Der Museumsblog

Schaut mit uns hinter Türen, in Schubladen, in Keller und Depoträume. Erlebt den Museumsalltag und begleitet uns durch Kieler Stadtgeschichte.

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Neues

Der mobile Inkubator ist da

Am 17. August 2026 ist der mobile Inkubator im Museumsdepot angekommen. Die erste Testfahrt unternahm David Raudo, studentischer Mitarbeiter im Projekt „Inkubator Stadtgeschichte“. Der Inkubator Stadtgeschichte ist ein neues Beteiligungsformat des Stadt- und Schifffahrtsmuseums, das bewusst nicht im Museum, sondern an anderen Orten stattfindet.

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Der mobile Inkubator wird ausgeladen. Foto: Tobias Steins, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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David Raudo bei der ersten Probefahrt. Foto: Tobias Steins, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Das Museumsteam rollt dabei mit dem „mobilen Inkubator“ an, einem Fahrradanhänger voller Infos zur Kieler Geschichte. Er wurde nach dem Entwurf der Agentur „Drej – Szenografie und Design“ bei der mehrblick Projektgesellschaft in Hamburg hergestellt. Bei der Museumsnacht am 28. August wird der mobile Inkubator seinen ersten öffentlichen Auftritt haben.

„Gesucht war eine umweltfreundliche Methode, um die Arbeitsmaterialien zu den Veranstaltungsorten zu bringen“, erklärt Projektleiterin Dr. Eva-Maria Karpf vom Stadt- und Schifffahrtsmuseum. „Auf dem Weg soll das Transportmittel die Blicke auf sich ziehen und für den Inkubator Stadtgeschichte werben."

Diesen Zweck scheint der mobile Inkubator bereits zu erfüllen. Bei den ersten Testfahrten im Wissenschaftspark blieben bereits Neugierige an der Straße stehen, um dem auffälligen Gefährt nachzusehen.

Mehr zum Inkubator findet Ihr hier:

 www.kiel.de/inkubator

 

24. August 2026 | Stadt- und Schifffahrtsmuseum: Inkubator Stadtgeschichte | Eva-Maria Karpf

Moin und herzlich willkommen auf dem Blog des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums

Zwei Kinder mit Mützen und Fernrohren im Kieler Schifffahrtsmuseum. Sie stehen an der Außenwand eines weißen kleinen Bootes.

Schön, dass Ihr hier seid! Wir geben Euch spannende Einblicke hinter die Kulissen des Museums und in die vielseitige Geschichte unserer Stadt. Von maritimen Traditionen und dem Hafenwesen über die Kunst- und Kulturgeschichte bis hin zu den Menschen, die Kiel geprägt haben – hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken.

In unseren Beiträgen erzählen wir Euch, was bei uns los ist, gewähren Einblicke in die Entstehung unserer Ausstellungen und werfen einen Blick auf die weniger bekannten, aber ebenso spannenden Aspekte unserer Arbeit. Ihr bekommt einen Eindruck von unserem Museumsalltag und erfahrt, wie wir historische Schätze bewahren, präsentieren und erforschen.

Ob Interviews mit unseren Mitarbeitenden, spannende Hintergrundgeschichten zu unseren Sammlungen oder Geschichten rund um seltene Fundstücke – wir möchten unser Wissen und unsere Leidenschaft für die Geschichte Kiels mit Euch teilen. 

Lust auf mehr? Dann stöbert durch unsere mit der Zeit wachsenden Beiträge oder besucht uns direkt im Museum. Wir freuen uns, Euch mehr über Kiel und seine Geschichte zu zeigen! 

Euer Team von Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum

 

Stadt- und Schifffahrtsmuseum | Carolin Marie Kreutzfeldt

 

Große Windjammer ganz klein – ein Blick ins Depot und unsere Veranstaltungstipps zur Kieler Woche

Modell vom Schulschiff Deutschland in unserem Sammlungsdepot, wahrscheinlich 1927, 172 cm lang, Maßstab 1:50. Foto: Matthias Friedemann

Ein maritimer Höhepunkt der Kieler Woche ist die Windjammerparade, die seit 1998 jährlich am letzten Samstag der Festwoche stattfindet. Hierfür versammeln sich mehr als 100 Groß- und Traditionssegler, historische Dampfschiffe sowie zahlreiche Segelyachten und auch viele Marine- und Segelschulschiffe aus verschiedenen Ländern. Doch was sind Windjammer und hat es etwas mit Jammern zu tun?

Nein, der Begriff „Windjammer“ bezeichnet eine spezielle Art von Großseglern, die vor allem im 19. und frühen 20. Jahrhundert genutzt wurden. Der Name „Windjammer“ stammt aus dem Englischen und leitet sich von „to jam the wind“ ab, was so viel bedeutet wie „den Wind pressen“ – eine Anspielung auf die Kraft, mit der diese Schiffe den Wind nutzen.

Diese robusten, meist aus Holz gebauten Schiffe waren auf Tragfähigkeit, Handhabung und Wirtschaftlichkeit ausgelegt. Sie spielten eine wichtige Rolle in der globalen Wirtschaft, besonders vor der Elektrifizierung und dem Einsatz von Motorantrieben. Ursprünglich wurden sie für den Frachtverkehr und später als Segelschulschiffe eingesetzt.

In der Sammlung des Stadt- und Schifffahrtsmuseum befinden sich mehrere Modelle historischer Windjammer. So auch das Modell der Schulschiff Deutschland, eines der bekanntesten deutschen Großsegler, das heute ganzjährig im Neuen Hafen von Bremerhaven vertäut ist. Mit einer Länge von 86 Metern und einem beeindruckenden Großmast von 52 Metern Höhe prägt die Schulschiff Deutschland die maritime Silhouette der Hafenstadt

Die Schulschiff Deutschland wurde 1927 auf der Tecklenborg-Werft im Auftrag des Deutschen Schulschiff-Vereins als dessen viertes Schulschiff gebaut. Es handelt sich um das letzte erhaltene deutsche Vollschiff in Stahlbauweise mit drei Masten. Der Name des Schiffes enthält ausnahmsweise einen Funktionshinweis, um Verwechslungen mit dem zeitgleich entstehenden Panzerschiff Deutschland zu vermeiden. Das Vorgängerschiff, die Princess Eitel Friedrich, war nach dem Ersten Weltkrieg als Reparationsleistung an Frankreich abgegeben worden. Um ein ähnliches Schicksal für den Nachfolger zu verhindern, wurde das Schiff nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Lazarettschiff in Lübeck genutzt, anschließend als Wohnschiff für Minenräumer in Cuxhaven und zwischen 1949 und 1952 als Jugendherberge.

Bis 1995 war die Schulschiff Deutschland als stationäres Ausbildungsschiff an der Stephanibrücke in Bremen im Einsatz. Seither ist es als schwimmendes Kulturdenkmal offiziell anerkannt und wurde nach einem Zwischenaufenthalt in Bremen-Vegesack 2021 nach Bremerhaven überführt, wo es heute Besuchenden für Besichtigungen und Übernachtungen zu Verfügung steht.

Das 172 cm lange Modell dieses Schiffes im Maßstab 1:50 wurde von Klaus Grimm in St. Pauli entdeckt. Er identifizierte es als mögliches Werftmodell und nahm eine umfassende Restaurierung vor. Eine eindeutige Bestätigung, dass es sich tatsächlich um ein Werftmodell handelt, liegt zwar nicht vor, doch handelt es sich zweifellos um ein zeitgenössisches Exemplar, was in das Jahr 1927 oder ein wenig später datiert werden kann.

Veranstaltungstipps zur Kieler Woche

Nach dem trubeligen Beobachten der Windjammerparade an der Kiellinie am 27. Juni, ab 11 Uhr, kommt doch gerne im Schifffahrtsmuseum Fischhalle direkt neben dem Satorispeicher vorbei – hier erfahrt Ihr mehr über Kiels Geschichte als Hafenstadt, als Marine- und Werftenstandort und natürlich auch als Ort des Segelsports. Anschließend könnt Ihr einen Kaffee beim Blick auf die Förde genießen.

Für die kleinen Museumsfans findet am 28.06. um 11.00 im Schifffahrtsmuseum die Kinderführung: Was macht ein „Seehund“ im Museum? Kinder entdecken das Schifffahrtsmuseum Fischhalle! statt.

Am 19. Juni um 17 Uhr eröffnet unsere neue Ausstellung Die Stadt und ihre Menschen. Gemälde aus 200 Jahren Stadtgeschichte im Warleberger Hof. Hierzu wird es vom 23. bis zum 27. Juni täglich um 12 Uhr eine Kurzführung geben Mittags ins Museum: „Kurz und kunstvoll“ .  Am 21. und 28. Juni  um 11.30 Uhr finden unsere ausführlicheren Sonntagsführungen durch diese Ausstellung statt.  

Im Industriemuseum Metallgießerei in Dietrichsdorf finden Gussvorführungen, Führungen durch das Museum und auch neue Stadtteiltouren statt, wie etwa am 21.06. um 11.15 Uhr:  Eine Werft, ein Dorf – Stadtteilführung rund um die Metallgießerei.

Kommt gerne vorbei, der Eintritt ist wie immer frei!

Mehr Veranstaltungen und Infos findet Ihr in unserem Veranstaltungskalender.

