.. Die Steilküste bei Kiel-Schilksee | Umwelt- und Naturschutz

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Steilküste Schilksee | Behebung von Sturmschäden

Der Küstenabschnitt vor Schilksee war vom Ostseesturmhochwasser im Oktober 2023 besonders schwer betroffen. Neben deutlich sichtbaren Abbrüchen an der Steilküste gab es auch massive Schäden an Wanderwegen und Strandzugängen.

Bis Ende 2025 konnte ein großer Teil der Sturmschäden beseitigt werden. Ab Mitte 2026 folgen nun die letzten Bausteine zur Wiederherstellung der Strandzugänge.

 

Steilufer Schilksee | Gesetzlich geschütztes Biotop

Das Steilufer in Höhe Schilksee-Süd ist das einzige aktive Steilufer im Kieler Küstenbereich. Mit einer Höhe von maximal 20 Metern zählt es zu den landschaftlich und ökologisch besonders attraktiven Bereichen.

Aktive Steilküsten weisen eine natürliche Abbruchdynamik auf. Durch den Einfluss der Witterung und des Meeres kommt es immer wieder zu größeren und kleineren Abbrüchen. Durch diese natürliche Dynamik sind aktive Steilküsten wichtige Lebensräume für Pflanzen und Tiere.  Sie sind deshalb gemäß § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und § 21 Landesnaturschutzgesetz (LNatschG) als besonders geschützte Biotope eingestuft. 

An der Schilkseer Steilküste kommt es insbesondere bei anhaltenden Stürmen aus östlichen Richtungen und hohen Wasserständen zu größeren Abbrüchen. In den Boden eindringendes Niederschlagswasser, Frost und Tauwetter begünstigen die Erosionsvorgänge.  Zwischen 2004 und 2024 sind vom Steilufer durchschnittlich 62 Zentimeter pro Jahr abgebrochen - bei dem Sturmhochwasser 2023 sind es allein 2,68 m gewesen. Unter anderem durch küstenparallele Strömungen lagert sich der Sand vor Falckenstein ab. So kann hier der für die Ostsee typische Zusammenhang zwischen Abtrags- und Anlandungsküste mit aktiven und inaktiven Steilufern, Strandwällen, Haken (Nehrungen – schmale sandige Landstreifen, die einen Teil des Meeres vom offenen Wasser abtrennen) und Höftländern beobachtet werden. 

Die vegetationsarme, trockenwarme Steilküste ist ökologisch besonders wertvoll. Neben Kiels einziger Uferschwalbenkolonie kommen hier zum Teil stark gefährdete Wildbienen und Wespen sowie seltene Pflanzen wie Gemeiner Dost und Wundklee vor. 

 

Standabschnitt entlang der Steilküste im Sonnenuntergang.
Eine Welle brandet an einer Steinbuhne auf.

 


Sturmhochwasser 2023 | Schäden an Strandzugängen & Wanderwegen

In den Tagen vom 19. bis 21. Oktober 2023 traf das schwerste Ostseesturmhochwasser seit 1875 die Küsten Schleswig-Holsteins. Der Sturm kam aus östlicher Richtung und traf frontal auf Schilksee und die Steilküste. Dadurch kam es zu massiven Schäden und Abbrüchen an der Steilküste, durch die unter anderem zahlreiche Strandzugänge sowie Teile des Wanderwegs stark beschädigt wurden.

 

 

Luffbild des Küstenabschnitts Schilksee. Eingezeichnet sind der noch intakte Wanderweg sowie die 11 Strandabgänge, von denen 9 aktiv sind.  - öffnet vergrößerte Ansicht

Steilküste vor dem Sturmhochwasser 2023

Die Grafik veranschaulicht die Situation an der Steilküste vor dem Sturmhochwasser.  Von insgesamt elf ursprünglich vorhandenen Strandzugängen waren damals neun Strandzugänge intakt und nutzbar. Der Wanderweg ist noch vollständig intakt. 

Luffbild des Küstenabschnitts Schilksee. Eingezeichnet sind der an zwei Stellen nicht mehr intakte Wanderweg sowie die 11 Strandabgänge, von denen nur noch 3 nutzbar sind. - öffnet vergrößerte Ansicht

Steilküste nach dem Sturmhochwasser 2023

Unmittelbar nach dem Sturmhochwasser waren nur noch drei Strandzugänge gefahrlos nutzbar.  Die Uferpromenade zwischen Sporthafen und Fördeblick musste vorübergehend gesperrt werden, um ein weiteres Abrutschen der Böschung zu verhindern. Der Wanderweg im Bereich des Gästehaus Kahlenberg ist in Teilen vollständig abgebrochen, so dass der ursprüngliche Wegeverlauf nicht wiederhergestellt werden konnte. 

