Kieler Aktionsplan Bienenschutz
Die Situation der Wildbienen und anderer Insekten ist besorgniserregend schlecht. Auch in Schleswig-Holstein ist ein dramatischer Rückgang von Arten und Populationen zu verzeichnen.
Hauptursachen dafür sind das nicht ausreichende Nahrungsangebot sowie schwindender Lebensraum, Überdüngung und die Folgen von Pestizideinsatz.
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Ein Aktionsplan mit Erfolg
Die Landeshauptstadt Kiel hat sich dazu entschlossen, aktiv zum Schutz der Insekten in der Stadt beizutragen. Seit 2014 gibt es deshalb den „Kieler Aktionsplan Bienenschutz“, mit dem Ziel, die Lebensbedingungen und Lebensräume für Wildbienen und andere Insekten zu verbessern.
Der Aktionsplan enthält vier Maßnahmeschwerpunkte:
- Öffentlichkeitsarbeit
- Anlage von Blühwiesen
- Pflanzenauswahl (mehrjährig und gebietsheimisch)
- Untersuchungen beziehungsweise Kartierungen
Im Rahmen des Aktionsplans wurden bereits diverse Maßnahmen umgesetzt. Bereits auf über 90.000 m² Fläche sind so artenreiche Blühwiesen neu angelegt oder durch eine Änderung der Pflege umgewandelt worden. Dabei werden die Wiesen mit einer Saatgutmischung angelegt, die mehrjährige und gebietsheimische Arten enthält. Die Artenzusammensetzung wird dabei speziell für die jeweilige Fläche angepasst.
Ergänzend zur Anlage von Blühwiesen werden vermehrt im öffentlichen Grün nektar- und pollenspendende Solitärblütensträucher gepflanzt. Die Pflanzenwerden so miteinander kombiniert, dass ein lang anhaltender Blühaspekt erzielt und damit ein Nahrungsangebot für blütenbesuchende Insekten geschaffen wird, das verteilt über das gesamte Jahr zur Verfügung steht.
Kontakt
Landeshauptstadt Kiel
Grünflächenamt
Pflege- und Entwicklungsplanung
Anna-Margareta Bläse
0431 901-3846
A.Blaese@kiel.de
Carina Schönfeld
0431 901-3843
Carina.Schoenfeld@kiel.de
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Kieler Aktionsplan BienenschutzProgramm 18 Blühwiesen für Kiel
Das von der Kieler Ratsversammlung 2019 beschlossene Programm „18 weitere Blühwiesen für Kiel“ sah vor, 18 öffentliche Grünflächen in Blühwiesen umzuwandeln. In jedem Ortsbeiratsbezirk sollte eine Fläche zur Blühwiese umgewandelt werden.
Im Mai 2019 wurden die Ortsbeiräte aufgerufen, Vorschläge für die Anlage von artenreichen Blühwiesen zu sammeln. Es folgte eine rege Beteiligung mit 85 Vorschlägen aus der Bevölkerung, von denen nach ausführlicher Prüfung 18 Flächen für die Umsetzung ausgewählt wurden.
In den folgenden Jahren wurden die neue Blühwiesen angelegt, so dass am Ende in jedem der 18 Ortsbeiratsbezirke eine neue Fläche erblühen kann. Im Herbst 2024 wurden die letzten fünf Flächen angesät.
Bei den meisten Ansaat- und Pflanzaktionen beteiligten sich Kindergruppen aus örtlichen Kindertagesstätten und Schulen. Häufig beschäftigten sie sich bereits im Vorfeld mit der Thematik und waren bei der Aktion selbst mit großer Begeisterung dabei.
Die Auszubildende des Grünflächenamts haben die Kinder bei dieser Aufgabe unterstützt. Insgesamt entstand so zwischen 2020 und 2024 auf einer Gesamtfläche von circa 22.000 m² neuer artenreicher und insektenfreundlicher Lebensraum im Kieler Stadtgebiet.
Blütenbesucher auf den Kieler Wiesen
Gestaltung der Blühwiesen - die Aussaat
Für die Aussaat der Kieler Blühwiesen wird gebietsheimisches sogenanntes Regio-Saatgut mit über 30 verschiedenen mehrjährige Arten verwendet. Die Wiesen werden über viele Jahre durch regelmäßige Mahd gepflegt.
Dabei gleicht keine Fläche der anderen. Die Wiesen sind im Hinblick auf Aussehen und Artenzusammensetzung sehr unterschiedlich. Dies ist ein natürlicher Prozess und liegt an verschiedenen Faktoren wie den Standortbedingungen auf der Fläche, den Witterungsbedingungen sowie Zeitpunkt und Art der Mahd. Blühwiesen entwickeln sich immer weiter und sehen dadurch auch immer anders aus.
Über den Erhalt und die Pflege sollen sich die Blühwiesen auch in den kommenden Jahren weiterentwickeln und so langfristig einen Lebensraum bilden. Auch in den kommenden Jahren werden weitere neue Blühflächen angelegt. Vorschläge für Flächenumwandlungen auf öffentlichen Flächen sind immer willkommen.
