ProjektKoordinierungsstelle pflegesensibles Quartier
Caring Communities für pflegende An- und Zugehörige
Lebensphasen verändern sich, und mit ihnen auch die Anforderungen des Alltags. Pflegebedürftige Menschen benötigen oftmals Unterstützung aus ihrem Umfeld. Gleichzeitig werden ihre An- und Zugehörigen vor neue Aufgaben und Herausforderungen gestellt.
Ein pflegesensibles Quartier nimmt diese Herausforderungen in den Blick und möchte gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gemeinschaft gestalten.
Kontakt
Landeshauptstadt Kiel
Amt für Soziale Dienste
Fachdienst „Inklusion und Älter werden im Quartier“
Stephan -Heinzel-Straße 2, 24116 Kiel
Projektleitung
Andrea Schnücker-Schulz
Projektkoordination
Robert Rempel
Modellprojekt in zwei Kieler Ortsteilen
Zur Entlastung pflegender An- und Zugehöriger wird im Rahmen eines Modellprojekts in zwei Kieler Ortsteilen bis Ende 2028 die „Koordinierungsstelle pflegesensibles Quartier – Caring Communities für pflegende An- und Zugehörige“ etabliert.
Die Koordinierungsstelle ist für den Aufbau und die Weiterentwicklung quartiersnaher Unterstützungssysteme in den zwei Ortsteilen Elmschenhagen und Wik zuständig. Ziel ist es, dass die Unterstützung dort anknüpft, wo Menschen leben: nah am Alltag und in der Nachbarschaft.
Mehr Unterstützung, mehr Chancen
Das Modellprojekt soll es ermöglichen, pflegebedürftige Menschen und ihre An- und Zugehörigen im Alltag besser zu unterstützen, Teilhabechancen im Ortsteil zu fördern, bestehende Angebote zu vernetzen und nachbarschaftliche Hilfestrukturen weiter auszubauen. Dafür arbeitet die Koordinierungsstelle in Ergänzung und Kopplung zu bestehenden Strukturen wie der Anlaufstelle Nachbarschaft (anna) und dem Pflegestützpunkt in der Landeshauptstadt Kiel (PSP).
Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW) übernimmt als Projektpartnerin die wissenschaftliche Begleitforschung. Darüber hinaus waren die AWO Beratungsstelle Demenz und Pflege, der Pflegestützpunkt in der Landeshauptstadt Kiel und Wir Pflegen e.V. SH an der Konzeptentwicklung beteiligt. Für das Projekt erhält die Landeshauptstadt Kiel eine Förderung durch das Land Schleswig-Holstein und die Landesverbände der Pflegekassen.
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Sozialministerin Aminata Touré übergibt Förderbescheid
„Ein großer Teil der Menschen möchte im gewohnten Umfeld älter werden und dort auch gepflegt werden. Schon heute sind pflegende Angehörige der größte Pflegedienst, den wir haben. Mit Blick auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel wird Pflege im häuslichen Umfeld noch weiter an Bedeutung gewinnen.
Deshalb brauchen wir genau solche Ansätze, die eine solidarische und pflegende Gesellschaft im direkten Umfeld würdigen und stärken. Ich freue mich, dass die Landeshauptstadt Kiel so ein spannendes Projekt auf die Beine stellt“, sagte Sozialministerin Aminata Touré bei der Übergabe des Förderbescheids am 29. Juni 2026.
Die ganze MeldungPressemitteilung
Pflegesensibles Quartier: Land und Pflegekassen fördern Modellprojekt zur Stärkung von Pflege und Nachbarschaft in Kiel
Die Stadt Kiel startet ein neues Modellprojekt zur besseren Unterstützung pflegender Angehöriger im direkten Wohnumfeld. Ziel des Vorhabens „Pflegesensibles Quartier“ ist, Pflege und Unterstützung stärker im Quartier zu organisieren und alltagsnahe Hilfen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen auszubauen. Das Projekt wird in den Stadtteilen Elmschenhagen / Kroog sowie Wik umgesetzt und mit rund 540.000 Euro durch das Land Schleswig-Holstein und die Pflegekassen gefördert. Sozialministerin Aminata Touré und AOK-Landesdirektorin Iris Kröner haben heute symbolisch den Förderbescheid an Bürgermeister Gerwin Stöcken übergeben.
„Ein großer Teil der Menschen möchte im gewohnten Umfeld älter werden und dort auch gepflegt werden. Schon heute sind pflegende Angehörige der größte Pflegedienst, den wir haben. Mit Blick auf den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel wird Pflege im häuslichen Umfeld noch weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb brauchen wir genau solche Ansätze, die eine solidarische und pflegende Gesellschaft im direkten Umfeld würdigen und stärken. Ich freue mich, dass die Landeshauptstadt Kiel so ein spannendes Projekt auf die Beine stellt“, sagte Sozialministerin Aminata Touré.
