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Feuerwehr & Rettungsdienst

Atemschutz

Noch gefährlicher als Feuer ist Rauch. Umso wichtiger ist es, dass die Retter geeignete Atemschutzgeräte zur Verfügung gestellt bekommen und im Ernstfall Brände effektiv vor Ort bekämpfen können.

Das Sachgebiet Atemschutz ist für die Beschaffung und Einsatzbereitschaft dieser Geräte zuständig. Ebenfalls wird sichergestellt, dass die Atemschutzträger immer auf dem aktuellsten Ausbildungsstand gehalten werden.

Brand einer Mühle um 1920
Brand einer Mühle um 1920

Es ist noch nicht lange her, dass Brände in Gebäuden überwiegend von Außen mit einer großen Menge an Löschwasser bekämpft wurden und das Einatmen von Brandrauch beim Löschen eben hingenommen wurde. Durch die Verwendung von Kunststoffen in allen Lebensbereichen hat sich aber das „spezifische Brandrauchvolumen“ seitdem ebenso vervielfacht wie auch dessen Giftigkeit!

Inzwischen erfordert es fast jeder Brandeinsatz, die Einsatzkräfte mit Atemschutzgeräten zu schützen, und damit auch die effektivste Form der Brandbekämpfung - nämlich den beherzten Innenangriff - sowie die Suche nach Personen im Brandrauch erst zu ermöglichen.

Bereits 1886 führte die Feuerwehr Kiel den „König´schen Rauchhelm“ ein, der aus einer Lederhaube bestand, in die durch einen Schlauch mittels Blasebalg Luft zugeführt wurde. Bei Gründung der Berufsfeuerwehr Kiel erhielt jede der drei Wachen einen solchen Apparat für den „Rauchtaucher“.

Atemschutzgerät
Atemschutzgerät "Heeresatmer"

Von 1936 bis 1962 wurde der „Heeresatmer KG210“ eingesetzt, bei dem die Atemluft in einem geschlossenen Kreislauf mittels Kalk und Sauerstoff regeneriert wurde. Nachteilig war, dass sich die Atemluft dabei stark erwärmte und gleichzeitig immer feuchter wurde.

Ende 1962 konnten erstmals „Pressluftatmer“ in Dienst gestellt werden. Das Funktionsprinzip – nämlich mitgeführte komprimierte Atemluft wieder zu entspannen und dem Geräteträger bei jedem Atemzug zuzuführen - hat sich bewährt und brauchte seitdem nur in Details verbessert zu werden.

Ein Ausfall der Atemschutzgeräte wäre fatal

Ein Atemschutzgerät darf keinesfalls versagen, denn so wie man ein defektes Flugzeug nicht einfach am Straßenrand parken kann, gibt es für die Feuerwehrfrau oder den Feuerwehrmann keine Möglichkeit, im heißen Brandrauch oder in einer giftigen Gaswolke mal eben das Atemschutzgerät abzunehmen.

Prüfung eines Atemschutzgerätes
Prüfung eines Atemschutzgerätes

Daher erfordert die Instandhaltung von rund 250 Pressluftatmern, 500 Atemschutzmasken sowie 25 Chemikalienschutzanzügen und vielfältigem Zubehör besondere Sorgfalt. Auch andere Ämter der Landeshauptstadt Kiel und verschiedene Behörden vertrauen Ihre Technik unserer Atemschutzwerkstatt an.

Mit einem „RFID-Chip“ sind die Hauptkomponenten der Atemschutzgeräte unverwechselbar gekennzeichnet, so dass eine lückenlose Dokumentation der Verwendung und die Überwachung der Wartungsintervalle einschließlich der Messwerte von Prüfungen möglich ist.

Dazu dienen zwei PC-gesteuerte Prüfplätze, die durch teilweise automatisierte Abläufe den prüfenden Atemschutzgerätewart entlasten.

