Klima-Anpassung Das Kieler Konzept
Unser Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit unserer Stadt zu stärken, die Lebensqualität und Sicherheit zu bewahren und Kiel als lebenswerte, zukunftsfähige und nachhaltige Stadt weiterzuentwickeln.
Der Klimawandel ist keine abstrakte Zukunftsfrage mehr – er ist längst Realität. Hitzeperioden, Starkregen und Sturmfluten zeigen das auch bei uns in Kiel ganz deutlich. Das Stadtgrün leidet unter Trockenheit, der Meeresspiegel steigt, und Extremwetterereignisse stellen uns vor neue Herausforderungen.
Diese Entwicklungen machen deutlich: Wir müssen den Klimaschutz konsequent fortsetzen – und uns gleichzeitig gezielt an die unvermeidbaren Veränderungen anpassen.
Das Rahmenkonzept in der BeratungAuf dieser Seite
- Das Rahmenkonzept
- Eine Gemeinschaftsaufgabe
- Klimaanpassung ≠ Klimaschutz
- Links zum Weiterlesen
- Die Handlungsfelder
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Landeshauptstadt Kiel
Referat Klimaanpassung
klimaanpassung@kiel.de
Das Rahmenkonzept
Das Rahmenkonzept Klimaanpassung ist der strategische Fahrplan für diese Aufgabe. Es bündelt Ziele, Handlungsbedarfe, Maßnahmen und Prioritäten und spannt den Rahmen für zahlreiche Teilkonzepte – vom Hitzeaktionsplan über das Stadtgrünkonzept bis hin zu Starkregenvorsorge und Hochwasserschutz.
Klimaanpassung ≠ Klimaschutz
Die wichtigste Vorsorge im Einsatz gegen den Klimawandel ist nach wie vor entschlossener Klimaschutz. Gleichzeitig treten einige Auswirkungen des Klimawandels bereits ein oder lassen sich absehbar nicht mehr verhindern. Daher gewinnen Maßnahmen zur Klimaanpassung zunehmend an Bedeutung.
Kilimaschutzstadt Kiel.100%Gemeinschaftsaufgabe
Die Anpassung der Stadt an die Folgen des Klimawandels ist eine große Gemeinschaftsaufgabe, bei der die Kieler*innen selbstverständlich auch gefragt sind. Jede*r kann sich mit Ideen, Fragen und Anregungen einbringen. Jede*r sollte schauen, wie er*sie selbst in Sachen Klimaanpassung aktiv werden kann.
Viele Menschen und Institutionen haben bereits mit ersten Schritten zur Eigenvorsorge im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels begonnen.
Es gibt überall etwas zu tun 15 Handlungsfelder
Menschliche Gesundheit & Wohlbefinden
Der Klimawandel führt in Kiel zu steigenden Temperaturen und zu mehr heißen und schwülen Tagen.
Hitze, UV-Strahlung, Extremwetter und neue gesundheitliche Risiken erfordern gezielte Aufklärung, Frühwarnsysteme und klimaangepasste Infrastruktur, um insbesondere gefährdete Bevölkerungsgruppen wirksam zu schützen.
Die Vorhersagen zur zukünftigen Temperaturentwicklung in Kiel zeigen, dass die bodennahe Lufttemperatur im Vergleich zum Referenzzeitraum 1971–2000 bis zum Ende des Jahrhunderts um 0,2 °C bis 4,7 °C ansteigt. Diese Temperaturveränderungen haben spürbare Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bevölkerung. Faktoren, wie z. B. die zunehmende Zahl schwüler und heißer Tage mit Temperaturen über 30 °C, das vermehrte Auftreten von Extremwetterereignissen sowie bessere Bedingungen für allergieauslösende Pflanzen stellen große Herausforderungen dar.
Wetter und Witterung können Menschen sowohl direkt als auch indirekt beeinträchtigen. Extremereignisse wie Hitze, Starkwind oder Starkregen belasten Körper und Psyche und können zu gesundheitlichen Beschwerden, schweren Erkrankungen, Verletzungen oder sogar zum Tod führen.
Besonders steigende Temperaturen wirken sich stark auf die menschliche Gesundheit aus. Hitze belastet das Herz-Kreislauf-System und kann aggressives Verhalten begünstigen. Zudem fördern hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung die Bildung von Luftschadstoffen oder die Ausbreitung von allergieauslösenden Pflanzen. Gleichzeitig beeinflussen klimatische Veränderungen die UV-Strahlung, die Haut und Augen schädigt und eine Hauptursache für Hautkrebs ist.
Den daraus entstehenden Risiken begegnet die Stadt vor allem durch Aufklärung, Frühwarnsysteme und eine klimaangepasste Gestaltung von Gebäuden und öffentlichen Räumen, um insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen wirksam zu schützen.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Bevölkerungs- und Katastrophenschutz
Häufigere Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hitze oder Sturmfluten stellen den Bevölkerungsschutz und den Katastrophenschutz in Kiel vor wachsende Herausforderungen.
Durch vorausschauende Planung, regelmäßige Stresstests, gut geplante Verwaltungsstrukturen sowie verbesserte Warn- und Informationssysteme wird die Stadt darauf vorbereitet, Menschen und kritische Infrastrukturen wirksam zu schützen.
Der Deutsche Wetterdienst und Wissenschaftler*innen des Extremwetterkongresses in Hamburg prognostizieren infolge der globalen Erwärmung deutliche Veränderungen bei extremen Wetterereignissen. In Deutschland ist künftig insbesondere mit einer Zunahme von Hitzewellen, Starkregen, Dürreperioden sowie Sturmfluten zu rechnen, während andere Extremereignisse wie strenge Fröste seltener auftreten.