 

19. Juni 2026 | Carolin Marie Kreutzfeldt

Einmal ins Mittelalter und zurück – den Kieler Umschlag im Stadtmuseum Warleberger Hof erleben! 26. Februar bis 1. März 2026

Zwei Kinder mit Mützen und Fernrohren im Kieler Schifffahrtsmuseum. Sie stehen an der Außenwand eines weißen kleinen Bootes.

Der Kieler Umschlag – oder ursprünglich „ummeslag“ (mittelniederdeutsch für Markt, Handel, Tausch) – steht vor der Tür.

Was heute ein buntes Volksfest ist, war bis 1911 ein bedeutender Geld- und Kapitalmarkt: Von seinen regionalen Anfängen entwickelte sich der Umschlag zu einem Treffpunkt für ganz Nordwestdeutschland und den Ostseeraum. Adelige Grundbesitzer, aber auch Teile des städtischen Bürgertums wickelten hier ihre Geldgeschäfte ab – sie verliehen Geld, nahmen Kredite auf oder beglichen Schulden.

Seit 1975 wird der Kieler Umschlag wieder jährlich als Volksfest gefeiert – mit festem Ritual. Am Donnerstag zwischen dem letzten Februar- und dem ersten Märzwochenende versammeln sich Schaulustige vor dem Stadtmuseum Warleberger Hof, um mit Musik und viel Trubel den Altbürgermeister Asmus Bremer (1652–1720) und seine Frau Dorothea Katharina symbolisch zu wecken. Danach zieht das Gefolge zur St.-Nikolai-Kirche am Alten Markt. Dort wird eine Fahne, die im Volksmund als „Bürgermeester sin Büx“  (die Hose des Bürgermeister) bezeichnet wird aus den Kirchturm gehisst – und der Umschlag ist offiziell eröffnet. 

Vier Tage lang sorgen Marktstände, Handwerk, Gastronomie und ein vielfältiges Bühnenprogramm für lebendige Atmosphäre. Am Sonntag werden Asmus und Dorothea Katharina schließlich wieder im Warleberger Hof „zu Bett gebracht“ – bis sie im nächsten Jahr erneut geweckt werden.

Das Stadtmuseum Warleberger Hof lädt am Umschlagswochenende mit besonderen Führungen und Veranstaltungen zum Mitfeiern ein:

Eröffnet wird das Programm am Donnerstag, 26. Februar, um 17 Uhr mit dem feierlichen Wecken von Asmus und Katharina Bremer samt Gefolge vor dem Warleberger Hof.

Am Freitag, 27. Februar, lädt Museumspädagogin Johanna Flügge um 15.30 und 16.30 Uhr zu einer Kostümführung unter dem Titel „Entdecke das alte Adelshaus“ ein (Anmeldung unter 0431 901-3425).

Am Sonnabend, 28. Februar, und Sonntag, 1. März, jeweils von 15 bis 16 Uhr, geht es beim kleinen Altstadtspaziergang „de Bürgermeister sin Büx“ auf historische Spurensuche: Historikerin Annette Mörke beleuchtet die fast 500-jährige Geschichte des Kieler Umschlags und die Figur des Asmus Bremer. Startpunkt ist der Warleberger Hof (Anmeldung unter 0431 901-3425).

Für junge Gäste bietet der Kinderworkshop „Kohle, Kröten und Moneten“ am Sonnabend, 28. Februar, von 14 bis 15.30 Uhr kreative Einblicke in die Geldgeschichte des Umschlags. Gemeinsam mit der Künstlerin Uta Kathleen Kalthoff gestalten Kinder ihr eigenes Papiergeld (Anmeldung unter 0431 901-3425, bitte eine kleine Nagelschere mitbringen).

Abgerundet wird das Wochenende durch zwei Sonntagsführungen am 1. März: Um 11.30 Uhr durch die Ausstellung „Momente einer Stadt. Fotos der Kieler Lichtbildstelle 1900–1950“ sowie um 15.30 Uhr durch „Gestern, heute, morgen. Perspektiven auf die Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums“.

Mehr Veranstaltungen und Infos findet Ihr in unserem Veranstaltungskalender.

 

23. Februar 2026 | Yvonne Danker, Carolin Marie Kreutzfeldt

 

Fielmann-Spende bereichert unsere Sammlung: Drei neue Stadtansichten – noch bis zum 22. Februar 2026 ausgestellt!

Wir haben bereits an anderer Stelle des Blogs von unserer Sammlung und ihrer Entstehung berichtet. Wie eine museale Sammlung wächst, kann ganz unterschiedlich verlaufen – durch gezielte Ankäufe, großzügige Schenkungen oder Spenden.

Am Freitag, 13. Februar 2026, durften wir eine besondere Erweiterung unseres Bestandes feiern: Die stellvertretende Fielmann-Niederlassungsleiterin Kerstin Lemke überreichte uns im Namen der Fielmann Group AG gleich drei Gemälde mit Kieler Stadtansichten. 

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Dr. Constanze Köster (Museumsförderung und Optische Sammlung der Fielmann AG), Kerstin Lemke (stellvertretende Leiterin der Fielmann-Niederlassung in der Holstenstraße), Museumsdirektorin Dr. Sonja Kinzler und Depotleiterin Katrin Seiler Kroll mit den gespendeten Gemälden von Hinrich Wrage, Gretel Riemann und André Krigar (jeweils von links nach rechts). Foto: LH Kiel / Arne Gloy
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Hinrich Wrage, Häuser am Klosterhof, um 1870. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Gretel Riemann, Ecke Gartenstraße / Legienstraße, 1996. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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André Krigar, Kiel bei Nacht, 2000. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Mit dieser großzügigen Spende wächst unsere Gemäldesammlung um stadt- und kunsthistorisch bedeutende Werke, die das Bild der Stadt in eindrucksvoller Weise dokumentieren. Zugleich erfährt unser Sammlungsbestand „Fördegalerie“ eine wertvolle Bereicherung. Er vereint Gemälde regionaler Künstler*innen, die sich in ihren Arbeiten der Stadt- und Förderlandschaft widmen. Die neu aufgenommenen Werke fügen sich nicht nur thematisch ein, sondern eröffnen auch neue Perspektiven auf bekannte Ansichten und historische Entwicklungen. 

Wir danken der Fielmann Group AG herzlich für diese großzügige Unterstützung und besonders Dr. Constanze Köster, die zuständig für die Museumsförderung und die Optische Sammlung ist, für die gute Zusammenarbeit.

Drei Künstler*innen, drei Perspektiven auf Kiel

Die Werke stammen von Hinrich Wrage (1843–1912), Gretel Riemann (1924–2012) und André Krigar (1952) – und könnten stilistisch kaum unterschiedlicher sein: Wrage malte um 1870 „Häuser am Klosterhof“. Mehr als 100 Jahre später hielt Riemann 1996 die „Ecke Gartenstraße / Legienstraße“ fest. Krigar schließlich zeigt in „Kiel bei Nacht“ (2000) die Stadt in abendlicher Stimmung. Über 130 Jahre liegen zwischen der ältesten und der jüngsten Arbeit. Genau das macht den Reiz der drei Neuzugänge aus: Sie dokumentieren eindrucksvoll die städtebauliche Entwicklung Kiels – vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Drei Bilder, drei Zeiten, ein roter Faden: Kiel im Wandel.

Präsentation im Stadtmuseum Warleberger Hof

Bis zum 22. Februar 2026 sind die Gemälde noch im Stadtmuseum Warleberger Hof ausgestellt, bevor sie erstmal in unser Depot kommen, um dort umfassend inventarisiert zu werden. Zu finden sind sie momentan auf Staffeleien im letzten Raum der Ausstellung „Gestern, Heute, Morgen. Perspektiven auf die Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums“. Dort präsentiert das Museum seine Neuzugänge ab 2023 – eine schöne Gelegenheit, Kiel aus drei künstlerischen Blickwinkeln neu zu entdecken.

Zu den Gemälden:

Hinrich Wrage, Häuser am Klosterhof, um 1870

Um 1870 schuf Hinrich Wrage im Auftrag Wilhelm Ahlmanns eine Ansicht des damaligen Klosterkirchhofs. Der Blick führt von der heutigen Falckstraße auf das alte Torgebäude des mittelalterlichen Klosterkomplexes. 

Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die Franziskaner hier ein Kloster gegründet, das 1530 im Zuge der Reformation aufgegeben wurde. 1665 nutzte die neu gegründete Universität Teile der Anlage, bevor sie 1768 in einen Neubau in der Kattenstraße umzog. Die alten Gebäude verfielen und wurden zwischen 1889 und 1891 im Zusammenhang mit dem neugotischen Umbau der Heiligengeistkirche abgerissen; die Falckstraße wurde bis zum Kleinen Kiel verlängert. 

Im späten 19. Jahrhundert bot die mittelalterliche Altstadt zahlreichen Künstler*innen reizvolle Motive. Besonders der Klosterkirchhof wurde häufig dargestellt – nicht selten romantisch überhöht. Auch bei Wrage steht weniger die nüchterne Dokumentation des Verfalls als vielmehr das malerisch-pittoreske des sich wandelnden Stadtbildes im Vordergrund.

Der 1843 in Hitzhusen bei Bad Bramstedt geborene Wrage wurde in Kiel ausgebildet und zählte in den 1870er Jahren zu den vielversprechenden künstlerischen Talenten der Stadt.