Mähen für Insekten - die richtige Pflege
Um die Vielfalt der Blühwiesen zu erhalten, ist es sehr wichtig, sie richtig zu pflegen. Sie müssen ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, und das Schnittgut muss von der Fläche abgeräumt werden.
Ohne die regelmäßige Mahd machen sich schnell konkurrenzstarke und unerwünschte Arten wie Brennnesseln, Gräser oder Giersch breit, die allmählich die blühenden Kräuter verdrängen. Da in Kiel nährstoffreiche Böden vorherrschen, reicht ein einmaliges Mähen im Spätsommer an vielen Stellen nicht aus.
Es muss zweimal gemäht werden. Das bedeutet, dass die erste Mahd erfolgt, wenn ein Teil der Pflanzen in voller Blüte steht. Dies ist für den Betrachtenden schwer nachzuvollziehen. Dieser Schnitt ist allerdings wichtig, um die gewünschten Arten zu stärken und die Blütenvielfalt für die Insekten zu erweitern! Denn nach dieser frühen Mahd kann die Blühwiese sogar ein zweites Mal im Spätsommer blühen und bildet dann eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten zu einer Zeit, wo das Blütenangebot anderenorts oft schon deutlich reduziert ist.
Um den Tieren trotz der Mahd den Lebensraum zu erhalten, werden wenn möglich wechselnd Teilbereiche stehen gelassen und erst bei der nächsten Mahd wieder geschnitten.
Letztlich ist es das Ziel dieser sorgfältigen Pflege, eine blühende Oase zu schaffen, die nicht nur den Insekten, sondern auch uns Menschen Freude bereitet und einen wertvollen Beitrag zur Biodiversität leistet.
Naturschutz mit Ästen und Zweigen - Anlage einer Benjeshecke
Im Rahmen der Projektwoche „Kiel wird grüner – Gemeinsam können wir es schaffen“ haben Schüler*innen des RBZ am Schützenpark im Frühjahr 2025 auf der Blühwiese am Professor-Peters-Platz eine Benjeshecke angelegt – die Erste ihrer Art auf den städtischen Blühwiesen.
Das Projekt wurde unter der Begleitung des Grünflächenamtes umgesetzt und soll einen weiteren wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Über die Benjeshecke informiert zusätzlich ein Schild, das ebenfalls von den Schüler*innen entwickelt und aufgestellt wurde.
Benjeshecken bzw. Totholzzäune, bestehen aus Ästen und Zweigen, die locker zwischen zwei Reihen von Pfählen geschichtet werden. Sie sind besonders wertvoll, da sie durch ihre Struktur Lebensräume für zahlreiche Vögel, Kleinsäuger und Insekten schaffen. Besonders Käfer, aber auch viele Wildbienenarten, Ameisen und Fliegen sind auf Totholz angewiesen. Die neue Benjeshecke ergänzt die bestehende Blühwiese ideal, denn während die Blühwiese reichlich Nahrung für Insekten bietet, schafft die Hecke zusätzliche Rückzugsräume und Nistplätze.
Benjeshecken lassen sich ebenfalls als kleinere Version in den eigenen Garten integrieren, da sie sich ideal für die Verwertung von anfallenden abgeschnittenen Ästen, sowie Laub und Rasenschnitt eignet. So bieten sie nicht nur einen Sichtschutz und eine Möglichkeit zur Entsorgung von Schnittgut, sondern fördert gleichzeitig die Artenvielfalt im Garten.
Das Grünflächenamt begrüßt das Engagement der Schüler*innen, die mit ihrer Arbeit gezeigt haben, wie wertvoll gemeinschaftliches Handeln für den Artenschutz sein kann.
Wildbienenkartierungen
2015 und 2019 haben Gutachter*innen Wildbienenkartierungen auf ausgesuchten städtischen Flächen durchgeführt. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind bemerkenswert.
Seit 2015 wurden insgesamt 116 Wildbienenarten nachgewiesen, von denen einige Arten als gefährdet oder potenziell gefährdet registriert sind.
Als Beispiele sind hier die Seidenbiene oder die Dünen-Blattschneiderbiene zu nennen. Die Ergebnisse zeigen das hohe Artenpotential, das sich durch Erhalt, Schutz und kompetente Förderung entfalten kann. Auch Standorte, die optisch nicht als „bunte Blumenwiesen“ in Erscheinung treten, können als Lebensraum für Insekten sehr wertvoll sein.
Jede*r kann sich für Bienenschutz engagagieren
Jede*r in Kiel und Umgebung kann sich für den Bienenschutz engagieren, indem Pflanzen mit Nektar und Pollen für Bienen und andere Insekten bei der Bepflanzung von Balkon, Terrasse oder Garten verwendet werden.
Als Faustregeln gelten hierfür: Besser heimische als exotische Arten und eher ungefüllte als gefülltblühende Sorten verwenden. Gleichzeitig ist es wichtig, einen Blühaspekt für einen möglichst langen Zeitraum im Jahr zu erreichen, da die Insekten vom frühen Frühjahr bis in den späten Herbst hinein Nahrung suchen.