Im Mittelpunkt des Modellvorhabens steht ein quartiersbezogener Caring-Community-Ansatz, der Pflege als gemeinsame Aufgabe im sozialen Umfeld versteht. Durch Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit sollen Menschen im Quartier für das Thema Pflege sensibilisiert, nachbarschaftliche Unterstützung gestärkt und pflegende Angehörige entlastet werden. Zudem soll der Zugang zu Entlastungsangeboten – auch mit digitalen Lösungen – erleichtert werden.
AOK-Landesdirektorin Iris Kröner: „Die gesetzlichen Pflegekassen unterstützen gern das Modellvorhaben „Pflegesensibles Quartier“. Es verbindet professionelle Pflege mit Angehörigen, Nachbarn und lokalen Einrichtungen in einem neuen, innovativen Netzwerk direkt im Wohnumfeld der Betroffenen. Damit wird es pflegebedürftigen Menschen ermöglicht, so lange wie möglich selbstständig in ihrer gewohnten Umgebung zu leben. Das stärkt die Versorgungssicherheit, entlastet Pflegefachkräfte und pflegende Angehörige und macht die Daseinsvorsorge nachhaltiger. Solche Modelle können helfen, die Versorgung älterer, kranker und pflegebedürftiger Menschen zukunftssicher zu gestalten.“
Zentrales Element ist eine neue Koordinierungsstelle „Pflegesensibles Quartier“. Sie ergänzt bestehende Strukturen wie die Anlaufstellen Nachbarschaft (anna) sowie die Pflegestützpunkte. Die Koordinierungsstelle übernimmt insbesondere die Vernetzung im Quartier, die Vermittlung von Unterstützungsangeboten sowie die Organisation und Begleitung freiwilliger nachbarschaftlicher Hilfe.
Bürgermeister Gerwin Stöcken: „Die alternde Gesellschaft und der Fachkräftemangel stellen uns in der Pflege vor große Herausforderungen. Um diese zu meistern, müssen wir neue Konzepte entwickeln und neue Wege gehen. Mit den Pflegesensiblen Quartieren haben wir einen pragmatischen Ansatz entwickelt – denn An- und Zugehörige leisten einen enormen Beitrag zur Pflege und dürfen mit dieser Aufgabe nicht alleine gelassen werden. Mit dem Modellprojekt wollen wir direkt vor Ort unterstützen und die Situation der Pflegenden und Pflegebedürftigen zu verbessern.“
Das Projekt basiert auf einer begleitenden Bedarfsanalyse der Sorge- und Unterstützungsbedarfe pflegender An- und Zugehöriger im Quartier. Es wird wissenschaftlich durch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel begleitet. Untersucht wird insbesondere, wie sich die neuen Unterstützungsstrukturen auf die Belastung pflegender Angehöriger und die Lebensqualität im Quartier auswirken. Die Ergebnisse sollen in einem praxisnahen „Tool-Koffer“ gebündelt und auf weitere Stadtteile, Städte und Gemeinden übertragen werden.
„Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung werden wir die verschiedenen Bedürfnisse und Unterstützungsbedarfe der doch sehr heterogenen Zielgruppe der pflegenden An- und Zugehörigen in den Blick nehmen. Dazu gehören auch pflegende Eltern, pflegende Kinder und Jugendliche. Wir wollen untersuchen, wie sich die Hilfeangebote der Caring Community auch für diese Gruppen auswirken,“ erläutert Studienleiterin Dr. Anke Erdmann, Professorin für Chronische Erkrankungen und Langzeitpflege an der HAW Kiel.
Das Modellvorhaben wird im Rahmen eines Förderprogramms der sozialen Pflegeversicherung umgesetzt, mit dem neue Versorgungs- und Unterstützungsformen in der Pflege erprobt werden. Schleswig-Holstein stellt hierfür im Rahmen der Kofinanzierung jährlich rund 1 Mio. Euro für die Jahre 2025 bis 2028 zur Verfügung.
Verantwortlich für diesen Pressetext: Patrick Tiede | Fenja Hardel | Hannah Beyer | Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein
Was sind die Aufgaben und Handlungsfelder der Koordinierungsstelle?