Gretel Riemann, Ecke Gartenstraße / Legienstraße, 1996

Unweit der historischen Altstadt entstand um 1850 das neu erschlossene Damperhofviertel. Die dort gelegene Kreuzung Gartenstraße / Legienstraße hielt die Kieler Künstlerin Gretel Riemann 1996 an einem regnerischen Tag fest. 

Kiel stand im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Seit den 1970er Jahren dokumentierte sie im Stil der realistischen Sachlichkeit den Wandel ihrer Heimatstadt in Momentaufnahmen. Die Legienstraße war für sie ein besonderer Ort: 1973 eröffnete sie im Haus Nr. 26, direkt gegenüber der Kreuzung, ihr eigenes Atelier. 

Seit 1977 sammelt das Museum ihre Werke als Zeugnisse der Stadtentwicklung; der Bestand umfasst inzwischen mehr als 30 Werke. Zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2024 widmete das Museum ihr eine Ausstellung mit Kieler Stadtbildern aus den Jahren 1970 bis 2012.

André Krigar, Kiel bei Nacht, 2000

Bis heute prägt die Silhouette der ehemaligen Landesbank das Stadtbild am Kleinen Kiel. 1954 entstand der markante Bau gegenüber dem Rathaus nach Plänen der Hamburger Architektengemeinschaft Grindelberg unter Leitung von Bernhard Hermkes. Im Dreieck zwischen Martensdamm und Küterstraße setzte er eine städtebauliche Dominante im neu entwickelten Banken- und Verwaltungszentrum der Nachkriegszeit.

Krigars nächtliche Ansicht der Landesbank entstand im Rahmen des Projekts „Kiel in Sicht“, einer Freiluftmalaktion, die die Landeshauptstadt in unterschiedlichen Facetten festhielt. Gemeinsam mit Brigitta Borchert und Tobias Duwe, die ebenfalls zu den Norddeutschen Realisten gehören, setzte er sich zwischen 2000 und 2002 künstlerisch mit Kiel auseinander.

Der 1952 in Berlin geborene Krigar studierte von 1972 bis 1979 an der Hochschule der Künste Berlin und ist seit 1992 Mitglied der Norddeutschen Realisten. In der Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums ist er mit mehreren Werken vertreten.

 

16. Februar 2026 | Stadt- und Schifffahrtsmuseum | K. Seiler-Kroll, C. Kreutzfeldt

 

Ein besonderer Moment für das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum

In der Herbert Gerisch-Stiftung in Neumünster wurde uns am 31.01.2026 das Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ verliehen – und das bereits zum zweiten Mal. Damit gehören wir zu den fünf Museen in Schleswig-Holstein, die in diesem Jahr für ihre Qualität und ihr Engagement ausgezeichnet wurden.

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Die Vertreter*innen der fünf ausgezeichneten Museen und Guido Wendt, Kulturstaatssekretär des Landes Schleswig-Holstein, in der Villa Wachholtz/Herbert Gerisch-Stiftung. Foto: Kai-Ole Nissen / MBWFK
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Guido Wendt überreicht Sonja Kinzler, der Leiterin unseres Museums, die Auszeichnung. Foto: Kai-Ole Nissen / MBWFK
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Gemeinsam mit der Herbert Gerisch-Stiftung, dem Museum für Natur und Umwelt in Lübeck, dem NordfrieslandMuseum Nissenhaus in Husum und dem Schloss Glücksburg spiegeln wir die große Vielfalt der schleswig-holsteinischen Museumslandschaft wider, in der jedes Haus eigene inhaltliche Schwerpunkte setzt. 

Die Auszeichnung wurde von Kulturstaatssekretär Guido Wendt überreicht. In seinem Grußwort dankte er den Museumsteams für ihr großes Engagement und hob hervor, dass Museen weit mehr sind als reine Bewahrungsstätten: Sie sind Orte des kulturellen Erbes, der Bildung und des gesellschaftlichen Dialogs. Eine vom Kulturministerium geförderte Studie zeigt zudem, dass Museen in der Bevölkerung ein besonders hohes Maß an Vertrauen genießen – ein großes Lob für alle, die in diesem Bereich arbeiten. 

Auch Dr. Peter Thurmann, Vorsitzender des Beirats der Museumszertifizierung in Schleswig-Holstein, würdigte die ausgezeichneten Häuser. Seit mittlerweile 13 Jahren habe sich die Museumszertifizierung als wirksames Instrument zur Qualitätssicherung, Vernetzung und nachhaltigen Unterstützung der Museen im Land etabliert. Ein wichtiger Baustein seien dabei die neu gegründeten Notfallverbünde, die Museen besser gegen Klimafolgen wie Überflutungen schützen und im Ernstfall schnelle gegenseitige Hilfe ermöglichen. 

Dass wir nun erneut das Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ tragen dürfen, ist für uns Anerkennung und Ansporn zugleich, unsere Arbeit auch künftig mit hohem Anspruch fortzusetzen.

 

04. Februar 2026 | Stadt- und Schifffahrtsmuseum | Carolin Marie Kreutzfeldt

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27. Dezember 2024

Moin und willkommen auf unserem neuen Museumsblog!

Schön, dass ihr hier seid! Auf dem Blog des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums geben wir euch spannende Einblicke hinter die Kulissen des Museums und in die vielseitige Geschichte unserer Stadt. Von maritimen Traditionen und dem Hafenwesen über die Kunst- und Kulturgeschichte bis hin zu den Menschen, die Kiel geprägt haben – hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken.

In unseren Beiträgen erzählen wir Euch, was bei uns los ist, gewähren Einblicke in die Entstehung unserer Ausstellungen und werfen einen Blick auf die weniger bekannten, aber ebenso spannenden Aspekte unserer Arbeit. Ihr bekommt einen Eindruck von unserem Museumsalltag und erfahrt, wie wir historische Schätze bewahren, präsentieren und erforschen.

Ob Interviews mit unseren Mitarbeitenden, spannende Hintergrundgeschichten zu unseren Sammlungen oder Geschichten rund um seltene Fundstücke – wir möchten unser Wissen und unsere Leidenschaft für die Geschichte Kiels mit euch teilen.

Lust auf mehr? Dann stöbert durch unsere mit der Zeit wachsenden Beiträge oder besucht uns direkt im Museum. Wir freuen uns, euch mehr über Kiel und seine Geschichte zu zeigen!

Euer Team vom Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum

 

19. November 2024

 

„Mein Herz schlägt für alte Fotos“

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Video zum Objekt des Monats März 2025 - Klick auf das Bild öffnet das Video in einer eigenen Ansicht

14.November 2024

 

Think of me

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26. Oktober 2024

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30. September 2024

„Ohne mich könnt ihr es schaffen“

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27. Dezember 2024


Das sind wir

Museumsdepot Wissenschaftspark

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Ein Museumsdepot ist ein Ort, an dem ein Museum seine Sammlungsobjekte fachgerecht aufbewahrt. In unserem Museumsdepot im Wissenschaftspark befinden sich mehr als 45.000 Objekte aus Kunst, Geschichte und Alltagskultur verschiedener stadt- und seefahrtsgeschichtlicher Sammlungsbereiche. Dazu gehören unter anderem Gemälde, Schiffsmodelle, technische Geräte, Textilien und Alltagsgegenstände, die von A wie Aschenbecher über K wie Kinderwagen bis Z wie Zuckerdose reichen.

Was passiert in einem Depot?

Ein Depot ist mehr als ein Lagerort: Die Objekte müssen unter geeigneten Bedingungen aufbewahrt, geschützt und erhalten werden. Dabei spielen Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht und Schädlingsschutz eine große Rolle.

Auch die Art der Lagerung ist entscheidend, sie wird an das jeweilige Material und den Erhaltungszustand eines Objektes angepasst: Gemälde werden zum Beispiel hängend aufbewahrt, während Textilien und Objekte aus Papier in der Regel liegend und unter Verwendung von säurefreien Materialien gelagert werden. In unserem Depot befinden sich daher zahlreiche Schränke, hohe Regale und eine Gemäldezuganlage, die Ihr im Video auch entdecken könnt.

Doch die Aufbewahrung ist nicht die einzige Aufgabe eines Museumsdepots. Das Depot ist zugleich museologischer und restauratorischer Arbeitsplatz. Hier werden Objekte inventarisiert, erforscht und auch für künftige Ausstellungen vorbereitet.

Wer arbeitet hier?

In unserem Depot arbeitet ein fünfköpfiges Team. Es besteht aus einer Sammlungsleitung sowie jeweils einer zuständigen Person für Museumstechnik, für Foto und Medientechnik, für Ausstellungstechnik sowie für die Reinigung der Räume.

Kann das Museumdepot im Wissenschaftspark besucht werden?

Ja, zweimal im Jahr haben wir am Tag der offenen Tür im Museumsdepot geöffnet, und Ihr könnt kostenfrei an Führungen durch unsere Räumlichkeiten und die Sammlung teilnehmen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, kostenpflichtige Führungen durch das Depot zu buchen.

Fun Fact: Das Museumsdepot befindet sich in den ehemaligen Produktionshallen der Firma Hagenuk, die unter anderem Telefone, Funk- und Faxgeräte herstellte. Heute sind einige dieser Erzeugnisse des einstigen Kieler Unternehmens selbst Teil unserer Sammlung.