Als Reaktion auf die zunehmenden Risiken stellte das Innenministerium Schleswig-Holstein nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz 2021 einen 10-Punkte-Plan zum Katastrophenschutz vor. Ziel ist es, die Bevölkerung besser zu schützen, insbesondere durch verbesserte Warn- und Informationssysteme. Die veränderte geopolitische Sicherheitslage hat die Frage der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas wieder in den Mittelpunkt gerückt. So hat u.a. die Landesregierung Schleswig-Holstein im April 2025 die Einsetzung einer „Taskforce Zivile Verteidigung“ beschlossen. Neben der prognostizierten Zunahme von Natur- und Umweltkatastrophen gibt es also auch wieder erhöhte Anforderungen an den Schutz der Zivilbevölkerung im Verteidigungsfall.
In der Landeshauptstadt Kiel wird über einen Katastrophenschutzbedarfsplan fortlaufend die sich daraus ableitende Katastrophenabwehrplanung angepasst. Mit der Methode zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz werden auf Grundlage von Erfahrungswerten und Daten immer wieder szenarienbasierte „Stresstests“ durchgeführt (bspw. Hochwasser in Kombination mit Starkregen). Mit Hilfe der Ergebnisse dieser Tests kann ein kommunales Krisenmanagement etabliert werden, um kritische Infrastrukturen bestmöglich zu schützen und die Einheiten des Katastrophenschutzes effektiv einzusetzen.
Die krisenhaften Ereignisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es beim Eintritt eines Schadensfalles wichtig ist, zügig eine gut organisierte, besondere Aufbauorganisation in der Verwaltung zu etablieren. Bei der Landeshauptstadt Kiel verfügen wir über eine solche „besondere Aufbauorganisation“ (BAO). So kann die gesamte Stadtverwaltung zielgerichtete und priorisierte Maßnahmen einleiten, um Schäden abzuwenden. Die Stabsorganisation des Katastrophenschutzes, insbesondere die Führungs- und Verwaltungsstäbe, sind hierzu grundsätzlich geeignet, müssen für diese Lagen aber entsprechend trainiert werden, um im Schadensfall schnell und effizient handeln zu können.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Hochwasserschutz (Küsten- und Binnenhochwasserschutz)
Der steigende Meeresspiegel und häufigere Starkregenereignisse erhöhen in Kiel das Risiko von Überflutungen, Sturmfluten und Schäden an Küste, Gewässern und in Siedlungsgebieten.
Mit klimaangepasstem Hochwasserschutz, einer resilienten Wasserwirtschaft sowie Maßnahmen wie Regenrückhalt, Entsiegelung und Starkregenrisikomanagement bereitet sich die Stadt gezielt auf diese Herausforderungen vor.
Durch den Klimawandel steigt der Meeresspiegel weltweit. Seit Beginn der Industrialisierung ist der Meeresspiegel durch die Klimaerwärmung bereits um 20 Zentimeter angestiegen, außerdem beschleunigt sich der Anstieg. Im Raum Kiel ist der mittlere jährliche Wasserstand in den letzten 50 Jahren um 6 Zentimeter angestiegen.
Das Land Schleswig-Holstein plant (zum Beispiel bei der Verstärkung der Landesschutzdeiche) – auf Grundlage von Daten des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) mit einem Meeresspiegelanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts von mindestens 1 Meter.
Durch die Lage an der Küste und den ansteigenden Meeresspiegel besteht eine besondere Gefährdung der Landeshauptstadt Kiel gegenüber Sturmfluten, die zu Überflutungen führen können, auch in Verbindung mit Küstenerosion und Strandverlust.
In Kiel findet der Hochwasserschutz, gerade auch in Verbindung mit einem klimawandelbedingten ansteigenden Meeresspiegel, bereits heute bei verschiedenen Maßnahmen Berücksichtigung. So werden Antragsteller*innen von Bauvorhaben auf eine entsprechende Gefährdung hingewiesen und zur hochwasserangepassten Bauweise aufgefordert. Zurzeit wird ein Hochwasserschutzkonzept für die Landeshauptstadt Kiel erarbeitet.
Die zu erwartende Zunahme der Winterniederschläge und häufigere Extremwetterereignisse werden zudem Auswirkungen auf die Fließgewässer und die Entwässerung der Siedlungsgebiete haben. Durch das vermehrte Auftreten von Starkregenereignissen können gefährdete Gebiete in kurzer Zeit überflutet und kleine Gewässer über die Ufer treten.
Eine wichtige Ergänzung zu den Generalentwässerungsplänen und den Aktivitäten des Tiefbauamts im Bereich der städtischen Entwässerung im Rahmen der Klimaanpassung sind die Starkregengefahrenkarten der Landeshauptstadt Kiel. Die Gefahren- und Risikoanalyse ist ein Baustein des in der Stadt angestrebten Starkregenrisikomanagements und damit ein wichtiger Baustein der Klimaanpassung. Sie zeigt unter anderem, wohin das Wasser an der Oberfläche im Fall eines Starkregenereignisses fließt und wo die Gefahr von Überflutungen besteht. Aus den Starkregengefahrenkarten können notwendige Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge abgeleitet werden. Das Starkregenrisikomanagement wird unter anderem Maßnahmen zum Regenrückhalt (etwa über Gründächer oder Versickerung) und zur Entsiegelung umfassen.
Darüber hinaus spielen Faktoren, wie zum Beispiel begrünte Dächer, die Regenwasser zurückhalten und damit die Kanalisation entlasten, oder der Erhalt von natürlichen Böden und Entsiegelung bei der Reduzierung von Überflutungsrisiken eine wichtige Rolle.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Schutz der Gewässer
Auswirkungen des Klimawandels – wie steigende Wassertemperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und zunehmende Extremwetterereignisse – gefährden die ökologische Stabilität von Gewässern. Sie können zu Sauerstoffmangel, Algenblüten, Niedrigwasser oder sogar zum Trockenfallen führen.
Deshalb müssen Gewässer konsequent geschützt und nachhaltig bewirtschaftet werden.
Ostsee: Mithilfe von 3-D Ökosystemmodellen und regionalen Datensätzen modellieren Wissenschaftler*innen aus dem Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) Klimaszenarien für die Ostsee. Die Projektionen wurden für verschiedene Klimagasemissionsszenarien für den Zeitraum von 2000 bis 2100 erstellt. Die Ergebnisse prognostizieren eine Erwärmung des Oberflächenwassers um 0,5 bis 2,5 °C mit einer Abnahme des Salzgehaltes um 1,5 bis 2 Gramm pro Kilogramm sowie eine stark reduzierte Seeeisbedeckung im Winter.
