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Kinder suchen Pflegeeltern

Kinder brauchen Sicherheit, Verlässlichkeit, gute Versorgung, Verständnis, Liebe und Geborgenheit. Doch manchmal können die leiblichen Eltern dies vorübergehend oder auch dauerhaft nicht leisten. In solchen Fällen brauchen Kinder einfühlsame Pflegeeltern. Jochen Schepp, Leiter der Kinder- und Jugendhilfedienste der Landeshauptstadt Kiel, ruft daher kinderliebe Bürgerinnen und Bürger, die über ausreichend Zeit und Wohnraum verfügen, dazu auf, sich als Pflegefamilien zur Verfügung zu stellen.

Herr Schepp, warum benötigt das Jugendamt noch mehr Unterstützung von Menschen, die sich vorstellen können, zeitweise oder auf Dauer für ein fremdes Kind zu sorgen?

Jochen Schepp, Leiter der Kinder- und Jugendhilfedienste

In Kiel sind etwa 250 Kinder in Pflegefamilien untergebracht, weil sie unter den Bedingungen, in denen sie ursprünglich aufgewachsen sind, nicht verbleiben konnten.

Während die einen Kinder in Pflegefamilien aufwachsen, werden neue Notlagen bekannt, sodass ein ständiger Bedarf an neuen Pflegefamilie besteht.

Die Gründe, die zu einer Unterbringung in einer Pflegefamilie führen können, sind vielfältig und sehr unterschiedlich: Wenn Kinder nicht (mehr) ausreichend erzogen, versorgt und gefördert werden, eine vorübergehende Notsituation eintritt, die plötzliche Erkrankung von leiblichen Eltern, aber auch Vernachlässigung oder Gewalt in der Familie. Die Hilfe kann auf Wunsch und mit Einwilligung der Eltern eingerichtet werden, aber auch gegen den Willen der Eltern notwendig sein.

Ein Pflegekind aufzunehmen bedeutet sicher eine Bereicherung des Familienlebens und vielleicht die Erfüllung des Familienwunsches und eine tolle Möglichkeit Kindern, die es nicht so gut haben, unmittelbar und direkt zu helfen, aber es bedeutet auch Herausforderung, Belastung, Einschränkung, Verzicht und auch eine Portion Abenteuer und Unsicherheit.

Wenn ich mich dafür interessiere ein Kind in meine Familie aufzunehmen, was muss ich dann wissen?

Sie können uns einfach anrufen, damit wir mit Ihnen telefonisch erste Fragen abklären können.

Wenn Sie Interesse haben, laden wir Sie zu unserem monatlichen Informationsabend ein. Anschließend haben Sie die Möglichkeit mit unseren Mitarbeitern in aller Ruhe über Ihre Absichten und die damit verbundenen Erwartungen zu sprechen.

Wer ein Kind bei sich aufnehmen möchte, muss sich klar darüber sein, was auf ihn oder sie zukommt. Es ist wichtig, dass alle Familienmitglieder hinter dieser Entscheidung stehen.

Grünes Plakat der Pflegeelternkampagne

Rotes Plakat der Pflegeelternkampagne

Blaues Plakat der Pflegefamilienkampagne

Also gut - nachdem wir das Thema in unserer Familie durchgesprochen haben, steht der Entschluss: „Wir möchten ein Pflegekind zu uns nehmen!“ Was sind die nächsten Schritte?

In persönlichen Gesprächen klären wir Ihre individuellen Voraussetzungen und bereiten Sie auf Ihre Aufgabe vor. Wir benötigen noch einige Unterlagen, die über Ihre äußeren Lebensumstände Auskunft geben, beispielsweise ein Führungszeugnis und ärztliche Atteste.

Wir besuchen Sie zu Hause, um Sie in ihrer privaten Umgebung kennenzulernen. Zur Vorbereitung und Unterstützung bieten wir Vorbereitungsseminare und themenbezogene Seminare an.

Nach der Prüfung Ihrer Lebensverhältnisse und der Vorbereitung auf die Aufnahme eines Kindes, kommen Sie bei der Suche als geeignete Familie für ein Kind in Frage. Bei diesem Auswahlverfahren gibt es keine Schablone.

Vor allem suchen wir für ein Kind eine geeignete Familie und nicht umgekehrt. Nicht jede Familie passt zu jedem Kind und umgekehrt. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl und besprechen die Auswahl immer im Team.

Befristete Vollzeitpflege, Vollzeitpflege auf Dauer, Bereitschaftspflege - was kommt für uns in Frage? Und sind wir dieser Aufgabe überhaupt gewachsen?

Zeichnung eines Mädchens in einem roten Trikot

Das werden wir gemeinsam herausfinden. Wer ein Pflegekind aufnehmen möchte, muss eine positive und wertschätzende Grundhaltung Kindern gegenüber mitbringen.

Geduld, Toleranz und Offenheit sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Eltern und dem Pflegekinderdienst. Pflegeeltern brauchen aber auch Zeit und Raum, Stabilität in der Beziehung und ihrer Lebenssituation und müssen belastbar sein.

Für das Kind muss ein Zimmer zur Verfügung stehen, die wirtschaftlichen Verhältnisse müssen geordnet sein und man muss für die Aufnahme eines Pflegekindes bereit sein, die eigene Berufstätigkeit zu reduzieren oder für eine Zeit auszusetzen und damit auch die finanziellen Einbußen zu tragen.

Ein Pflegekind aufzunehmen, setzt die Offenheit zur Kooperation mit den Eltern und mit uns unbedingt voraus. Pflegeeltern müssen aber vor allem auch die Bereitschaft mitbringen, einem Kind entweder dauerhaft ein Zuhause zu bieten oder es eventuell zu gegebener Zeit auch wieder „gehen lassen“ zu können, je nach Ausrichtung der Hilfe.

In der Phase des Kennenlernens - in der selbstverständlich auch von Ihrer Seite eine Umentscheidung möglich ist - nehmen wir uns gemeinsam die Zeit, die Sie brauchen, um Ihren Entschluss reifen zu lassen.
Es geht uns in unserer Arbeit um das Wohl und das Beste für das Kind, aber gleichzeitig auch um Ihr Wohlergehen und wir wollen Sie auf keinen Fall überfordern.

Zeichnung eines Jungen auf Stelzen

Wir sind entschieden. Die allseitige Prüfung ist positiv ausgefallen. Jetzt wird uns ein Kind vorgestellt. Wie geht es weiter?

Bevor das Kind in Ihren Haushalt wechselt, bekommen Sie Gelegenheit die Eltern kennen zu lernen und sich mit dem Kind näher zu „beschnuppern“.  Die sogenannte Anbahnungsphase dauert mehrere Wochen, in denen eine ganze Reihe von Treffen statt finden. 

Wir lassen Sie dabei nicht allein. Sie erhalten von Anfang an eine umfassende Aufklärung über das Kind und seine Geschichte. Wir sind für Sie da und begleiten Sie bei der Kontaktanbahnung, in der Eingewöhnungszeit und darüber hinaus.

Wir sind Ihre Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in erzieherischen, aber auch rechtlichen Fragen. Und wir bieten fortlaufend Unterstützung in Form von Seminaren, auf Wunsch auch Supervision, an und fördern den Austausch mit anderen Pflegefamilien.
Für den Unterhalt des Kindes und Ihre Tätigkeit erhalten Sie finanzielle Unterstützung in Form eines monatlichen Pflegegeldes sowie durch einmalige Beihilfen.

Lieber Herr Schepp - vielen Dank für das Gespräch.