   

24. September 2026 | Museumsdepot | Carolin Marie Kreutzfeldt

Industriemuseum Howaldtsche Metallgießerei

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Nur wenige Meter vom Fähranleger „Dietrichsdorf“ entfernt, zwischen Ostuferhafen und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, liegt die ehemalige Howaldtsche Metallgießerei. Von 1884 bis 1980 wurden hier vor allem Bronze-, Blei- und Messingteile für die Schiffe der Howaldtswerke gefertigt. Heute glühen die Schmelzöfen nicht mehr, doch der historische Industriecharakter des Gebäudes ist erhalten geblieben. Als Museum lädt es nun Besucher*innen ein, in die Kieler Werft- und Industriegeschichte einzutauchen.

Der Anfang der Kieler Industriegeschichte

Die Geschichte der Howaldtswerke begann 1838 mit der Gründung einer Maschinenfabrik durch August Ferdinand Howaldt und Johann Schweffel – dem ersten Industriebetrieb Kiels. Unter dem Namen „Schweffel & Howaldt“ entstanden Landwirtschaftsgeräte, Haushaltsgegenstände, Dampfmaschinen und gelegentlich auch Schiffe, darunter um 1850 das Tauchboot „Brandtaucher“.

Brüder, Schiffe und große Pläne: Vom Familienbetrieb zu den Howaldtswerken

1879 übernahmen die Söhne Georg, Bernhard und Hermann Howaldt das Unternehmen. Georg hatte bereits 1876 in Dietrichsdorf eine Schiffswerft gegründet. 1880 verlegten die Brüder auch die Maschinenfabrik dorthin, um alle für den Schiffbau benötigten Teile vor Ort herzustellen. 1889 schlossen sich beide Betriebe zu den Howaldtswerken zusammen.

Licht, Schienen und kurze Wege – gebaut für Effizienz

Die Anlagen in Dietrichsdorf wurden ab 1880 nach Plänen des Architekten Heinrich Moldenschardt errichtet. Maschinenhalle, Schmiede und Gießereien lagen dicht beieinander und waren durch Schienen verbunden, sodass die hergestellten Teile schnell zu den Schiffsdocks transportiert werden konnten. Die Architektur der großen, hellen Hallen mit ihren gemusterten Backsteinfassaden und den eleganten Rundbogenfenstern waren schön und praktisch zugleich. Dank elektrischen Lichts konnten die Arbeitszeiten unabhängig vom Tageslicht gestaltet werden – bei guter Auftragslage sogar rund um die Uhr.

Hitze, Kraft und Können

Im Zentrum der Metallgießerei steht der Schornstein, der von Schmelzöfen umgeben ist. Die Arbeit war körperlich schwer und erforderte großes handwerkliches Können, besonders bei der Herstellung der Gussformen. Große Schmelztiegel wurden in die Öfen gesenkt, um das Metall zu schmelzen; die Zusammensetzung der Legierungen war ein streng gehütetes Geheimnis. Schutzkleidung für die gefährliche Arbeit wurde erst ab den 1960er Jahren gestellt.

Vom Arbeitsort zum Museum

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich der Werftbetrieb schrittweise nach Gaarden, 1983 wurde das Werk in Dietrichsdorf aufgegeben. Von den historischen Gebäuden blieb allein die Metallgießerei erhalten, die 1992 unter Denkmalschutz gestellt und von 2003 bis 2006 saniert wurde. Dabei wurde der stark beschädigt Schornstein durch eine Attrappe aus Baustahl ersetzt. Bis 2019 betrieb ein ehrenamtlicher Verein das Museum. Seit 2020 ist die ehemalige Gießerei Teil des Stadt- und Schifffahrtsmuseums. Führungen und Gussworkshops vermitteln hier Einblicke in die Kieler Industrie-, Schiffbau- und Arbeitergeschichte.

Fun Fact: An der Westwand der Metallgießerei gibt es einen Maueranker in Form einer Blüte. Den gleichen Maueranker findet man auch am Gebäude der Alten Mühle auf der Schwentinebrücke.

   

27. Juli 2026 | Industriemuseum | Carolin Marie Kreutzfeldt

Die Fischhalle – Kiels Schifffahrtsmuseum

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Wer heute das Kieler Schifffahrtsmuseum besucht, braucht Fantasie, um sich das einstige geschäftige Treiben, den intensiven Fischgeruch und die laute Geräuschkulisse der ehemaligen städtischen Fischhalle vorzustellen.

Wo der Fisch unter den Hammer kam

In der Mitte der gefliesten Halle, die damals den neuesten hygienischen Standards entsprach, befanden sich zwei jeweils acht Meter lange Meerwasserbecken, in denen die Fische während der Auktion frisch gehalten wurden. Hier fanden die morgendlichen Auktionen des Großhandels statt. In den umliegenden Kabinetten betrieben die Fischeinzelhändler*innen ihre Läden.

Ein Wahrzeichen am Fördeufer entsteht

Das Gebäude mit dem auffälligen Tonnendach am Fördeufer wurde 1910 als städtische Fischhalle eingeweiht und nach Plänen des Stadtbaurats Georg Pauly errichtet. Der zuvor dezentral organisierte Fischhandel am Hafen war damit erstmals unter einem gemeinsamen Dach vereint.

Gerettet vor dem Vergessen

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Fischhalle weitgehend unbeschadet. Mit der Eröffnung eines neuen Seefischmarkts an der Schwentinemündung im Jahr 1948 verlor sie ihre ursprüngliche Funktion und blieb lange Zeit ungenutzt. Zwar wurde 1966 ihr Abriss geplant, doch eine Bürgerinitiative setzte sich erfolgreich für ihren Erhalt ein. 

Seit 1972 steht die historische Fischhalle unter Denkmalschutz. 1978 zog das im selben Jahr gegründete Kieler Schifffahrtsmuseum in das Gebäude ein.

Zwischen Geschichte, Hafenblick und Gegenwart

Nach der aufwendigen Sanierung im Jahr 2014 lässt sich hier wie kaum an einem anderen Ort in Kiel die enge Verbindung zwischen Stadtgeschichte und Gegenwart unmittelbar erleben. Beim Rundgang durch die ehemalige Fischhalle, vorbei an historischen Exponaten, Modellen, Bildern und Geschichten, schweift der Blick hinaus auf das Wasser. Dort ziehen Segelboote, Fähren und Marineschiffe vorbei, während im Hintergrund die blauen Portalkräne der ehemaligen Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW), heute TKMS AG & Co. KGaA sichtbar sind.

So eröffnet sich heute im Kieler Schifffahrtsmuseum ein umfassender Blick auf die maritime Geschichte Kiels, mit einem Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen dabei die vier Themenbereiche „Marine“, „Werften“, „Segelsport“ und Kiel als „Hafenstadt“.

Fun Fact: Schöne Aussicht oder schöne Ansicht?

Regelmäßig werden wir um den großen Balkon zur Wasserseite beneidet. Allerdings ist dieser ausschließlich Schmuck und hat keine direkten Zugang. Er ist also nichts für den Liegestuhl in der sonnigen Mittagspause oder den besten Blick auf das Kieler Woche-Feuerwerk.

 

27. Mai 2026 | Stadtmuseum | Carolin Marie Kreutzfeldt

Der Warleberger Hof – Kiels Stadtmuseum

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Wenn Ihr das Stadtmuseum in der Dänischen Straße besucht, betretet Ihr zugleich das älteste erhaltene Wohnhaus Kiels: den Warleberger Hof. 

Eine Schenkung mit Zukunft

Errichtet wurde das Gebäude im Jahr 1616 auf einem deutlich älteren, mittelalterlichen Kellergewölbe, das bis heute erhalten und zugänglich ist. Bauherr war der Amtsschreiber Christoph Martens, der seinen Arbeitsplatz im Kieler Schloss hatte. Seine Aufgaben waren es, im Amt Kiel die Steuern für den Herzog einzutreiben, die Amtsbücher zu führen und an die Verwaltung auf Schloss Gottorf zu berichten. Plante der Herzog, eine Zeitlang auf dem Kieler Schloss zu wohnen, dann musste Martens dafür die Vorbereitungen treffen. Als Dank für seine gute Arbeit schenkte ihm Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf ein Grundstück, auf dem Martens den Warleberger Hof errichten ließ. Das Grundstück lag zwar innerhalb der Stadtmauer, gehörte aber rechtlich nicht zur Stadt Kiel, sondern zum Schloss und war somit von städtischen Steuern befreit. Damit war der Warleberger Hof einer von drei Freihöfen in der Stadt. Die anderen beiden waren der Buchwaldtsche Hof direkt nebenan sowie ein Hof in der Flämischen Straße 20.

Luxus hinter dicken Mauern

Mit der Schenkung gingen außergewöhnliche Privilegien einher, die damals puren Luxus bedeuteten: ein eigener Wasseranschluss sowie das Recht, Bier zu brauen. Beides lässt sich im Keller noch heute nachvollziehen. Dort befinden sich ein nach wie vor wasserführender Brunnen und ihm gegenüber eine große Herdanlage. Die Bewohner*innen mussten somit kein Wasser aus öffentlichen Brunnen holen, und durch das Bierbrauen wurden Krankheitserreger im Wasser abgetötet – es wurde trinkbar.