Im Sommer ist in Zukunft von höheren Temperaturen in der Ostsee auszugehen. Die Erwärmung der Ostsee kann eine frühere Algenblüte im Frühjahr sowie eine höhere Phytoplanktonproduktivität und mehr Blaualgen im Sommer zur Folge haben. In Verbindung mit dem Temperaturanstieg steigt auch die Gefahr, dass nicht nur toxische Blaualgen deutlich häufiger auftreten, sondern auch Krankheitserreger (zum Beispiel pathogene Vibrionen). Diese Bakterien können bei immungeschwächten Personen mit offenen Wunden zu schweren Erkrankungen bis hin zum Tod führen.
Grundwasser: Auch das Grundwasser wird von den Auswirkungen des Klimawandels beeinflusst. So haben wärmere Temperaturen, erhöhte Verdunstung sowie ein verändertes Niederschlagsregime einen direkten Einfluss auf den Wasserhaushalt.
Fließgewässer: Die Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperaturen und die Veränderungen der Niederschlagsverteilung (Zunahme der Winterniederschläge, Abnahme der Sommerniederschläge bei gleichzeitiger Zunahme von Extremereignissen) haben unmittelbar Einfluss auf die Fließgewässer, da nicht nur Hochwasserwellen, sondern vor allem auch langanhaltendes Niedrigwasser, bis hin zum Trockenfallen von Gewässern, negative Auswirkungen auf die Gewässerbiologie haben. Verschärfend kommt hinzu, dass durch die Erwärmung der Gewässer der Sauerstoffgehalt sinkt, was ebenfalls negative Auswirkungen auf die Gewässer hat.
Die stärkere integrale Vernetzung von Regenwasser- und Gewässerbewirtschaftung stellt die Grundlage der zukünftigen wasserwirtschaftlichen Planungen dar. Kerngedanke ist dabei der Erhalt des potenziell naturnahen Wasserhaushaltes, so dass die hydrologischen und hydraulischen Auswirkungen auf den ökologischen Zustand in Fließgewässern durch urbane Regenwassereinleitungen gering sind. Auch sollen Veränderungen der Grundwasserstände durch Bebauungen vermieden werden.
Um den vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt zu begegnen, müssen die Effizienz der Wassernutzung und der Schutz von Gewässern geprüft und gegebenenfalls angepasst werden (wassersensible Stadt).
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Bodenschutz
Boden ist eine begrenzte und essenzielle Ressource für das Leben auf der Erde. Er dient nicht nur zur landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Produktion und als Baugrund, sondern auch als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als Medium für Wasser- und Nährstoff-Umsätze, als Kohlenstoffsenke, als Filter und Schutzschicht des Grundwassers.
Er bildet damit die Grundlage für alle terrestrischen und semiterrestrischen Ökosysteme.
Die Risiken für die Funktionsfähigkeit des Bodens in Deutschland infolge des Klimawandels lassen sich nur schwer quantitativ erfassen. Dennoch nimmt der Boden für das Klima eine zentrale Rolle ein. Die klimarelevanten Gase wie Kohlendioxid, Lachgas und Methan werden zwischen dem Boden und der Atmosphäre ausgetauscht. Insbesondere intakte organische Böden übernehmen eine Schlüsselfunktion als Kohlenstoffsenke.
Bodenbildung, Bodeneigenschaften und Bodenfunktionen als Lebensraum, Wasserspeicher und Wasserfilter, Grundlage für unsere Ernährung und Klimaschützer, sind direkt vom Klima beeinflusst. Höhere Temperaturen fördern zunächst die Bodenprozesse, wie den Ab- und Umbau von organischer Substanz, die Filter und Pufferfunktionen sowie den Bodenstoffhaushalt.
Eine längere sommerliche Trockenperiode verringert oder unterbricht jedoch die mikrobiologische Aktivität, verringert kurzfristig die Verfügbarkeit von Nährstoffen und verändert die Biodiversität im Boden. Nährstoffe können bei Trockenheit nicht von den Pflanzen aufgenommen werden, weswegen sie bei einsetzenden Niederschlägen möglicherweise ausgewaschen werden.
Starke Niederschlagsereignisse können zur Verlagerung von nicht ausreichend bedecktem Boden und damit zu Erosion führen, welche die Bodenstruktur verändern und die wertvolle Humusschicht am Ort der Abtragung reduzieren (Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland).
Bodenprozesse wie die Verwitterung, Mineralneubildung, Zersetzung, Humus- und Gefügebildung geschehen in großen Zeiträumen und sind stark von der Temperatur und der Wasserverfügbarkeit abhängig. Nur gesunde, unbeschädigte, belebte und damit widerstandsfähige Böden können den Gefahren von Austrocknung und Erosion durch Wind und Wasser standhalten und auch weiterhin ihre vielfältigen positiven Funktionen für den Wasser- und Stoffhaushalt einer Landschaft wahrnehmen.
Böden speichern und filtern Wasser in großem Umfang. Damit bilden sie einen natürlichen Puffer gegen Hochwassergefahren und sorgen für sauberes Grundwasser. Das Grundwasser ist ein wichtiges Schutzgut, Kiel bezieht sein Trinkwasser aus dem tiefer liegenden Grundwasser. Der Boden hat auch eine wichtige Filterfunktion und Pufferkapazität gegenüber Schadstoffen. Zudem leistet der Boden wichtige Dienste für ein gesundes Mikroklima in der Stadt. Jede natürliche Bodenoberfläche sorgt in Verbindung mit Pflanzenbewuchs für ein besseres Stadtklima.
Anpassungsmaßnahmen müssen darauf ausgerichtet sein, den Boden vor Erosion, Humusverlust und anderen klimabedingten Risiken zu schützen.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Naturschutz und biologische Vielfalt
Der Klimawandel setzt Lebensräume und Arten durch steigende Temperaturen, veränderte Niederschläge und zunehmende Extremereignisse stark unter Druck – besonders im städtischen Raum – und gefährdet die Biodiversität durch direkte wie indirekte Auswirkungen.