 


Wiederherstellung der Steilküste | Abgeschlossene bauliche Maßnahmen

Direkt nach der Sturmflut wurden zunächst Notsicherungsmaßnahmen - unter anderem zur Böschungssicherung im Bereich der Strandpromenade - durchgeführt. Anschließend wurden die Rampen am Sporthafen sowie an der Kurallee wieder hergestellt und der Strandabgang Klüverbaum ertüchtigt. In 2025 folgte die Fertigstellung einer neuen Slipanlage, die während der Sommermonate als Strandzugang im südlichen Bereich der Steilküste (Kahlenberg) dient.

Anfang 2024 erfolgte die Sicherung und Wiederherstellung der Böschung im Bereich der Promenade. Die Wiederherstellung einschließlich der Begrünung wurde bis April 2024 abgeschlossen. Die Promenade erhielt eine neue Asphaltdeckschicht. 

Anschließend nahm das Tiefbauamt bis Juni 2024 einen Höhenausgleich sowie eine Anpassung der Absackung hinter der Stützwand am Strand im Bereich des Hafenvorfeldes vor. 

Nach Abschluss dieser Arbeiten folgte die Widerherstellung der Rampe am Sporthafen. Die kleine Treppe neben dieser Rampe wurde nicht wiederhergestellt, da die Angriffsfläche bei einem erneuten Hochwasser an dieser Stelle vermieden werden soll. 

Seit März 2026 finden bauliche Maßnahmen zur Sicherung des Böschungsfußes statt. Diese Arbeiten wurden im April 2026 abgeschlossen. 

Die Rampe wurde unmittelbar nach der Sturmflut noch in 2023 durch Findlinge am Böschungsfuß sowie durch eine Befestigung der Oberflächen inklusive einer Bepflanzung gesichert.

Nach dem Hochwasser fand zunächst 2024 eine provisorische Herstellung der Zugänglichkeit statt. Die endgültige Herstellung des unteren Anschlusses an den Strand erfolgt in diesem Jahr.  Die Fundamentarbeiten sind bereits erfolgt, nach Fertigstellung der Treppenkonstruktion im Werk wird diese Ende Mai/Anfang Juni 2026 montiert.

Die ebenfalls stark zerstörte Slipanlage der Falkensteiner Angelfreunde von 1969 e.V. wurde in enger Abstimmung zwischen dem Angelverein und dem Grünflächenam wiederhergestellt. Die bauliche Umsetzung wurde im Spätsommer 2025 abgeschlossen. 

Durch die Wiederherstellung der Slipanlage ist in der Zeit von April bis September ein zusätzlicher Strandzugang vorhanden. Für die Wintermonate erfolgt ein Teilrückbau der Slipanlage, so dass eine Nutzung als Strandzugang in der Zeit von Oktober bis April zur Zeit nur eingeschränkt möglich ist. Aktuell wird geprüft, ob auf diesen Teilrückbau auch während der Sturmflutsaison verzichtet werden kann. Sofern dies realisierbar ist, muss eine Genehmigung durch das Landesamt für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz erfolgen. 

Im Bereich des Gästehaus Kahlenberg war der bestehende Wanderweg in Teilen vollständig abgebrochen. Aufgrund der Küstendynamik ist eine Wiederherstellung des ursprünglichen Wegeverlaufs nicht mehr möglich . Deshalb musste der Wanderweg etwa 100 Meter ins landesinnere verlegt werden und führt nun zwischen Campingplatz und Gästehaus entlang und dient zugleich als Erschließungsweg für das Gästehaus Kahlenberg. 

Die dafür erforderlichen baulichen Maßnahmen wurden im Juni 2024 abgeschlossen. Eine Ausschilderung des neuen Wegeverlaufs wurde anschließend umgesetzt.

 

Blick in Richtung Sporthafen 2024. Links ein Bauzaun, im Hintergrund ein Bagger.
Notsicherung der Böschung an der Rampe Sporthafen (2024)
 

 


Strandzugänge in Schilksee | Stand April 2026

Luffbild des Küstenabschnitts Schilksee. Eingezeichnet sind der wieder intakte Wanderweg mit verändertem Wegeverlauf sowie die 11 Strandabgänge, von denen nun 7 aktiv sind. - öffnet vergrößerte Ansicht

Die Grafik zeigt die Situation nach Abschluss der bisherigen Baumaßnahmen im April 2026. 