Die Aufgabe der Koordnierungsstelle pflegesensibles Quartier besteht aus vier Bausteinen:
Der Fokus dieses Handlungsfeldes ist darauf gerichtet, eine koordinierte Zusammenarbeit mit bestehenden Strukturen zu fördern und das Projektvorhaben bekannt zu machen. Ziel ist es, die Menschen im Ortsteil für das Thema Pflegebedürftigkeit zu sensibilisieren. Gleichzeitig sollen verschiedene Zielgruppen erreicht werden wie Menschen mit Pflegebedarf und pflegende An- und Zugehörige jeden Alters sowie Menschen, die in ihrem Ortsteil nachbarschaftliche Unterstützung leisten möchten.
In diesem Handlungsfeld liegt der Schwerpunkt auf der Erfassung der tatsächlichen Sorgebedarfe und Hilfepotentiale im Ortsteil. Dabei soll die Vielfalt der Gruppe pflegender An- und Zugehöriger beachtet werden sowie die damit einhergehenden unterschiedlichen Bedürfnisse und Bedarfe.
Dabei geht es um das gezielte Zusammenbringen von Menschen mit niedrigschwelligem Hilfebedarf mit Personen, die im Ortsteil ihre Nachbar*innen unterstützen möchten. Dafür werden die individuellen Bedarfe und Potentiale ermittelt.
Unterstützungsleistungen könnten zum Beispiel sein: etwas vom Einkaufen mitbringen, ein Spiel mit der pflegebedürftigen Person spielen, während die An- und Zugehörigen an einem Sportkurs teilnehmen, Begleitung zu Terminen bei Ärzt*innen oder zu Angeboten im Ortsteil etc. Die Koordinierungsstelle ist dabei Ansprechperson und schafft einen Rahmen, der allen Beteiligten Sicherheit bietet.
In diesem Handlungsfeld liegt der Fokus auf thematischen Schwerpunkten, die sich aus dem Projektverlauf sowie der Bedarfsermittlung ergeben werden. Ein Aufgabenbereich könnte die bedarfsgerechte Weiterentwicklung und Zugänglichkeit von (digitalen) Austausch- und Begegnungsmöglichkeiten für die Zielgruppen darstellen.
Für das Projektvorhaben ist grundlegend, dass das, was eine Caring Community (Sorgende Gemeinschaft) im Sinne der Projektziele ausmacht, von Beginn an in Partizipation mit allen beteiligten Akteur*innen ausgehandelt wird:
„Die Ausbuchstabierung dessen, was nämlich Caring Community im Bezirk [...] konkret heißt, welche Sorgethemen und Anliegen, welche Bevölkerungsgruppen und Akteur*innen im Vordergrund stehen sollen, entwickelt sich vor Ort aus dem gemeinsamen Diskutieren und Tun heraus.“ (Wegleitner et al. 2023: 54).
Sie haben eine Nachricht, Lust sich zu engagieren oder weitere Fragen zum Projekt? Bringen Sie sich gerne ein!
Angebote zur Unterstützung und Entlastung pflegender An- und Zugehöriger
An dieser Stelle möchten wir Ihnen schon jetzt erste Anlaufpunkte und Adressen zur Verfügung stellen. Im Rahmen des Projektes soll diese Liste stetig wachsen und sich weiterentwickeln. Zudem informieren wir Sie hier künftig über Termine.
Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein bietet mit dem PIZ - Patienteninformationszentrum eine zusätzliche Einrichtung, um Fragen zu Gesundheit und Krankheit zu stellen und beantwortet zu bekommen.
Das PIZ ist ein ergänzendes Angebot der Pflege zu den Informationen, Schulungen und Beratungen der Stationen und Abteilungen und arbeitet in enger Absprache mit deren Mitarbeitenden.
Das Angebot ist offen für alle pflegenden An- und Zugehörige in Kiel und nicht nur mit stationärem Bezug im UKSH.
Wir pflegen Schleswig-Holstein e.V. gibt in regelmäßigen Abständen einen E-Mail-Newsletter heraus und informiert über Termine, Angebote und Hilfreiches.
Der Landesverein wir pflegen SH e.V. ist die Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation für pflegende Angehörige in Schleswig-Holstein. Als Teil des Bundesverbandes (wir-pflegen.net) setzt er sich für nachhaltige Verbesserungen in der häuslichen Pflege ein. Über den Austausch mit anderen Pflegenden ermöglicht er Angehörigen mehr Anerkennung, Kontakt und Informationen sowie eine Stimme in Politik und Gesellschaft – als gleichberechtigte Partner in der Pflege.
Aktuelle Termine
Woche der pflegenden Angehörigen in Schleswig-Holstein 2026 - vom 14. bis 18. September, mit Veranstaltungen in Kiel, Schleswig-Holstein und digital.
Förderung
Die Pflegekassen in Schleswig-Holstein