Zum Schutz der biologischen Vielfalt sind große, genetisch stabile Populationen, gut vernetzte Lebensräume und gezielte Anpassungsmaßnahmen wichtig.
Der Klimawandel verändert und bedroht teils tiefgreifend die Lebensräume von Tieren und Pflanzen und damit auch direkt und indirekt den derzeitigen Artenbestand. Pflanzen sind direkt von Klimaparametern (Temperatur, Feuchtigkeit, Strahlung) und der Zusammensetzung der Atmosphäre abhängig (Kohlendioxid und weitere Treibhausgase). Der Temperaturanstieg beeinflusst den Wasserstand sowie den Zustand von Oberflächengewässern. Empfindliche Biotope sind dadurch zusätzlichem Stress ausgesetzt. Im städtischen Umfeld sind durch den Klimawandel bedingte Austrocknungs- und Erwärmungseffekte besonders stark ausgeprägt.
Neben Temperatur- und Niederschlagsänderungen hat auch die Zunahme an klimatischen Extremereignissen wie Starkregen oder langanhaltende Trockenperioden einen Einfluss auf die Biodiversität. Der Klimawandel wirkt auf Organismen durch Änderungen der Wasserbilanzen, der physiologischen Prozesse, der Fitness und Konkurrenzverhältnisse zwischen den Arten. Indirekte Folgen auf Arten ergeben sich durch klimawandelbedingte Landnutzungsänderungen sowie den Ausbau erneuerbarer Energien.
Der Wandel des Klimas kann Arten gefährden, wenn deren Verbreitungsgebiete schrumpfen oder die betroffenen Arten neue Lebensräume nicht besiedeln können, weil ihre Ausbreitung beschränkt ist. Aufgrund des Klimawandels eingewanderte Arten können das bisherige Artenspektrum empfindlich stören oder Arten ganz verdrängen. Zu einer Gefährdung kann es auch kommen, wenn die Entwicklungsrhythmen bestimmter Arten nicht mehr aufeinander abgestimmt sind.
Um den Schutz der biologischen Vielfalt unter sich verändernden klimatischen Bedingungen zu verbessern, müssen vor allem Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass ausreichend große Populationen und ihre genetische Vielfalt erhalten bleiben. Gleichzeitig ist die gute Vernetzung der Lebensräume von Arten und die Verminderung nachteiliger Einflüsse sowohl auf Arten als auch auf die Lebensräume wichtig.
Bestimmte Maßnahmen zur Klimawandelanpassung wie das Anlegen von Biotopen, beispielsweise Steinmauern oder die Pflege innerstädtischer, wertvoller Landschaftsbestandteile sind weiterhin aktuell. Sie korrelieren positiv mit der Zielerreichung der Maßgaben aus der am 18. August 2024 in Kraft getretenen und unmittelbar anzuwendenden EU-Wiederherstellungsverordnung.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Stadtgrün
Die städtischen Grünflächen in Kiel sind Orte für Freizeit und Erholung. Naturschutz- und Biotopflächen sind oftmals (über-)lebensnotwendige Lebensräume für Pflanzen und Tiere.
Das Stadtgrün übernimmt vielfältige soziale, gesundheitliche, wirtschaftliche, ökologische und klimatische Funktionen, die es für die künftigen Generationen dauerhaft zu erhalten und zu stärken gilt. Die Sicherung, Qualifizierung und Weiterentwicklung des Stadtgrüns ist ein wichtiges Ziel für die Stadt.
Viele heimische Baumarten (Esche, Ulme, Eiche, Kastanie, Platane) sind von den Folgen des Klimawandels erheblich betroffen. Sie erhalten oftmals zu wenig Niederschlagswasser, sind starken Einstrahlungen und kontinuierlich steigenden Lufttemperaturen ausgesetzt. Unter diesen Standortbedingungen werden sie anfälliger für Pilz- und Schädlingsbefall. Dazu kommt, dass viele Pilze und Schädlinge bei höheren Temperaturen besonders gut gedeihen und/oder neu zuwandern und sich massiv ausbreiten. Aus diesen Gründen werden seit Jahren Baumarten gesucht, die das künftige Stadtklima besser vertragen.
Bäume, Grünflächen, Grün- und Parkanlagen (inklusive der Friedhöfe), ungestaltete Flächen sowie Naturschutz- und Biotopflächen haben eine kühlende Wirkung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung (Luftfilterung, Luftbefeuchtung, Frischluftleitung, Wasserverdunstung), zur Verminderung bzw. Verzögerung des Oberflächenwasserabflusses, zur Wasserspeicherung und zur Grundwasserneubildung.
Insbesondere Naturschutz- und Biotopflächen, Stadtwälder, Grün- und Parkanlagen, aber auch Straßen- und Gebäudegrün können bei Starkregenereignissen dabei helfen Überflutungen abzupuffern.
Der Schutz, die Pflege, die Entwicklung und die Neuschaffung von Grünflächen im bebauten Stadtgebiet tragen durch die Kompensation der Aufheizung versiegelter Flächen zur Aufenthaltsqualität bei. Angenehme Stadträume laden zudem zu klimafreundlicher Nahmobilität ein und vermeiden Freizeitverkehr zu entfernteren Erholungsgebieten.
Das Stadtgrün spielt eine wichtige Rolle im Umgang mit den Folgen des Klimawandels in den Städten: Die Erhaltung und Ausweitung des Stadtgrüns im Sinne einer grünen Infrastruktur im Siedlungsraum ist daher von zentraler Bedeutung. Es ist erforderlich, die verschiedenen Potenziale der grünen Infrastruktur zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Stadtgefüge zu nutzen und Maßnahmen zur Förderung der grünen Infrastruktur umzusetzen.
