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Viertes Stadtgespräch „Flüchtlinge in Kiel“

Am Mittwoch, 20. Juli 2016 fand das vierte Stadtgespräch „Flüchtlinge in Kiel“ im Restaurant Legienhof mit ca. 60 Teilnehmenden statt. Schwerpunktthema der Veranstaltung war die Integration im Alltag mit folgender Fragestellung: Wie geht gute Nachbarschaft und was ist im nachbarschaftlichen Kontakt wichtig?

Nach einer kurzen Einleitung durch Moderatorin Birte Rassmus, Sozialplanerin der Landeshauptstadt Kiel im Referat des Stadtrats für Soziales, Gesundheit, Wohnen und Sport, gab es vier ausführliche Einführungsbeiträge, die hier in Kürze zusammengefasst werden:

Wichtige Themen, Fragen und Antworten

  • Wie wird das Containerdorf nach einer Schließung der Landesunterkunft genutzt?
     
    Eine kommunale Nutzung der Landesunterkünfte sei derzeit nicht geplant.

  • Warum werden erst jetzt Wohnungen gebaut? Kann die Stadt den Wohnungsmarkt entspannen, indem sie mit einer städtischen Wohnungsgesellschaft auf städtischem Grund baut?
     
    Im Jahr 2000 sagten die Prognosen, dass sich Kiel auf geschätzte 200.000 Einwohner verkleinern werde. Dass nun alles anders komme, habe man damals nicht vorausgesehen. Inzwischen gebe es die neue Prognose der Vergrößerung auf fast 270.000. Zudem sei der Flächenverbrauch pro Kopf gestiegen. Kiel sei eine flächenarme Stadt und habe nur wenige Flächen im städtischen Besitz.
     
    Aktuell habe man Flächen für 9.500 Wohnungen gefunden. Davon sollen 1.800 Wohnungen zügig - möglichst nach dem „Kieler Modell“ - erbaut werden. Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft müsse zunächst von der Politik beschlossen werden. Dies koste zu viel Zeit.
     
    Um zeitnah mit dem Wohnungsbau beginnen zu können, suche die Stadt nach Investoren. Sollte sich keiner finden, werde die Stadt selber bauen. Wohnungen, die auf städtischen Flächen gebaut werden, sollen einen sozial geförderten Anteil von 30 Prozent haben. Damit aber überhaupt Wohnungen gebaut werden könnten, sei es wichtig, dass die Nachbarschaft einen Neubau zulässt. Die Widerstände seien teilweise sehr massiv. Alle müssten die Konsequenzen tragen, dass ohne neuen Wohnraum die Mieten ansteigen. Stadtrat Stöcken ermunterte die Anwesenden, sich auch in ihren Ortsteilen zu engagieren und dort für die Nutzung bisher nicht bebauter Wohnbauflächen für Wohnungsbau einzutreten.

  • Gute Nachbarschaften und gelingende Integration seien auch für öffentliche Gebäude von großer Bedeutung. Viele Schulen seien in einem äußerst schlechten Zustand. Was könne die Stadt tun?
     
    Das Schulprogramm laufe an. Die Stadt müsse ihre Ressourcen sehr effektiv planen und einsetzen. Man arbeite hier nach Priorität und der Reihe nach.
     
     

Weitere Redebeiträge:

  • Die Stärkung der sozialen Arbeit auf dem Ostufer (zum Beispiel ein Präventionsprogramm für Muslime) wird gewünscht.
     
  • Ein Teilnehmer schlägt vor, Flüchtlinge beim Bau von Wohnungen zu beteiligen.
     
  • Nachdem sich die Diskussion auf das Thema Wohnen und dem Wunsch nach mehr bezahlbarem qualifiziertem Wohnraum fokussiert, schlagen Stadtrat Gerwin Stöcken und Sönke Bergemann vor, zu diesem Thema gesondert noch einmal eine öffentliche Diskussionsrunde anzubieten.
     
  • Ein Teilnehmer betont die Integration durch Sport und wünscht sich Trainingszeiten auf einem Sportplatz auf dem Ostufer für Sport mit Flüchtlingen im Herbst und Winter.
     
  • Britta Küper vom „nettekieler“ Ehrenamtsbüro stellt das Projekt „Ankommenspatenschaften“ vor. Das Projekt eigne sich als gutes Instrument, um das nachbarschaftliche Miteinander zu unterstützen. Die Patenschaften würden über das „nettekieler“ Ehrenamtsbüro vermittelt und im Erstkontakt begleitet. Kontakt: 0431-901 5502.
     
  • Christian Müller von „Kiel hilft Flüchtlingen“ verdeutlicht, dass unsere Einschnitte durch die Zuwanderung von Flüchtlingen, beispielsweise eine längere Wohnungssuche, doch sehr gering seien im Verhältnis zu den Erfahrungen, die Geflüchtete machen mussten. Christian Müller appelliert, dass es uns sehr gut gehe und wir uns dies immer wieder bewusst machen sollten.
     
  • Frau Kock von der „Willkommensinitiative Elmschenhagen“ berichtet eindrücklich von ihren eigenen Ängsten und Vorurteilen, bevor sie den Kontakt zu Geflüchteten suchte. Sie sei froh darüber, dass sie diese überwinden konnte, weil die geschlossenen Freundschaften eine große Bereicherung in ihrem Leben seien. Inzwischen gebe es gegenseitigen Respekt und Vertrauen.

 

Gesprächspartnerinnen und -partner

  • Stadtrat Gerwin Stöcken - Dezernent für Soziales, Gesundheit, Wohnen und Sport
  • Geschäftsführer Sönke Bergemann - Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein Haus und Grund
  • Christian Müller, Kiel Hilft Flüchtlingen e.V. 
  • Inge Schmedemann und Isolde Kock - Willkommensinitiative Elmschenhagen 
  • Thomas Brauchrowitz, Leiter Polizeidirektion Kiel
  • Britta Küper, Ehrenamtsbüro "nettekieler"

Weitere Stadtgespräche

Das fünfte Stadtgespräch "Flüchtlinge in Kiel" findet am 28. September 2016 statt, ebenfalls im Legienhof. Es wird sich schwerpunktmäßig um die Integration von Kindern und Jugendlichen drehen. Geplant ist noch eine weitere Veranstaltung.
Einzelheiten können dem Flyer entnommen werden.