Nordfriedhof – Marine- und Kriegsgedenkstätten

Opfer standrechtlicher Erschießungen

Die Gräber befinden sich auf Feld W, Nr. 248-317.

Die Gräber der Opfer standrechtlicher Erschießungen
Die Gräber der Opfer
standrechtlicher Erschießungen

Auf einer Rasenfläche des Feldes W liegen acht Breitsteine mit 65 Namen. Hier sind von 1939 bis 1943 fast ausschließlich Wehrmachtsangehörige beerdigt worden, die wegen Delikten wie zum Beispiel "Fahnenflucht", "Zersetzung der Wehrkraft" und "Militärischer Diebstahl" zum Tode verurteilt und auf dem Marineschießstand Holtenau standrechtlich erschossen worden sind.

Bereits 1933 führte die nationalsozialistische Regierung die militärische "Sondergerichtsbarkeit" ein. Sie verkürzte das Verfahren und schwächte die Position des Angeklagten. Dieser im wahrsten Sinne des Wortes "kurze Prozess" mit seinen überzogenen Strafen diente als Instrument zur Disziplinierung der Soldaten. 

Für die Nationalsozialisten war die Fahnenflucht das schwerste Verbrechen, das ein Soldat begehen konnte. Der Soldat verlor seine Ehre und mit dem "Ausscheiden aus der Volksgemeinschaft" oft auch sein Recht auf Leben. "Todeswürdig" war aber auch derjenige, der an Führer und Endsieg zweifelte. So verbergen sich hinter dem weitgefassten Tatbestand der "Wehrkraftzersetzung" auch geäußerte Kritik und Zweifel, die als Widerstand gegen das System zu bewerten sind.

Die Getöteten brachte man in die Leichenhalle des Marinelazaretts in der Wik. Von dort aus konnten sie von den Verwandten abgeholt werden. Lehnten die Angehörigen eine Bestattung auf eigene Kosten ab, wurden die Verstorbenen zum Nordfriedhof (damals: "Standortfriedhof") gebracht und auf Feld W bestattet.

Es gab aber auch Fälle, in denen die Leichen dem Anatomischen Institut der Kieler Universität für Lehr- und Forschungszwecke zur Verfügung gestellt wurden. Nach dem Krieg bestattete man diese Leichen und Leichenteile auf Friedhöfen.

Bei den anderen hier Beigesetzten ist im Grabbuch, soweit eine Todesursache bekannt ist, "Selbstmord“ beziehungsweise "Tod in der Arrestzelle“ angegeben. Zwei der hier Beerdigten waren polnische Kriegsgefangene.

 
Lageplan "Marine- und Kriegsgedenkstätten"