Feiern und Geschäfte – wenn der Adel nach Kiel kommt

Christoph Martens gehörte nicht zum Adel, doch wegen seiner hohen Stellung in der fürstlichen Verwaltung entsprach sein Haus adligen Standards. So verwundert es nicht, dass seine Nachfahren es um 1670 an Adlige verkauften. Für rund 150 Jahre diente der Warleberger Hof als Adelshof. Für die Adelsfamilien, die Güter auf dem Land in Schleswig-Holstein bewirtschafteten und bewohnten, war Kiel ein wichtiger Treffpunkt – insbesondere im Winter, für Hochzeiten, Bälle oder zur Abwicklung von Geschäften. Sehr zum Ärger des Rates kauften viele Adlige Bürgerhäuser als städtische Wohnsitze – damit entging der Stadt Geld, denn die Adligen mussten keine städtischen Steuern bezahlen. Im 17. Jahrhundert gab es 77 solcher Adelshäuser. Die drei Freihöfe mit ihren großzügigen Grundstücken und Privilegien waren noch eine Kategorie vornehmer als die Adelshäuser.

Der Name, der bleibt

Seinen heutigen Namen verdankt der Warleberger Hof einem seiner adeligen Besitzer: Henning von Thienen auf Warleberg, der das Haus von 1690 bis 1703 bewohnte. Er stammte vom gleichnamigen Gut am Nord-Ostsee-Kanal, das heute als Ausflugsziel und für seine Erdbeeren bekannt ist. Der repräsentative Eingang mit dem Sandsteinportal, durch den Ihr das Gebäude heute betretet, geht auf spätere Umbaumaßnahmen zurück: 1765 ließ Henning Bendix von Rumohr die Hauptfront des Gebäudes in die Dänische Straße verlegen.

Vom Wohnen zum Forschen

Ab 1839 ging der Warleberger Hof in den Besitz der Kieler Universität über. Verschiedene Institute waren hier untergebracht, sodass das Gebäude schon damals als Ort von Wissenschaft und Ausstellung diente. Unter anderem beherbergte es eine zoologische und anatomische Sammlung, einen Präpariersaal so wie eine Leichenhalle. Auch die Kunsthalle fand zeitweise im Garten ihren Platz.

Die Geschichte geht weiter – heute als Stadtmuseum

Während der Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs blieb der Warleberger Hof – anders als die meisten anderen Adelshöfe der Stadt – weitgehend unversehrt. 1967 erwarb die Stadt Kiel das Gebäude. Seit 1970 ist der denkmalgeschützte Bau Sitz des Stadtmuseums. Neben der Kieler Stadtgeschichte und der Baugeschichte des Hauses werden hier wechselnde Sonderausstellungen zu Kunst, Kultur und Geschichte Kiels gezeigt.

Fun Fact: Wusstet Ihr, dass Kiel schon vor über 115 Jahren eine Straßenbahn hatte? Für ihren Bau wurde 1909 die Dänische Straße verbreitert und die Hauptfassade des Warleberger Hofs daher um rund fünf Meter zurückversetzt.

   

02. Februar 2026 | Stadtmuseum | Carolin Marie Kreutzfeldt

„Mein Herz schlägt für alte Fotos“

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14.November 2024

Das Objekt des Monats März 2025

„Das güldene Horn“ ist ein Instrument von 1846 aus der Werkstatt von Hildegard von Bingen. Bei ihrem Besuch im winterlichen Kiel am 21. Januar 1851 froren ihr daran die Hände fest. Nach dem Auftauen mochte sie es nie mehr anfassen, und so kam das Horn in den Privatbesitz von Leonore von Stein, die damit ihren Gatten in die Flucht schlug. Museumsarchivar Karl-Gustav Löwe rettete das Horn schließlich vor der Altmetallverwertung und schloss es in einer schalldichten Kammer ein.

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26. Oktober 2024

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30. September 2024

„Ohne mich könnt ihr es schaffen“

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27. Dezember 2024


Ausstellungen

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27. Dezember 2024

Das hat mich jetzt überrascht

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19. November 2024

 

„Mein Herz schlägt für alte Fotos“

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14.November 2024

Zur Kieler Woche eröffnet: Die Stadt und ihre Menschen. Gemälde aus 200 Jahren Kieler Stadtgeschichte

bis zum 23.05.2027 im Warleberger Hof

Die Ausstellung mit Bildern aus der Sammlung des Museums ist ein vielschichtiger Gang durch 200 Jahre Kunst- und Stadtgeschichte, und sie ist noch mehr: Sie lädt ein, sich mit den Menschen zu befassen, die auf den Stadtansichten, Fördelandschaften oder Porträts dargestellt sind. Menschen sind es schließlich, die die Stadt ausmachen.

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Das Aufbauteam in Aktion: Fast hundert Bilder eingepackt, ausgepackt, aufgehängt und beleuchtet haben unsere Museumsmitarbeiter Tobias Steins und Björn Seiz – und viele der ersten Gäste haben die Präsentation der Bilder schon sehr gelobt.

Übrigens: Damit wir in unseren kleinen Räumen viele Bilder zeigen können, haben wir die Objekttexte eher tief gehängt. Wer sich nicht bücken mag oder kann: Es gibt alle Objekttexte auch als Heft zum In-die-Hand-nehmen in den Ausstellungsräumen.

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Den Fokus auf die Personen und Figuren auf den Kunstwerken betont ein Rätsel mit Bildausschnitten auf Postkarten (zum Mitnehmen) in der Ausstellung: Suche die Menschen auf den Rätselpostkarten auf den Originalbildern!
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Die Kuratorin Doris Tillmann und Mitarbeiter*nnen des Museums beim Ausstellungsaufbau
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09. Juli 2026 | Stadtmuseum | Sonja Kinzler

Zurückgedreht: Wo die Wählscheibe Erinnerungen weckt. Perspektiven unserer Besucher*innen auf einen besonderen „Informationsträger“

bis zum 25.10.2026 im Warleberger Hof

In der Ausstellung „Gestern, Heute, Morgen. Perspektiven auf die Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums“ dreht sich alles um Objekte. Objekte transportieren Informationen, geben aber ihre Bedeutungen nicht von sich aus und nicht für Alle gleichermaßen preis. Um das erfahrbar zu machen, laden wir in der Ausstellung ein, bei ausgewählten Objekten eigene Geschichten und Gedanken beizutragen.

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Blick in die Ausstellung „Gestern, heute, morgen. Perspektiven auf die Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums“. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Telefon mit Wählscheibe der Firma Hagenuk (FeTap 612-2), 1979, Inv. Nr.: 402/2017. Foto: Matthias Freidemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Kommentar aus der Ausstellung
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Kommentar aus der Ausstellung
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Kommentar aus der Ausstellung
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 Bei unserem Telefon mit Wählscheibe der Firma Hagenuk von 1979 wurden viele Erinnerungen geweckt. Zum Beispiel: „Damals hatten wir alle Nummern im Kopf.“ „In meiner Kindheit gab es dieses Telefon in jedem Haushalt, auch in Grün oder Orange. Ganz besonders *hübsch* waren Schonbezüge aus Samt- oder Brokatstoff.“ „This object is called *klassik telefon* in Uzbek language.“ „Wo ist denn die WhatsApp-Taste?“

Zu den vielen weiteren Kommentaren zählt, dass das Telefon deutlich mache, warum man am Ende eines Gesprächs „auflegt“, oder dass es Erinnerungen an Kabelsalate oder an die Werkshallen der Kieler Werft HDW weckt.

Mehr Telefongeschichten könnt Ihr noch bis zum 25.10.2026 im Stadtmuseum Warleberger Hof entdecken oder selbst beitragen.

 

12. Juni 2026 | Stadtmuseum | Sonja Kinzler

 

In welchem Jahr war das? Rätselspaß in Momente einer Stadt – Fotos der Kieler Lichtbildstelle 1900–1950

bis zum 24.05.2026 im Warleberger Hof

In der Ausstellung „Momente einer Stadt“ sind die Fotos nicht chronologisch sortiert, sondern nach Themen. Die Leute aus der Lichtbildstelle haben gern „Vorher-Nachher-Fotos“ gemacht. Manchmal liegen zwischen zwei Bildern 30 Jahre, manchmal nur drei Wochen. Es ist sehr spannend, solche Bildpaare anzuschauen und zu entdecken, was sich verändert hat. Dabei helfen die Bildunterschriften, die natürlich auch angeben, wann das Foto aufgenommen wurde – häufig wissen wir das Jahr, manchmal sogar das Datum.

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Das Bilderrätsel am Ende der Ausstellung „Momente einer Stadt“. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Chemie-Unterricht in der Frauenberufsschule. In dem Jahr, als das Foto aufgenommen wurde, bekam die Schule erstmals eine naturwissenschaftliche Abteilung. Dafür wurden zwei Handarbeitsräume aufgegeben (Stadtarchiv Kiel, Fotoarchiv 61554). Foto: Unbekannt.
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Der Karlsruher Architekt Hermann Billing entwarf das Kieler Rathaus, das 1911 eingeweiht wurde. Der markante Turm hat den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Im Hintergrund die katholische Kirche St. Nikolaus (Stadtarchiv Kiel, Fotoarchiv 31663). Foto: Unbekannt
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Blick vom Hauptbahnhof zur Gablenzbrücke. Die Brücke überspannte die Bahngleise, die seit dem Bau der Bahnstrecke Kiel-Altona 1844 ein Hindernis für den Verkehr zwischen Ost- und Westufer bedeuteten (Stadtarchiv Kiel, Fotoarchiv 81201). Foto: Unbekannt
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Am Ende der Ausstellung aber gibt es drei Bilder, wo wir das Jahr bewusst verschweigen. Sie zeigen das Rathaus, den Bahnhof und den Unterricht in einer Berufsschule. Eins der drei Bilder ist 1910 entstanden, eines 1928 und eines 1950. Die Besuchenden müssen selbst überlegen, welche Jahreszahl zu welchem Bild gehört.