 
   

 


Wiederherstellung Wanderweg | Bereich Freizeitheim Kahlenberg

Herabgestürzte Bäume an der Steilküste nach dem Sturm 2023
Massive Schäden am Wanderweg im Bereich des Freizeitheims Kahlenberg ließen eine Wiederherstellung des ursprünglichen Wegeverlaufs nicht zu.
Ein Weg führt durch einen Wald.
Der Wegverlauf musste verändert werden und führt nun durch den Wald hinter dem Gästehaus entlang.
Ein frisch angelegter Weg durch den Wald. Vorne rechts im Bild ein Bagger.
Der neu angelegte Wanderweg wurde im Frühjahr 2024 fertiggestellt.

Strandzugang südliche Steilküste | Variantenprüfung und weitere Planung

Die letzte große Maßnahme, eine neue Treppenanlage im Bereich der südlichen Steilküste, befindet sich zur Zeit in Bearbeitung. Aufgrund einer erhöhten Abbruchgefahr kann ein Treppenabgang am bisherigen Standort nicht wiederhergestellt werden.

Neubauten im Bereich der naturschutzrechtlich besonders geschützten südlichen aktiven Steilküste unterliegen hohen Genehmigungsbedingungen durch die Untere Naturschutzbehörde (uNB) sowie durch das Landesamt für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Da auf Grund § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ein Eingriff grundsätzlich verboten ist, jedoch unter Berücksichtigung vergangener Eingriffe und Planungsnachweisen, dass die Dynamik am aktiven Steilufer durch ein Bauwerk nicht gestört werden, können Ausnahmegenehmigungen (Befreiungen) erteilt werden.

Mit der Planung der neuen Treppe wurde im Juni 2024 begonnen. Ziel war es einen genehmigungsfähigen Standort an der Steilküste zu finden, der eine möglichst weit südliche Lage, Richtung Kahlenberg gelegene Wegeverbindung, zwischen Strand und dem Gelände oberhalb der Steilküste sicherstellt. Die uNB und das LKN wurden von Beginn an eng in den Planungsprozess eingebunden, um die Realisierungsbedingungen noch vor der finalen Planung abzustimmen.


Treppenabgang am Windjammerweg | Ursprüngliche Variante

Zunächst wurde ein Neubau am Standort des 2015 nicht wiederhergestellten Treppenabgangs am Winderjammerweg (Standort 10) geprüft. Die aktive Steilküste war in diesem Bereich bereits durch frühere bauliche Eingriffe beeinträchtigt, weshalb eine Genehmigung durch das LKN und die uNB zunächst wahrscheinlich war. Auf Grundlage des 2025 erstellten Baugrundgutachtens und der vorgestellten baulichen Umsetzung ließ sich keine wirtschaftliche und zugleich ortsbildgerechte Treppenanlage realisieren, die den zusätzlichen Nachhaltigkeitsanforderungen des Fördermittelgebers entsprochen hätte. 


Treppenabgang am Funkstellenweg | Aktuell geplante Variante

Nachdem der Standort Windjammerweg nicht nachhaltig realisierbar ist, wird der Neubau der Treppe nun am Funkstellenweg (Standort 8) am inaktiven Steilufer geprüft. Der Standort liegt in einem durch vorgelagerte Wellenbrecher geschützten Bereich der Steilküste.  Nach heutigem Kenntnisstand ist der Bau einer Treppe an diesem Standort sowohl technisch möglich als auch wirtschaftlich nachhaltiger. Zudem wird der Baukörper sich vermutlich besser in die landschaftliche Situation einfügen

Insofern wurde im Frühjahr 2026 mit der Variantenprüfung begonnen. Eine Abstimmung mit den Genehmigungsbehörden sowie mit dem Fördermittelgeber findet ebenfalls bereits statt. Ziel ist ein Baubeginn im Frühjahr 2027. Ergänzend zu diesem Standort wird zudem geprüft, ob die Slipanlage der Falckensteiner Angelfreunde ganzjährig als Strandzugang genutzt werden kann.

 

Die zerstörte Treppe an der Jakobleiter von der Steiküste aus gesehen.
Die durch das Sturmhochwasser zerstörte Treppe an der Jakobsleiter. Aufnahme vom 23.10.2023.
Blick über den Strand entlang der südlichen Steilküste von der Slipanlage aus gesehen.
Blick über den Strand entlang der südlichen Steilküste

Zeitlicher Ablauf Variantenprüfung, Planung & Bau | Strandzugang südliche Steilküste

  • Sommer 2024

    Beginn Variantenprüfung Windjammerweg

  • Herbst 2024

    Fördermittelantrag eingereicht

  • Ende 2024

    Entscheidung für Standort Windjammerweg

  • Sommer 2025

    Baugrundgutachten Standort Windjammerweg

  • Herbst 2025

    Neue Auflagen LKN

  • Frühjahr 2026

    Beginn Variantenprüfung Funkstellenweg

  • Sommer 2026

    Planung und Gutachten zur Umsetzung

  • 2026/2027

    Ausschreibung

  • 2027

    Bau