Im Konzept Stadtgrün der Stadt sind unter anderem folgende drei Ziele dargestellt: vorhandenes Stadtgrün erhalten und sichern; vorhandenes Stadtgrün aufwerten und stärken; neue Flächen und Möglichkeiten zum Ausbau des Stadtgrüns nutzen.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Naturnahe Waldentwicklung
Die Auswirkungen des Klimawandels stellen die Wälder und die Forstwirtschaft in Deutschland vor große Herausforderungen.
Der Kieler Stadtwald besitzt im Vergleich zum bundesweit betrachteten Waldzustand jedoch durch die natürlichen Standortgegebenheiten, der überwiegend standortheimischen Baumarten und der begonnenen naturnahen Waldentwicklung eine größere Resilienz.
Etwas über 10% der Stadtfläche in Kiel sind Wald - allerdings nicht zusammenhängend, sondern verteilt auf unterschiedlich große Areale wie unter anderem das Düsternbrooker, das Vieburger, das Hasseldieksdammer und das Projensdorfer Gehölz.
Der Kieler Stadtwald besitzt aufgrund der natürlichen Standortgegebenheiten, der überwiegend standortheimischen Baumarten und der begonnenen naturnahen Waldentwicklung eine größere Resilienz gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels (Gefährdung durch Trockenheit und dadurch entstehende Waldbrände, Gefährdung aufgrund vermehrter und stärkerer Sturmereignisse mit der Folge von vermehrtem Windbruch) als der bundesweit betrachtete Waldzustand vermuten lässt.
Da der Stadtwald in Kiel auf einer Jungmoräne wächst, die durch nährstoffreiche und grundwassernahe Lehmböden gekennzeichnet ist, ist er sehr viel weniger durch Trockenheit gefährdet, als stünden die Bäume beispielsweise auf Sandböden. In den Trockenjahren 2018 und 2019 gab es im Kieler Wald einzelne durch Trockenstress abgestorbene Bäume, an denen keine offensichtliche Vorschädigung erkennbar war. Betroffen war allerdings nur etwa jeder 10.000ste Baum.
Die am ehesten durch Trockenstress gefährdeten Fichten des Stadtwaldes haben einen Anteil am Gesamtholzvorrat von etwa 10 Prozent und sind größtenteils in naturnahe Laubholzbestände eingemischt. Falls diese nicht standortangepasste Baumart ausfällt, ist dies waldökologisch betrachtet und bezogen auf die gewollte naturnahe Waldentwicklung hinnehmbar. Auch bezogen auf eventuell zunehmenden Windbruch ist der Kieler Stadtwald durch den naturnahen Waldaufbau weniger gefährdet.
Die zwei wichtigsten Funktionen des Waldes in Kiel sind die Naherholung und der Naturschutz – der Wald als Ort für Pflanzen und Tiere. Dazu gehört die wichtige Klimaschutzfunktion. Jedes Jahr nimmt der Kieler Wald um rund 8.000 Festmeter Holz zu, das bedeutet eine stetig wachsende CO2-Speicher-Funktion. Eine dritte, eindeutig untergeordnete Funktion ist die Produktion des nachwachsenden Rohstoffs Holz.
Die Fachverwaltung führt seit Jahren Maßnahmen zur ökologischen Optimierung des Stadtwaldes durch. Im Juni 2021 hat das Grünflächenamt in einer Geschäftlichen Mitteilung (Drs. Nr. Drucksache 0488/2021) erläutert wie sich der Kieler Stadtwald unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit weiter entwickeln kann. Auf der Datengrundlage einer Waldbiotopkartierung und der Verschneidung der Ergebnisse mit der permanenten Kontroll-Stichprobeninventur wird eine umfassende Entwicklungsplanung für den Stadtwald Kiel für die Planungsperiode bis 2033 erstellt. Einer der Kernpunkte des Konzepts soll die Entwicklung zu einem möglichst klimaangepassten Wald sein.
Stand früher noch die Holzbewirtschaftung im Mittelpunkt, ist es jetzt die Naturnähe. Die menschlichen Eingriffe im Wald sollen in Kiel auf ein Minimum beschränkt werden.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Landwirtschaft und Fischerei
Die Landwirtschaft ist durch Klimaveränderungen wie Temperaturanstieg, veränderte Niederschläge und Extremwetterereignisse in Erträgen, Artenvielfalt und Produktionssicherheit betroffen.
Auch Fischerei und Küstenökosysteme stehen vor Herausforderungen, die durch nachhaltige Bewirtschaftung und Meeresschutzmaßnahmen abgemildert werden können.
Die Landwirtschaft emittiert einerseits produktionsbedingt klimarelevante Treibhausgase, andererseits ist die Landwirtschaft auch stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Durch den Klimawandel werden sich vor allem die pflanzenbaulichen Produktionssysteme verändern, unter anderem durch die Anpassung beim Anbau von Kulturarten und Sorten. 2022 waren rund 23 Prozent der Landeshauptstadt Kiel Landwirtschaftsflächen.
Die Veränderungen von Temperatur und Niederschlag beeinflussen die Ertragshöhe, -qualität und -stabilität von Nutzpflanzen. Beispielsweise ist bei Getreide ein Anstieg der Erträge aufgrund höherer Temperaturen und höherer CO2-Konzentration bei ausreichendem Wasserangebot möglich, ebenso kann aber auch eine mit zunehmender Temperatur verkürzte Kornfüllungsphase zu Ertragseinbußen führen. Durch eine eventuell zunehmende Frühjahrs- und Sommertrockenheit nimmt die Ertragssicherheit in der Grünlandwirtschaft und im Futterbau ab. Des Weiteren kann durch die Erwärmung auch mit einer Verlängerung der Weideperiode gerechnet werden, welche Futterkosten einsparen würde.
In der Ostsee beeinträchtigen die Auswirkungen des Klimawandels möglicherweise die Fischlaichplätze, Miesmuschelbänke und die Seegras- und Blasentangbestände, die wichtige „Kinderstuben“ für viele Fischarten darstellen. Zudem könnte es durch eine Abnahme des Salzgehalts in der Ostsee zu Änderungen der Artenverteilung, letztendlich zur Abnahme der Artenanzahl und so auch zu einer Störung im Nahrungsnetz kommen (Verhungern von Fischlarven, reduzierte Reproduktion, geringere Fangerträge).