Ganz exklusiv für Euch haben wir einen kleinen Tipp: Jedes Bild gibt Hinweise auf seine Entstehungszeit. Bei Stadt-Aufnahmen hilft es zum Beispiel immer, sich mal die Fahrzeuge anzuschauen. Sind das Pferdefuhrwerke oder Autos? 1910 gab es vor allem Fuhrwerke, 1928 schon recht viele Autos, und 1950 fuhren fast nur noch Autos auf den Straßen.

Und nun viel Spaß beim Rätseln! Die richtigen Lösungen verbergen sich hinter den Klappen, also kommt vorbei.

 

20. April 2026 | Stadtmuseum | Eva-Maria Karpf

Momente einer Stadt – Fotos der Kieler Lichtbildstelle 1900–1950

bis zum 24.05.2026 im Warleberger Hof

Macht es Euch auch Spaß, alte Fotos aus Kiel anzuschauen? Manche sind richtige Rätselfotos, weil sich die Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts so stark verändert hat.120 Fotos aus der ehemaligen städtischen Lichtbildstelle sind in der Ausstellung „Momente einer Stadt“ zu sehen, die jetzt bis zum 24. Mai 2026 verlängert wurde. Die Ausstellung zeigt nicht die großen Ereignisse des 20. Jahrhunderts, sondern die kleinen Momente in der Entwicklung unserer Stadt.

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Am Anfang der Ausstellung „Momente einer Stadt“ steht ein Bild des Rathauses bei der „Lichtwoche 1928“ (Stadtarchiv Kiel, Fotoarchiv 60552). Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Die Standorte der Foto-Aufnahmen lassen sich in einem Stadtplan wiederfinden, der in allen Räumen der Ausstellung ausliegt. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Die Lichtbildstelle fertigte detailreiche Fotos von vielen städtischen Einrichtungen. Im Vordergrund das städtische Krankenhaus im Jahr 1912 (Stadtarchiv Kiel, Fotoarchiv 79854). Viele zusätzliche Fotos von Gebäuden und Behandlungsräumen finden sich in der Medienstation. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Was war eigentlich die Lichtbildstelle?

Von 1941 bis 1999 gab es im Kieler Rathaus eine Lichtbildstelle, bei der Fotograf*innen arbeiteten. Sie machten Fotos von der Arbeit der Stadtverwaltung und sammelten historische Fotos von Kiel. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) konnte das Kieler Stadtarchiv rund 4.500 Glasnegative der ehemaligen Lichtbildstelle aufwendig reinigen und in hoher Auflösung scannen lassen. Aus diesem Bestand stammen die Fotos in der Ausstellung.

Wie hat sich Kiel 1900 bis 1950 verändert?

Um 1900 wurde Kiel zur Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohner*innen. Damals wurden viele Häuser abgebrochen und neu gebaut – größer, stabiler und mit Anschluss an das Strom- und Wassernetz. In dieser Zeit musste die Stadtverwaltung eine neue Infrastruktur für Elektrizität und Wasser schaffen – und dafür sorgen, dass die Abfälle in den Toiletten hygienisch entsorgt wurden. Ab 1906 entstand das „Bülker System“, die Abwasserleitung nach Bülk, die heute noch im Betrieb ist. Zur neuen Infrastruktur gehörten auch Schulen, Altersheime und das städtische Krankenhaus.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Kiel als Marine- und Werftenstadt stark bombardiert. 1945 lag die Stadt in Trümmern. Die Ausstellung zeigt bewegende Fotos aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie endet mit dem Wiederaufbau, der in Kiel ein Bekenntnis zur Moderne war – als erstes Hochhaus entstand 1954 die Landesbank am Kleinen Kiel.

 

02. Februar 2026 | Stadtmuseum | Eva-Maria Karpf

Gestern, Heute, Morgen. Perspektiven auf die Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums

bis zum 25.10.2026 im Warleberger Hof

Was macht ein Museum eigentlich aus? Auf den ersten Blick scheinen es die Ausstellungen zu sein. Tatsächlich aber ist es die Sammlung, die das Museum von anderen Kultureinrichtungen unterscheidet. Ein Museum definiert sich über seine Sammlung. Sie bildet das Herz der Museumsarbeit.

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Ausstellungsaufbau: Museumstechniker Tobias Steins beim Hängen eines Holzstichs aus der maritimen Grafiksammlung des Hauses. Foto: Carolin Marie Kreutzfeldt, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Ausstellungsaufbau: Die Kuratorin Katrin Seiler-Kroll und Museumstechniker Tobias Steins richten die Vitrine mit den jüngsten Sammlungsneuzugängen der Jahre 2023–2025 ein. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Gemälde, Silber und Alltagsgegenstände: Die Anfänge der Sammlung zeigen Objekte aus den Jahren 1965–1967. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Blick hinter die Kulissen: Im Workshopraum können Objekte inventarisiert werden. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Doch warum sammelt ein Museum überhaupt?

Ein Museum sammelt Dinge als originale Zeugnisse, mit denen Wissen über vergangene Lebenswelten festgehalten und weitergegeben werden kann. Das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum sammelt seit 1965 Dinge als historische Quellen Kiels. Sie vermitteln Wissen über vergangene Kieler Lebenswelten und können zugleich auch Orientierung in der Gegenwart und für die Zukunft geben. Den Objekten als originalen Zeugnissen der Vergangenheit kommt damit eine herausragende Funktion zu.

Unsere Sammlung feiert Geburtstag

In seinem neuesten Ausstellungsprojekt „Gestern, heute, morgen. Perspektiven auf die Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums“ beschäftigt sich das Museum mit seiner eigenen Historie. Zum 60-jährigen Bestehen der Sammlung steht die Sammlung nun selbst im Fokus. 

Seit dem Eintrag des ersten Objektes im März 1965 in das Inventarbuch ist die Sammlung bis heute auf mehr als 45.000 historische Exponate angewachsen. Das Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum hat so einen riesigen materiellen Wissensspeicher der Stadtgeschichte aufgebaut.

Der Weg zum Stadtmuseum

Die Geschichte der Sammlung wird in der Ausstellung mit Exponaten chronologisch erzählt vor dem Hintergrund der wechselvollen Kieler Museumsgeschichte seit 1945. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Stadt Kiel zunächst ohne ein eigenes Museum da. Die Kieler Sammlungen des Provinzialmuseums und des Museums für vaterländische Altertümer gingen nach Schleswig, wo auf Schloss Gottorf ein neues Landesmuseum entstand. 

Erste Ideen für die Einrichtung eines Kieler Stadtmuseums kamen bereits in den 1950er Jahren auf. Der Aufbau einer Sammlung und die Suche nach Museumsräumlichkeiten verliefen in den 1960er Jahren weitgehend parallel. Mit der Anlage eines Zugangsbuches und dem Eintrag des ersten Objektes, einem Kaffeeröster (dem ein eigener Blogartikel gewidmet ist), wurde im März 1965 die Sammlung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums begründet. Nach der Sanierung des Warleberger Hofes nahm das Museum 1970 seine Ausstellungstätigkeit auf.

Schaue hinter die Kulissen

Die Ausstellung zeigt teils erstmalig ausgestellte Schätze und Alltagsgegenstände aus den Gründungsjahren bis zu den jüngsten Neuzugängen. Die ganze Breite der Sammlung mit ihren unterschiedlichen Beständen an Gemälden, Grafiken, Schiffsmodellen und industrie- und alltagshistorischen Exponaten ist in einer abwechslungsreichen Auswahl präsentiert. Und jedes Objekt erzählt Kieler Geschichte!

 Alles dreht sich also um die Objekte, sie stehen im Mittelpunkt! Aber was passiert mit den Objekten, wenn sie in die Sammlung kommen? Dieser Frage ist ein eigener Raum der Ausstellung gewidmet. In dem von der Kieler Agentur raum station konzipierten Workshopbereich können die Besucher*innen hinter die Kulissen schauen, Objekte auf ihrem Weg in die Museumssammlung begleiten und die verschiedenen Arbeitsschritte der Inventarisierung selbst ausprobieren.

Sammeln für die Zukunft

Den chronologischen Bogen beschließen am Ende der Ausstellung die jüngsten Neuzugänge, die auch eine Perspektive auf die Zukunft der Sammlung aufzeigen. Denn die Frage, welche und wessen Geschichten dokumentiert und erzählt das Museum zukünftig mit seinen Objekten, beschäftigt das Museum im Kontext des Museumsentwicklungsplan aktuell.

 

02. Februar 2026 | Stadtmuseum | Katrin Seiler-Kroll

 

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26. Oktober 2024

Es ist wahr

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30. September 2024

„Ohne mich könnt ihr es schaffen“

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Sammlung & Objekte

Kiel – immer ein Andenken wert Kieler Woche 2026

Stell Dir vor, Du schlenderst durch die engen Gassen einer fremden Stadt, die Sonne scheint und aus den kleinen Läden duftet es nach frisch gebackenem Gebäck und Gewürzen. Zwischen bunten Tüchern, etwas kitschigen Bechern und Postkarten fällt dein Blick auf ein kleines Objekt – vielleicht ein geflochtenes Armband oder eine bemalte Fliese. Du nimmst es in die Hand und plötzlich bist du nicht mehr nur Tourist*in, Du wirst Geschichtensammler*in.

