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Kieler Gewässer ökologisch verbessern

Gewässersystem Schlüsbek / Wellsau Ausbauabschnitt 1: Durchgängigkeit wiederherstellen

Die Schlüsbek westlich der Straße „Zum Forst“ wurde schon im 19. Jahrhundert stark begradigt, um den Niederungsbereich landwirtschaftlich zu nutzen. Als der Wellsee in den 1970er Jahren als Regenrückhaltebecken ausgebaut wurde, wurde die Schlüsbek von der Wellsau abgekoppelt und direkt in den Wellsee geleitet. Der Auslauf wird durch ein 1980 neu gebautes Wehr reguliert.

Begradigter Abschnitt der Schlüsbek mit vier Sohlabstürzen
Ein beradigter Abschnitt der Schlüsbek mit vier
Sohlabstürzen (Foto: A. Maaß, Umweltschutzamt)

Dieses stellt jedoch ein massives Wanderhindernis für Fische und andere Gewässerorganismen dar. Zudem gelangen aus dem Oberlauf mitgeführte Sand- und Schlammfrachten über den nicht mehr funktionstüchtigen alten Sandfang in den Wellsee. Um diese Probleme zu beseitigen, wurde das Projekt „Naturnahe Umgestaltung des Schlüsbek-Wellsau-Systems“ ins Leben gerufen. Es dient der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und wurde deswegen auch vom Land gefördert.

Naturnaher Flusslauf
Wiederhergestellter naturnaher
mäandrierender Flusslauf der
Schlüsbek
(Foto: A. Maaß, Umweltschutzamt)

Die Ziele des Projektes waren die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für die Gewässerorganismen durch Beseitigung aller Sohlabstürze und des alten Sandfangs an der Straße „Zum Forst“, die Herstellung eines passierbaren Sandfangs, um den Eintrag von Sedimenten zu verringern und ein durchgängiges Lückensystem zu schaffen und die Wiederherstellung der Durchgängigkeit durch die Verbindung von Schlüsbek und Wellsau durch den Bau eines Umgehungsgerinnes.

Auf einer Länge von 560 m entsteht ein neuer Bach mit einem geschwungenen, naturnahen Verlauf. Ein spezielles Sand-Kies-Gemisch wird eingebracht, das dem naturnahen Oberlauf entspricht und Gewässerorganismen einen neuen Lebensraum bietet. Das Profil wird so ausgebildet, dass in einer Niedrigwasserrinne auch bei geringen Wasserständen  immer noch genug Wasser im Bach fließt.

Die Wanderungshindernisse werden durch die Beseitigt der Sohlabstürze entfernt und der alte Sandfang wird durch einen neuen, für Gewässerorganismen passierbaren Sandfang ersetzt.

Überschwemmter Bereich
Überschwemmungsbereich südlich
der Wellsau im Dezember 2012
(Foto: A. Maaß, Umweltschutzamt)

Auf der Fläche „Aukampswiesch“ südlich der Wellsau wird auf 2.500 Quadratmeter ein Flachgewässer als zusätzlicher Überschwemmungsbereich und Lebensraum für Amphibien und Wasservögel geschaffen. Die steilen Ufer der Wellsau werden zudem abgeflacht.

In einem Zyklus von Sommer bis Winter siedelten sich erste Tiere und Wasserpflanzen an.

Frosch im Wasser
Der Wasserfrosch als eines der ersten
Tiere (Foto: A. Maaß, Umweltschutzamt)

Froschlöffel
Der Froschlöffel als eine der ersten
Pflanzen (Foto: A. Maaß, Umweltschutzamt)

Ausbauabschnitt 2 - Planungsstand

gradlinig ausgebaute Wellsau
Wellsau, gradlinig ausgebaut, Blick Richtung Stadtgebiet Kiel
(Foto: A. Maaß, Umweltschutzamt)

Nach Abschluss der Maßnahme zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit im Gewässersystem Schlüsbek-Wellsau durch den Wiederanschluss der Schlüsbek an die Wellsau sind zurzeit im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie weitere ökologische Verbesserungsmaßnahmen in der Wellsau geplant und sollen im Herbst diesen Jahres umgesetzt werden.

Im Abschnitt der Wellsau zwischen der Stadtgrenze Kiel und dem Wanderweg „Spitzkoppel“ sollen dabei neben neu erschlossenen Retentionsflächen sogenannte „Instream“-Maßnahme umgesetzt werden.

Skizze Genehmigungsplanung mit Retentionsraum
Genehmigungsplanung mit Retentionsraum

Dabei handelt es sich um Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur, die im Gewässerbett stattfinden, zum Beispiel Einengungen und Aufweitungen des Gewässerprofils, Einbau von Kiessubstraten und Förderung der Beschattung durch gruppenweise Bepflanzung. Mit diesen Maßnahmen wird die Struktur- und Strömungsvielfalt des Gewässers erhöht und dadurch der Sauerstoffhaushalt verbessert.