Trocknen von Atemschutzmasken
Trocknen von Atemschutzmasken

In der Atemschutzwerkstatt sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, den Gerätepool instand zu halten. Der befindet sich zum größten Teil auf den Löschfahrzeugen, die an den zehn Gerätehäusern der Freiwilligen Feuerwehr Kiel und zwei Wachen der Berufsfeuerwehr stationiert sind.

Unterstützt werden Sie dabei durch im Schichtdienst auf dem Löschzug eingesetzte Feuerwehrbeamte mit zusätzlicher Qualifikation als Atemschutzgerätewart und regelmäßiger, auch externer Fortbildung.

 

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz

Nach Einsätzen und „warmen“ Übungen sind die Atemschutzgeräte äußerlich mit Ruß und teerartigen Kondensaten verunreinigt, welche eine Vielzahl gesundheitsschädlicher Stoffe enthalten. Aus diesem Grund erfolgt zunächst eine Grobreinigung, bevor das Gerät demontiert wird. Die einzelnen Komponenten werden dann in getrennten Verfahren gereinigt und desinfiziert, bevor nach mehreren Prüfungen nebst Dokumentation wieder ein komplettes Gerät einsatzbereit ist.

Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz, deshalb werden die benutzten Atemschutzgeräte sofort gegen einsatzbereite Geräte ausgetauscht. Dazu wird der „Gerätewagen Atemschutz“ an die Einsatzstelle beordert, der bei größeren Einsätzen auch den Nachschub an Atemschutzgeräten sicherstellt, bis die von der Freiwilligen Feuerwehr Wellsee gestellte Sonderkomponente "Atemschutzlogistik“ diese Aufgabe übernehmen kann.

Mit Herz bei der Sache - auch auf dem Laufband

Atemschutzgeräteträger bei der Belastungsübung
Atemschutzgeräteträger auf
dem Laufband

Der Einsatz unter Atemschutz belastet Herz und Kreislauf extrem. So  müssen neben dem Gewicht des Atemschutzgerätes, des Helms und der mehrlagigen Schutzkleidung auch noch verschiedene Ausrüstungsgegenstände mitgeführt werden. Dabei kann sich der Atemschutzgeräteträger  meist nur kriechend und tastend durch den heißen Brandrauch bewegen. Die normale Regulierung der Körpertemperatur durch Schwitzen ist stark behindert, da sich die feuchte Wärme zwischen Haut und Schutzkleidung staut.

Alle Atemschutzgeräteträger werden daher arbeitsmedizinisch besonders überwacht und absolvieren jährlich eine „Belastungsübung“ in der Atemschutzübungsstrecke auf der Feuer- und Rettungswache Ost, welche ebenfalls von den Atemschutzgerätewarten betreut wird.

Während der Belastungsübung müssen unter Atemschutz zunächst vorgegebene Leistungen an verschiedenen Fitnessgeräten erbracht werden, wobei sich die vom Hamsterlaufrad inspirierte „Endlosleiter“ besonderer Beliebtheit erfreut…

Feuerwehrmann in der Übungsstrecke
Feuerwehrmann in der Übungsstrecke

Nach dieser „Aufwärmphase“ muss eine mit Hindernissen versehene Orientierungsstrecke aus Metallkäfigen mehrfach durchkrochen werden. Hier werden mit Theaternebel und Heizstrahlern Einsatzbedingungen simuliert.

Aus einer Leitwarte wird über Infrarotkameras die Übung überwacht, um bei Problemen unverzüglich eingreifen zu können. In diesem Fall wird nach Betätigung eines „NOT-AUS“-Knopfes der Nebel durch ein großes Gebläse abgesaugt und der Raum taghell beleuchtet. Die Drahtgitterwände der Übungsstrecke können mit einem Handgriff entfernt werden, um sofort Hilfe zu leisten.

Ebenfalls jährlich ist von den Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr das „Atemschutz-Notfalltraining“ zu absolvieren, um auf besondere Zwischenfälle und eigene Notsituationen im Einsatz vorbereitet zu sein. Dazu werden Zwischenfälle bei Einsätzen ausgewertet sowie standardisierte Handlungsabläufe in Einsatzübungen an wechselnden Objekten trainiert.