 
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Kieler-Woche-Plakette, 2026. Foto: Martin Steinbuch, Kieler-Woche-Büro
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Kieler-Woche-Plakette, 1963. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Kieler-Woche-Plakette, 1975. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Aschenbecher in Form einer Toilettenschüssel mit Deckel, 1972, Inv. Nr. 125,11/1997. Vorne ist das Kieler Wappen zu sehen. Darüber die Olympischen Ringe und "1972 Olympiastadt Kiel". An der rechten Seite steht in roter Schrift "Nur für Herren." Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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5-teiliges Souvenir-Kaffeeservice mit Kieler Motiven, um 1900, Inv. Nr. 3,1-9/201. Auf der Kanne befindet sich eine Abbildung des Kieler Schlosses. Der Milchgießer und die Zuckerdose zeigen den Kieler Kanal. Die Kaffeetassen sind mit einer Ansicht der Stadt Kiel vom Wasser aus versehen. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Porzellan in Form einer Robbe, ca 1920, Inv. Nr. 226/220. Die kleine Dose in Form eines Seehundes ist ein typisches Souvenir der wilhelminischen Ära. Aufgedruckt ist eine Abbildung der Levensauer Hochbrücke, unter der ein Dampfschiff den Nord-Ostsee-Kanal befährt. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Souvenirs sind viel mehr als Mitbringsel. Sie lassen uns erinnern und sind Sachdokumente der Reisekultur und Tourismusgeschichte. Sie verraten ebenso etwas über Dich als reisende Person wie über das Reiseziel, die Stadt- und Kulturgeschichte, sowie über Tourismus in unterschiedlichen Zeiten und Alltagskultur. 

Das Stadt- und Schifffahrtsmuseum besitzt eine große Sammlung von Kieler Souvenirs. Sie reicht von bedruckten oder bemalten Tellern, Bechern und Gläsern bis hin zu Schallplatten, bemalten Muscheln und Kuriosem wie einem Aschenbecher von den Olympischen Spielen 1972 in Form einer Toilettenschüssel.

Die Kieler-Woche-Plakette – ein Sammler*innenstück mit Tradition

Ein Klassiker der Kieler Souvenir- und Design-Geschichte stammt aus dem Sortiment der Kieler-Woche-Artikel und richtet sich besonders an den sammelnden Teil der Bevölkerung: Seit 1934 wird jährlich eine 10x10 cm große Plakette, ehemals aus Emaille, mittlerweile aus Kunstharz hergestellt. Man findet sie in zahlreicher Ausführung in Kieler Büros, Vereinsheimen, auf unzähligen Schiffen unter Deck und natürlich auch in unserer Sammlung. 

(Historische) Souvenirs entdecken – in unseren Museen und im Museumsshop

Die Plaketten wurden vom Kieler-Yacht-Club beziehungsweise später von der Stadt Kiel in Auftrag gegeben – bis 1978 wurden sie beim Kieler Juwelier Hansen hergestellt und mittlerweile von der Hamburger Firma Berendsohn. Seit 1950 orientiert sich die Gestaltung jeweils am aktuellen Kieler-Woche-Plakat, welches mit einem großen internationalen Design-Wettbewerb bestimmt wird.

 Im Schifffahrtsmuseum findet ihr sowohl eine große Auswahl an historischen Souvenirs in Vitrinen als auch zeitgenössische in unserem Museumshop!

   

26. Juni 2026 | Schifffahrtsmuseum und Museumsdepot | Carolin Marie Kreutzfeldt

Objekte zum Internationalen Frauentag in unserer Sammlung

Der 8. März wird weltweit als Internationaler Frauentag gefeiert – er erinnert an Errungenschaften der Emanzipation und macht zugleich auf (noch) bestehende Ungleichheiten aufmerksam. Ein Blick in unser Depot zeigt, wie vielfältig unsere Objekte den Weg zur Gleichberechtigung dokumentieren.

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Kainer, Ludwig (Plakatkunstanstalt Dinse und Eckert, Berlin), Werbedienst der Deutschen Republik (Hg.): Plakat zur Wahl der verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19. Januar 1919, bei der zum ersten Mal Frauen in Deutschland das Wahlrecht hatten, 71 x 47,5 cm, Inv.-Nr. 47/2017.
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Bernhard, Lucian (Werbedienst GmbH, Berlin, München): Wahlaufruf, 1918/19, Inv.-Nr. 150/2017.
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Werbeplakat der Sparhandelsgesellschaft, 1950er Jahre, 83,6 x 58,7 cm, Inv.-Nr. 74/2008.
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Werbeplakat für das Waschmittel Persil, ca. 1950, 85,5 x 59,2 cm, Inv.-Nr. 64/2018.
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Plakat von Persil, um 1957, 83,5 x 59,1 cm, Inv.-Nr. 11/2010.
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Gruppenfoto der Schweißerinnen in Arbeitskleidung auf einem Texaco-Schiff. Die Schweißerinnen stehen auf dem Tanker, den sie selbst bauten. Elke Bichel in der Mitte unten, vermutlich in den 1970ern, Fotograf*in unbekannt.
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Elke Bichel beim Schweißen in der Halle, vermutlich 1978, Fotograf*in unbekannt.
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Kieler Stadtgeschichte und das Frauenwahlrecht

Eine der wichtigsten Errungenschaften, die am 8. März gefeiert werden, ist zweifellos das Frauenwahlrecht. Seit der gesetzlichen Einführung durch den Rat der Volksbeauftragten am 30. November 1918 dürfen Frauen aktiv und passiv an Wahlen teilnehmen. Und diese Entwicklung ist eng mit der Kieler Stadtgeschichte verknüpft: Der Kieler Matrosenaufstand löste die Novemberrevolution aus – und ebnete so den Weg für politische Reformen. So war die erste Wahl, in der auch Frauen in Deutschland das Wahlrecht hatten, die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919. In unserem Depot bewahren wir zahlreiche Plakate zu dieser historischen Wahl auf. Auffällig ist, dass Frauen als neue Wählerinnengruppe gesondert angesprochen wurden – und dies unabhängig von der vorherigen Einstellung der Parteien zum Frauenwahlrecht.

Das bisschen Haushalt… Geschlechterrollen in Werbeplakaten der 50er und 60er-Jahre

Trotz des Wahlrechts ließen viele weitere Rechte lange auf sich warten. Erst seit 1977 durften Frauen in Deutschland ohne die Erlaubnis ihres Ehemannes einer Arbeit nachgehen. Bis dahin waren die primären Aufgaben der Frau Haushalt und Kindererziehung. Diese Rollenbilder spiegeln sich deutlich in der Werbung der 1950er und 1960er Jahre wider. Plakate für Lebensmittel- und Reinigungsprodukte zeigen Frauen – gut gekleidet, fröhlich und scheinbar mühelos bei der Hausarbeit.

Auf einem Plakat der Spar-Handelsgesellschaft wirbeln drei Frauen wie schwerelos beim Putzen durch die Luft. Die Botschaft ist klar: Mit Spar-Produkten wird der Hausputz zum Vergnügen. Auch Persil-Plakate aus unserem Depot vermitteln den Haushalt als weibliche Selbstverständlichkeit. Die Frau erscheint dabei nicht nur als Hausfrau, sondern auch als Mutter. Wenn ein junges Mädchen in strahlendweißer Kleidung das Produkt präsentiert, ist klar: Mit den Produkten wird der Haushalt kinderleicht; doch zugleich wird so das Rollenbild bereits an die nächste Generation weitergegeben. 

Schweißen statt Schürze – Ein Zeitzeuginnenbericht

Wie sehr sich Darstellung und Wirklichkeit unterscheiden konnten, zeigt der Zeitzeuginnenbericht von Elke Bichel, einer der ersten Schweißerinnen bei HDW in Kiel. Bereits 1964 – also lange vor der gesetzlichen Gleichstellung im Arbeitsrecht – begann sie, in einem männlich geprägten Beruf zu arbeiten: „Ich habe heimlich die Arbeit angenommen, ohne seine Genehmigung. Aber er [ihr Ehemann] hat nicht geschimpft, er hat sich gefreut, dass ich etwas beisteuere.“ Sie berichtete, dass das Schweißen ein Erlebnis gewesen sei: „Man hatte das schwer bei den Männern“, da diese den Frauen zunächst wenig zugetraut hätten, doch „nachher waren wir die besten Kumpel, sie waren hilfsbereit“. Außerdem erzählt sie davon, dass die Schweißerinnen im Verhältnis gut bezahlt wurden und schnell in höhere Lohngruppen aufsteigen konnten. Doch die Anfänge waren nicht nur gut, sie berichtete auch von Belästigungen und davon, dass Frauen teils „als Freiwild" betrachtet wurden. Trotzdem haben die ersten Schweißerinnen viel bewegt. Sie haben „gekämpft um mehr Lohn, mehr Urlaub, bezahlte Krankentage. Von Dietrichsdorf nach Kiel laufen in Schweißerklamotten ist schon eine Glanzleistung."

Ein Blick in unser Museumsdepot zeigt, wie unterschiedlich Frauen in Geschichte und Alltag sichtbar werden – zwischen politischen Errungenschaften, tradierten Rollenbildern und persönlichen Erfahrungen. 

Und was meint ihr: Welche Objekte und Geschichten über weibliche Lebensrealitäten aus unserer Gegenwart werden wohl eines Tages Teil unserer Sammlung sein?