Wenn Stürme in Zukunft häufiger auftreten, kann dies die Fangbedingungen auf dem Meer verschlechtern. Sturmfluten bedrohen zudem küstennahe Produktionsstätten, die Schaden nehmen können, wenn sie überflutet werden. Sensitiv gegenüber diesen Folgen des Klimawandels sind insbesondere Systeme – Anlagen, aber auch Fischbestände –, die räumlich nicht ausweichen können. Wenn sich der Lebensraum von Fischen so verändert, dass sie dort nicht mehr leben und sich reproduzieren können, und wenn sie keine Möglichkeit haben, in andere Gebiete auszuweichen, sind die Bestände an sich oder in ihrer Nutzungsfähigkeit bedroht (Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland).
Eine nachhaltige Ausrichtung der Fischerei sowie die Umsetzung von Meeresschutz-Maßnahmen können die betroffenen Ökosysteme entlasten. In Kiel spielt professionelle Fischerei nur noch eine untergeordnete Rolle, es gibt allerdings einige Aquakultur-Standorte. Der Angeltourismus mit dem Ziel Kieler Förde ist jedoch nach wie vor beliebt.
Landwirtschaft und Fischerei ist kein Schwerpunkt des Klimaanpassungskonzepts Kiel. Es wird auf die Anpassungsstrategie des Landes verwiesen.
Stadtplanung, Stadtentwicklung und Landschaftsplanung
Stadtplanung beschäftigt sich mit der Entwicklung der bebauten und unbebauten Umwelt. Damit hat jede Entscheidung in der Stadtplanung auch immer auch eine Klimawirkung.
Aufgrund des Querschnittcharakters muss die Stadtplanung die Folgen des Klimawandels nach §1 Abs. 5 BauGB sektorenübergreifend berücksichtigen. Die räumliche Planung muss dabei unterschiedliche Ansprüche miteinander vereinbaren und gegeneinander abwägen und räumliche Vorsorgekonzepte an den Anfang von Risikovermeidungsketten stellen.
Bei der Anpassung an den Klimawandel spielt die Frage nach möglichen Optionen der Ausgestaltung von Anpassungsmaßnahmen durch nachhaltige Stadtentwicklung eine hervorgehobene Rolle. Stadtplanung, Landschaftsplanung und Fachplanungen stehen somit bei der Planung und Umsetzung von anpassungsbezogenen Maßnahmen von Siedlungs- und Infrastrukturen vor der Aufgabe, verschiedene gesamt- und/oder teilräumliche Handlungsfelder widerspruchsfrei mit dem Erfordernis zur Anpassung an den Klimawandel zu verknüpfen und praktische Maßnahmen auf den verschiedenen Planungs- und Entscheidungsebenen vorzubereiten.
Die (Neu-)Bebauung von Gebieten und Grundstücken soll unter stadtklimatischen Gesichtspunkten und Fragen der Entwässerung überprüft und gestaltet werden. Die lokalklimatische Bedeutung von Grün- und Waldflächen sowie innerstädtischen Bäumen und Freiflächen wird weiter zunehmen.
Für die Planung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen stehen der Stadtplanung eine Vielzahl von Instrumenten zur Verfügung. Die besondere Herausforderung besteht darin, Klimaanpassungsmaßnahmen durchgängig in allen Instrumenten zu verankern und ihre Durchsetzung auch gegen widerstreitende Interessen zu erreichen: Flächennutzungsplan, Bebauungspläne, Landschaftsplan, Stadterneuerung (Städtebauförderung, Sanierungsgebiete), Stadtteilentwicklungskonzepte / Masterpläne / Rahmenpläne, Städtebauliche / hochbauliche Wettbewerbe, Städtebauliche Verträge, Städtebauliche Entwürfe.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Hochbau
Der Hochbau steht angesichts zunehmender Extremwetterereignisse und steigenden Temperaturen vor neuen Herausforderungen, um Menschen zu schützen und Gebäudeschäden zu vermeiden.
Anpassungsmaßnahmen wie passive Kühlung und klimaresistente Bauweisen sichern Gesundheit, Wohlbefinden und den Werterhalt von Gebäuden.
Im Zusammenhang mit der Anpassung an den Klimawandel sind für den Bereich Hochbau die steigenden Anforderungen an die Schadensvorsorge bei der Schaffung oder Veränderung baulicher Strukturen relevant, um dem Schutz von Menschen und Sachgütern Rechnung zu tragen.
Die zu erwartende Zunahme und höhere Intensität von Extremwetterereignissen bringt für das Bauwesen Herausforderungen mit sich. Hitzeperioden, Hagel, Stürme, Starkregenereignisse und Hochwasser können künftig vermehrt zu Schäden an Gebäuden führen. Ein wichtiges Thema im Zusammenhang mit der Klimawandelanpassung im Bauwesen ist die zunehmende Überwärmung von Innenstädten. Da diese Klimaveränderungen unter andrem die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Menschen beeinflussen, bringen sie neue Anforderungen an die Gebäudegestaltung und -technik mit sich.
Die Temperaturerhöhung führt zu einer Zunahme des Hitzestresses in Wohn- und Arbeitsstätten für die dort lebenden bzw. arbeitenden Menschen. Die nächtliche Abkühlung verkürzt sich und vermindert die Auskühlung von Wohn- und Bürogebäuden. Der Heizwärmebedarf wird geringer und der Stromverbrauch kann durch zusätzliche Klimaregelungssysteme ansteigen. Ein verstärkter Einsatz von Klimaanlagen steht jedoch aufgrund des hohen Energieverbrauchs mit dem Klimaschutz im Konflikt. Ziel muss es daher sein, über alternative und passive Kühlung eine Verbesserung des Innenraumklimas zu erreichen.
