Ehrengräber in Kiel

Johann Friedrich August von Esmarch, Chirurg

*  09.01.1823 in Tönning

+ 23.02.1908 in Kiel

Das Ehrengrab befindet sich auf dem Parkfriedhof Eichhof, Feld 27, Nr. 1.

Johann Friedrich August von Esmarch
Johann Friedrich August von Esmarch

Esmarch studierte ab 1843 an den Universitäten Kiel und Göttingen Medizin. Er schloss sich dem Kieler Turnverein (heute KMTV) an und nahm 1848 in dessen Freikorps an der schleswig-holsteinischen Erhebung gegen Dänemark teil, wobei er in dänische Gefangenschaft geriet. 

Nach seiner Entlassung wurde er zunächst als Lazarettarzt in Flensburg tätig und kehrte nach dem Waffenstillstand von Malmö nach Kiel zurück.

In den Feldzügen 1849 bis 1850 war Esmarch in verschiedenen Lazaretten tätig. 1851 erfolgte seine erste größere Veröffentlichung „Über Resectionen nach Schusswunden“.

1852 lehrte er als Privatdozent und wurde 1854 ordentlicher Professor für Chirurgie und Ophthalmologie und gleichzeitig Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik in Kiel. Kriegschirurgie und Erste Hilfe bildeten die Schwerpunkte in Esmarchs beruflichem Leben.

In den Kriegen 1848, 1864, 1866 und 1870/71 konnte er vielfältige Erfahrungen sammeln, die in sein umfassendes „Handbuch der Kriegschirurgischen Technik“ von 1877 eingingen. Er führte das Verbandpäckchen und das Dreieckstuch ein sowie Beinschienen und Verbandstornister.

Esmarchs Grab auf dem Parkfriedhof Eichhof
Esmarchs Grab auf dem Parkfriedhof Eichhof

 Die Erste Hilfe hatte er bereits in seiner vielfach aufgelegten Schrift „Der erste Verband auf dem Schlachtfelde“ von 1869 propagiert. Seit 1882 widmete er sich dem Ausbau des Deutschen Samaritervereins, der die ersten Kurse für die Erste Hilfe an seinen Samariterschulen durchführte.

Esmarchs Leitfaden für die Ausbildung an den Schulen „Die erste Hülfe bei plötzlichen Unglücksfällen“ von 1882 wurde in fast 30 Sprachen übersetzt und erlebte 1931 seine 50. Auflage.

Esmarch war Geheimer Medizinalrat, Ehrenmitglied zahlreicher Fachverbände des In- und Auslands, u.a. der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der Clinical Society of London, der American Surgial Association und der Académie Royale de Médicine de Belgique, sowie Träger einer Reihe von Orden, u.a. war er Kommandeur des Dannebrog-Ordens, Träger des Kronenordens Erster Klasse und der schwedischen Nordsternordens.

Trotz aller Ehrungen blieb Esmarch bodenständig und er gebrauchte sowohl bei seinen Konsultationen als auch im Unterricht oft das von ihm geliebte Plattdeutsch.

1903 wurde Esmarch zum Ehrenbürger der Stadt Kiel ernannt. Nach ihm ist in Kiel eine Straße und ein Heim des Arbeiter-Samariter-Bundes benannt.

Quelle: Hans-F. Rothert (Hg.): Kieler Lebensläufe aus sechs Jahrhunderten, Sonderveröffentlichung der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte Band 55, Neumünster 2006, S. 85-87.