 

06. März 2026 | Museumsdepot und Industriemuseum | Anna Friedrichsen

Ein gusseiserner Anfang – ein Kaffeeröster als erstes Sammlungsobjekt

Das erste Objekt: Mit dem Eintrag des Kaffeerösters in das Inventarbuch begann im März 1965 die Sammlung. Um 1900, Gusseisen, Inv. Nr. 1/1965. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum

Auf den ersten Blick mag es überraschen: Warum beginnt die Sammlung des Kieler Stadtmuseums mit einem gusseisernen Kaffeeröster? Weder gilt Kiel als Kaffeehochburg, noch hatte das Museum jemals die Absicht, sich thematisch auf Genussmittel zu spezialisieren. Und doch erzählt gerade dieses eher unscheinbare Alltagsobjekt eine Vielzahl von Geschichten.

Der Kaffeeröster stammt aus der Zeit um 1900 und wurde direkt in einen Herd eingesetzt. Über eine seitlich angebrachte Handkurbel wurde das Röstgut in Bewegung gehalten, damit sich Rohkaffee – oder auch Getreide – gleichmäßig bräunte. Die Herstellung aus Gusseisen steht für eine Epoche, in der robuste Materialien, handwerkliche Fertigung und mechanische Lösungen den Alltag bestimmten. Technikgeschichte im Kleinen wird hier unmittelbar begreifbar.

Gleichzeitig öffnet das Objekt den Blick auf die Kulturgeschichte des Kaffees. Kaffee war um 1900 längst weit mehr als ein Getränk aus fernen Ländern: Er war ein globales Handelsgut, eng verknüpft mit Kolonialismus, weltweiten Warenströmen und sozialen Unterschieden. Was heute als Selbstverständlichkeit an jeder Ecke zu kaufen ist, galt lange als Luxus. 

Der häusliche Kaffeeröster erinnert daran, dass Kaffee früher nicht fertig geröstet gekauft wurde, sondern als Rohware ins Haus kam – und dort geröstet und zubereitet werden musste. Nicht zuletzt ist der Kaffeeröster ein Zeugnis des historischen Alltagslebens. Er erzählt von Küchen als Arbeitsräume, von Gerüchen, Geräuschen und Routinen, die den Tagesablauf prägten. Solche Objekte machen Geschichte greifbar, weil sie unmittelbar an menschliche Erfahrungen anknüpfen.

Im März 1965 wurde der Kaffeeröster als Schenkung einer Kieler Privatperson in das damals neu angelegte Zugangsbuch des Museums eingetragen. Mit der Inventarnummer 1/1965 markiert er den offiziellen Beginn unserer Sammlung. Dass ausgerechnet ein Kaffeeröster diesen Anfang bildet, ist Zufall, dass es jedoch ein Alltagsgegenstand ist, ist wenig verwunderlich: Er steht für einen Museumsbegriff, der große historische Zusammenhänge aus scheinbar kleinen Dingen erschließt. So ist der gusseiserne Kaffeeröster weit mehr als nur ein Küchengerät. Er ist Ausgangspunkt einer Sammlung – und ein Schlüssel zu Technik-, Sammlungs-, Wirtschafts-, Genussmittel- und Alltagsgeschichte zugleich.

 

02. Februar 2026 | Museumsdepot | Carolin Marie Kreutzfeldt

Liebe liegt im ... Depot – Objekte zum Valentinstag in unserer Sammlung

Pünktlich zum Valentinstag haben wir einen genaueren Blick in unser Museumdepot geworfen: Was erzählt unsere Sammlung eigentlich über diesen Tag der Zuneigung, der kleinen Gesten und der großen Gefühle? Dabei sind wir auf einige spannende Objekte gestoßen, die zeigen, wie der Valentinstag nach und nach seinen Platz im Alltag gefunden hat. Eines stellen wir Euch hier vor.

 
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Pralinenschachtel von Trumpf, später zur Aufbewahrung von Wäscheutensilien genutzt, ca. 1955, 3,5 cm x 25,8 cm x 12,0 cm, Inv. Nr. 218,1 a-b-7/2019. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Detailaufnahme der Pralinenschachtel. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum
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Stand des Blumenhauses Hamdorf am Alten Markt, Valentinstag 1966, Kieler Stadtarchiv, Signatur 37.400. Nutzungsrechte: Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte. Fotograf: Friedrich Magnussen (1914–1987)
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Vom Märtyrer zum Brauch: Die Ursprünge des Valentinstags

Der Valentinstag hat seinen Ursprung im Gedenktag an das Martyrium des Heiligen Valentinus, der der Überlieferung nach am 14. Februar wegen seines Glaubens hingerichtet wurde. In Westdeutschland wurde das heute noch gepflegte Brauchtum erst nach dem Zweiten Weltkrieg bekannter – maßgeblich durch die im Land stationierten US-Soldaten. Eine große Rolle spielte dabei auch die zunehmende Werbung der Floristik- und Süßwarenindustrie in den Tagen vor dem 14. Februar. Blumen, Pralinen und Grußkarten entwickelten sich zu festen Symbolen dieses Anlasses, was sich auch in unserer Sammlung widerspiegelt.

Eine Pralinenschachtel erzählt: Liebe und Alltag

Wir bewahren zahlreiche Verpackungen von Süßwaren auf, darunter eine besonders passende Trumpf-Pralinenschachtel. Die Motive auf der Schachtel lassen vermuten, dass es sich um eine Sonderedition zum Valentinstag gehandelt haben könnte: Zu sehen sind Liebespaare, Blumen, Briefe, Getränke und verschiedene Tiere. Später wurde die Schachtel zur Aufbewahrung von Wäscheutensilien genutzt; bis heute befinden sich darin Wäscheknöpfe, Saumband und Nähnadeln. Das Objekt stammt aus der Zeit um 1955, als Bettwäsche noch mit Leinenknöpfen versehen war, die bisweilen ersetzt werden mussten, und erzählt gleich mehrere Geschichten – unter anderem von Alltag, Genuss, Geschenkekultur und der Wiederverwendung von Alltagsgegenständen.

Valentinstag auf dem Alten Markt: Ein Blick nach Kiel im Jahr 1966

Einen lebendigen Eindruck, wie sich der Valentinstag in Kiel zunehmend zu einem öffentlichen Ereignis entwickelte, vermittelt eine Fotografie aus dem Kieler Stadtarchiv, die am Valentinstag 1966 aufgenommen wurde. Sie zeigt einen Verkaufsstand des Blumenhauses Hamdorf am Alten Markt, umgeben von zahlreichen Passantinnen und Passanten. 

Der Valentinstag bot und bietet weiterhin Anlass, mit kleinen Gesten, Worten oder Geschenken Zuneigung auszudrücken. Vielleicht liegt genau darin sein Kern: In alltäglichen Dingen verbergen sich Geschichten von Nähe, Aufmerksamkeit und Zusammenhalt – und manchmal findet sich davon auch etwas in unserem Museumdepot.

   

12. Februar 2026 | Museumsdepot | Carolin Marie Kreutzfeldt

 

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30. September 2024

„Ohne mich könnt ihr es schaffen“

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„Mein Herz schlägt für alte Fotos“

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Video zum Objekt des Monats März 2025 - Klick auf das Bild öffnet das Video in einer eigenen Ansicht

14.November 2024

 
 

Bilder für die Nachwelt Momente einer Stadt – Fotos der Kieler Lichtbildstelle 1900–1950 bis zum 24.05.2026

Mit der Ausstellung „Momente einer Stadt“ feiern wir, dass das Stadtarchiv 4.500 Glasnegative aus der Städtischen Lichtbildstelle digitalisieren konnte. Das hat ziemlich viel Geld gekostet, weil die Glasplatten erst gereinigt werden mussten, bevor sie mit hoher Auflösung eingescannt wurden. Wie diese Glasnegative aussahen, zeigen wir im ersten Raum der Ausstellung. Dafür hat unser Team eigens einen Leuchttisch gebaut. Die drei Glasnegative, die dort liegen, sind Dubletten, die im Stadtarchiv nicht mehr gebraucht werden.

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Glasnegative auf dem Leuchttisch in der Ausstellung „Momente einer Stadt“. Foto: Matthias Friedemann, Stadt- und Schifffahrtsmuseum

Eins der Glasnegative auf dem Leuchttisch zeigt das älteste Bild, das wir überhaupt von Kiel haben – ein Kupferstich von Frans Hogenberg, der erstmals 1599 im Städtebuch von Braun & Hogenberg erschien. In der Lichtbildstelle hat man das empfindliche alte Papierdokument abfotografiert. Vom Glasnegativ konnte man leicht Reproduktionen anfertigen, um sie zum Beispiel in Büchern oder Vorträgen zu verwenden. Das Originalblatt musste man dafür nicht mehr anfassen.

Aus genau dem gleichen Grund werden alte Bilder heute digitalisiert. Und weil man eine digitale Datei noch viel leichter teilen kann, sind viele Fotos aus der Städtischen Lichtbildstelle sogar online zu finden und kostenlos ohne Anmeldung zu downloaden. Die Glasplatten hingegen liegen geschützt in der Fotobox des Stadtarchivs, wo sie bei konstanter Temperatur und Luftfeuchtigkeit für zukünftige Generationen aufbewahrt und erhalten werden.

 

21. April 2026 | Warleberger Hof | Eva-Maria Karpf


 

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