Maßnahmen zur Anpassung an die Klimawandelfolgen im Bauwesen tragen zum Erhalt gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse bei, mindern oder vermeiden Schäden durch Wetterextreme und bewahren so den Wert von Gebäuden.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Tourismus
Der Tourismus in Schleswig-Holstein ist stark von intakter Natur und klimatischen Bedingungen abhängig. Durch den Klimawandel steht er vor Chancen wie Saisonverlängerung, aber auch vor Risiken wie Extremwetter, Küstenerosion und verschlechterte Wasserqualität.
Strategien zur Klimaanpassung und nachhaltigen touristischen Entwicklung sollen Risiken minimieren, Besucher*innenströme lenken und neue Konzepte für zukunftsfähigen Tourismus fördern.
Der Tourismus in Schleswig-Holstein ist in besonderem Maße von einer intakten Natur abhängig. Aufgrund der Küstenlage, des Markenversprechens und der touristischen Kernthemen erwarten Gäste – häufig mit hoher Umwelt- und Nachhaltigkeitssensibilität – eine qualitativ hochwertige Umwelt.
Für Kiel ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und Ausgangspunkt für Reisen an die Ostsee sowie für kulturelle Angebote.
Gleichzeitig ist der Tourismussektor stark wetterabhängig: Hitze, Trockenheit, Starkregen, Sturm oder Überflutungen können die touristische Nutzbarkeit einschränken, etwa durch schlechtere Gewässerqualität, Algenwachstum, Ufer- und Sandverluste, Schäden an Promenaden und Seebrücken oder die Überflutung von Strandabschnitten.
Der Klimawandel birgt jedoch auch Chancen, etwa durch eine Verlängerung der Saison im Frühjahr und Herbst, höhere Luft- und Wassertemperaturen sowie eine mögliche Verlagerung von Touristenströmen an die Nord- und Ostsee.
Das Land Schleswig-Holstein betont in seiner Tourismusstrategie 2030 den Handlungsbedarf bei Klimafolgenanpassung und Küstenschutz (unter anderem Ostseeküste 2100). Das Regionale Tourismusentwicklungskonzept Kieler Förde 2030 orientiert sich an bestehenden städtischen Leitplänen wie dem Masterplan 100 % Klimaschutz und dem Green City Plan.
Anpassungsmaßnahmen reichen von technischen Lösungen (zum Beispiel angepasste Steganlagen, Beschattung, witterungsunabhängige Angebote), über Krisenprävention und -management bis hin zu Besucher*innenlenkung und nachhaltiger Mobilität – mit dem Ziel, Risiken zu minimieren und neue Potenziale zu nutzen.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Mobilität und Verkehr
Extremwetter wie Starkregen, Stürme und Hitze haben Einfluss auf die Verkehrsinfrastruktur, sie können die Mobilität und Sicherheit beeinträchtigen und verursachen steigende Instandhaltungskosten.
In Kiel reichen Anpassungsmaßnahmen von technischen Anpassungen im Straßenbau und an der unterirdischen Infrastruktur bis hin zur Planung eines neuen hochwertigen ÖPNV-Systems mit Straßenbahn sowie klimaangepassten Fahrzeugen und Wartebereichen.
Ein leistungsfähiger Verkehrssektor ist für die Mobilität von Gütern und Personen von großer Bedeutung. Extremwetterereignisse wie Starkregen, Überschwemmungen, Stürme, Hitze und Trockenperioden beeinträchtigen die Funktionsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur und mitunter auch der kritischen Infrastruktur.
Zudem führen Beschädigungen der Verkehrsinfrastruktur zu steigenden Instandhaltungskosten für die Baulastträger. Unterbrechungen und Beeinträchtigungen der Verkehrssysteme können sich auf die Verkehrssicherheit auswirken, Unternehmensprozesse beeinflussen und die persönliche Alltagsorganisation beeinträchtigen. Um langfristig Schäden und hohe Kosten durch Klimawandelfolgen zu vermeiden, sind effektive Anpassungsmaßnahmen erforderlich, die sich zugleich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientieren.
Durch die Folgen des Klimawandels ist die Infrastruktur höheren Belastungen ausgesetzt. Im Bereich des Straßen- und Wegebaus können Starkregenereignisse zu Überschwemmungen von Tunneln und Unterführungen und zur Unterspülung von Fahrbahnen und Gleisbetten führen. Bei Stürmen können Windbruch und umstürzende Bäume zu einer Unterbrechung der Verkehrsflüsse durch blockierte Straßen und Bahnstrecken führen. Die zulässige Verankerungslast von Verkehrseinrichtungen kann überschritten und dadurch die Standfestigkeit beispielsweise von großen Verkehrsschildern, Überdachungen oder von Beleuchtungs- und Signalmasten gefährdet werden. Besonders anfällig sind temporäre und provisorische Anlagen von Baustellen.
Im Bereich Hitze hat die Landeshauptstadt Kiel gute Erfahrungen mit ihren aufgehellten Asphaltmischungen. Diese zeigten auch bei vergangenen intensiven Sommern keine Spurrillenbildung, was ein Hinweis auf temperaturabhängige Verformungen wäre.
Zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur bei Starkregenereignissen kommt vor allem der Instandhaltung und die (hydraulische) Anpassung der unterirdischen Infrastruktur eine entscheidende Rolle zu.
In der Stadt haben im Oktober 2020 die Planungen für ein neues, hochwertiges ÖPNV-System begonnen. Eine Straßenbahn soll in gut zehn Jahren durch die Stadt fahren. Die Planer*innen haben unter anderem den Auftrag, ein Streckennetz für das neue System in Kiel zu entwickeln.
Schon jetzt plant die Stadt für den Kieler Süden und Norden Verbesserungen im Busangebot, damit im gesamten Stadtgebiet der ÖPNV besser genutzt werden kann, und untersucht eine mögliche Anbindung an ein hochwertiges ÖPNV-System.
Im Zusammenhang mit der Klimawandelanpassung sollten die Bürger*innen unter andrem vor einem übermäßigen Aufheizen der Fahrzeuge bei Hitze geschützt werden. Des Weiteren sollte in den Wartebereichen Schutz vor der Sonne geboten werden.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Energiewirtschaft
Der Klimawandel führt voraussichtlich zu einem steigenden Strom- und Wärmebedarf sowie zu Lastspitzen bei Hitze und Hochwasser.
