus überlebte.

Trotz seines hohen Alters arbeitete er von 1945 bis 1949 als Referent beim Amt für Wiedergutmachungsansprüche und als Vorsitzender Richter am Arbeitsgericht Hamburg.

Einen großen Teil seines Ruhestands widmete er dann dem (vergeblichen) Kampf um die eigene Wiedergutmachung; man kürzte ihm seine Altersversorgung auf Grund von Gesetzen, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammten.

(Stadtarchiv, nach Lembke - vgl. Literatur - und KN Juni 1957)

Der Künstler

Willi Langbein, geb. 2. Oktober 1895 in Berlin, gest. 8. Februar 1967 in Kiel

Besuch der Bürgerschule in Berlin. Als 16jähriger auf Grund seiner Begabung ohne Schulabschluss in die renommierte Königliche Kunstgewerbeschule aufgenommen. Unterricht u. a. bei Emil Orlik und Max Kutschmann, zu dem Langbein ein enges künstlerisches Verhältnis entwickelte. Ab 1914 freischaffender Künstler. Sein Interesse war die Landschaftsmalerei.

Ab 1916 Kriegsdienst in Polen und Flandern. Nach dem Krieg Reisen ins mittelrheinische Gebiet, nach Gastein/Österreich und nach Pommern und Schleswig-Holstein mit seinem Freund, den Maler Erich Kliefert.

1925 Heirat mit der 16 Jahre älteren Malerin Hulda Voigt, Übersiedlung nach Schleswig-Holstein und künstlerischer Neuanfang. 1935 Hauskauf in Kiel-Elmschenhagen, Bau eines vom Architekten Prinz entworfenen Ateliers, erste Beteiligungen an Ausstellungen, Auftragsarbeiten für die Marine.

Langbeins naturalistischer, im 19. Jahrhundert wurzelnder Stil war für die Nationalsozialisten akzeptabel; er sah jedoch die NS-Zeit als Einengung seiner künstlerischen Freiheit an. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges eingezogen, zunächst zur Marine in Kiel (dort Freundschaft mit dem Maler Kapitänleutnant Heinrich Basedow), ab 1942 als Maler in der so genannten Wehrbetreuung.

Nach dem Krieg nahm er seine Malerei wieder auf. 1946 erste, erfolgreiche Nachkriegsausstellung in der Kieler Galerie Bohrer. Auch mehrfach Auftragsarbeiten in Kirchen. 1954 starb seine Frau Hulda, im selben Jahr heiratete er Hildegard Peper.

Weiterführende Literatur

Literatur zu Bürgermeister Dr. Gradenwitz

  •  Lembke, Hans H.: "Als aufrichtig liberalen Mann schätzen gelernt". Fritz Gradenwitz: Kieler Bürgermeister, Rechtsanwalt, Schutzhäftling. In: AKENS Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte 50 (2008), S. 132-153


Literatur zu Willi Langbein:

  • Feddersen, Berend Harke: Schleswig-Holsteinisches Künstler-Lexikon (Niebüll 2005)
  • Manitz, Bärbel: Willi Langbein. Das malerische Werk (Heide 1995)
  • Rickers, Karl: Langbein, Willi Oskar Carl. In: Rothert, Hans-F.: Kieler Lebensläufe aus sechs Jahrhunderten (Wachholtz, Neumünster 2006), S. 199-200
  • Tillmann, Doris / Rosenplänter, Johannes (Hrsg.): Kiel-Lexikon (Wachholtz, Neumünster 2011), S. 209