Mit dem modernen Küstenkraftwerk, dem Ziel einer klimaneutralen Energieerzeugung bis 2040 und dem konsequenten Ausbau von Landstromanlagen im Port of Kiel treibt die Stadt ihre klimafreundliche und zukunftssichere Energieversorgung maßgeblich voran.
Der Wärme- und Strombedarf wird vom Bedarf des Marktes, beziehungsweise der Abnehmer*innen bestimmt. Daher richtet sich auch der Betrieb der Heiz(kraft)werke an den jeweiligen Bedürfnissen aus.
Die zu erwartenden Veränderungen durch den Klimawandel führen voraussichtlich zu einem steigenden Energiebedarf (zum Beispiel Kühlsysteme, Wasserschöpfwerke). Bei Hitzeperioden oder bei Hochwasser kann es bei der Stromnachfrage zu erheblichen Lastspitzen kommen.
Im Januar 2020 ist das Küstenkraftwerk in Kiel offiziell an den Start gegangen. Es ist eines der modernsten Kraftwerke in Europa und spart rund 1.000.000 Tonnen CO2 im Jahr gegenüber dem Vorgänger ein, was 70 Prozent weniger Emissionen bedeutet. Die Stadtwerke Kiel planen Strom und Fernwärme spätestens im Jahr 2040 vollständig klimaneutral zu erzeugen. Grundlage hierfür bilden unter anderem der Bau von Großwärmepumpen sowie der Umbau der Gasmotoren auf den Betrieb mit Wasserstoff. Somit würde der Energieversorger die Vorgaben der Bundesregierung, die eine klimaneutrale Erzeugung im Jahr 2045 vorsieht, um fünf Jahre vorziehen.
Im Bereich der technischen Anpassungen an die Folgen des Klimawandels wurde beim Bau des Küstenkraftwerkes in Kiel gemäß den Gesetzen und Verordnungen vorgesorgt (Thema Hochwasserschutz). Den steigenden Meeresspiegel hat das Kraftwerk berücksichtigt, indem das Gelände des Küstenkraftwerks auf 4 Meter ü. N.N. modelliert wurde.
Im Port of Kiel konnten 2020/2021 die CO2-Emissionen von Schiffen an ihren Liegeplätzen durch die Landstromanlagen (Ökostrom) am Ostseekai, Schwedenkai und Norwegenkai bereits deutlich gesenkt werden. Ab 2023 wird auch im Ostuferhafen Landstrom zur Verfügung stehen.
Landstrom ist das Kerninstrument zum Erreichen der Klimaziele des Port of Kiel bis 2030. Mit der Inbetriebnahme der zweiten Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe am Terminal Ostseekai hat der Kieler Hafen den letzten Bauabschnitt seiner umfangreichen Landstrominfrastruktur abgeschlossen. Mit der neuen Erweiterung kann der Kieler Hafen nun gleichzeitig bis zu drei Kreuzfahrtschiffe und vier Fähren mit emissionsfreiem Strom versorgen.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.
Industrie und Gewerbe, Eigengesellschaften und Beteiligungen der LHK
Industrie und Gewerbe sind zunehmend von den wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels betroffen, etwa durch Extremwetterereignisse, Hitze, Hochwasser oder Sturmschäden, die Infrastruktur, Produktion und Lieferketten beeinträchtigen und langfristig das Bruttoinlandsprodukt mindern können.
Mit klimafester Infrastruktur, nachhaltiger Gestaltung von Gewerbegebieten und gezielten Maßnahmen zur Klimaanpassung stellt sich die Kieler Wirtschaft resilient und wettbewerbsfähig für die Zukunft auf.
Die wirtschaftlichen Folgen von Extremwetterereignissen haben weitreichende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Im Zeitraum von 1980 bis 2013 führten extreme Wetterereignisse kumuliert zu einer Verringerung des deutschen Bruttoinlandproduktes (BIP) um 0,11 Prozent. Projektionen zeigen eine mögliche jährliche Reduktion des Bruttoinlandsproduktes aufgrund von Schäden durch den Klimawandel von bis zu 0,6 Prozentpunkten bis 2050 und bis zu 0,75 Prozentpunkten bis 2080 auf (Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland).
Unternehmen sind dabei sowohl durch inländische als auch durch internationale Auswirkungen betroffen und auf eine möglichst störungsfreie Energie- und Verkehrsinfrastruktur angewiesen. Investitionen in Klimaschutz und -anpassung verursachen nicht nur Kosten, sondern können langfristig Wettbewerbsvorteile schaffen.
Gewerbegebiete sind häufig stark versiegelt und bieten wenig Raum für Grünflächen, was Hitze- und Starkregenfolgen verstärken kann. Durch Entsiegelung, Dach- und Fassadenbegrünung, Straßenbegleitgrün oder ein verbessertes Mobilitätsmanagement können Kommunen und Unternehmen gemeinsam zur Klimaanpassung beitragen.
Die Risiken für Betriebe reichen von Hitze und Wasserknappheit über Schäden durch Starkregen, Hochwasser, Meeresspiegelanstieg an der Förde und Stürme – insbesondere bei hochaufragenden Anlagen in Küstennähe – bis hin zu Lieferengpässen und steigenden Anforderungen an Produktion und Logistik.
Die Kieler Wirtschaftsförderung (KiWi) integriert bei der Entwicklung und Reaktivierung von Gewerbegebieten gezielt Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen und setzt die städtischen Klimabeschlüsse um. Förderrichtlinien werden entsprechend angepasst, um unter anderem die Nachhaltigkeit zu sichern. Insgesamt erfordert die Anpassung präventive Schutzmaßnahmen für Standorte und Infrastruktur sowie ressourcenschonende, möglichst regionale Produktions- und Lieferstrukturen in enger Zusammenarbeit mit Kammern, Forschungseinrichtungen und Behörden.
Das gesamte Handlungsfeld mit konkreten Maßnahmen finden Sie im Rahmenkonzept Klimaanpassung.