Grün.Flächen.Zukunft.
Weidelandschaften & Ausgleichsmaßnahmen

Eingriffe in Natur und Umwelt entstehen bei nahezu allen Baumaßnahmen. Sie erfordern ökologische Ausgleichsmaßnahmen - wenn möglich in der Nähe.

Zu diesem Zweck hat Kiel seit den späten 1970er Jahren etwa 190 Hektar überwiegend als halboffene Weidelandschaften gestaltete Ausgleichsflächen entwickelt. Außerdem hat die Stadt 100 Hektar Waldausgleich, 59 Hektar Feldgehölz und 62 Kilometer Knickausgleich hergestellt.

 

Stadteigene Ausgleichsflächen | Ökologischer Ausgleich für städtische Baumaßnahmen

Verursacher*innen von Eingriffen in Natur und Landschaft sind verpflichtet, diese durch Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auszugleichen (Ausgleichsmaßnahme) oder zu ersetzen (Ersatzmaßnahme). Das regeln §§ 13ff Bundesnaturschutzgesetz und § 1a Baugesetzbuch.

Die Ausgleichsmaßnahmen für städtische Bauprojekte finden vorzugsweise auf stadteigenen Ausgleichsflächen statt. Für ihre Entwicklung und Verwaltung ist das Grünflächenamt zuständig

In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde werden für jede Fläche geeignete Maßnahmen und Entwicklungsziele festgelegt. Anschließend erfolgen Planung und Umsetzung der baulichen Maßnahmen. 

Die Bewirtschaftung der Flächen erfolgt durch ortsansässige Landwirt*innen. 

 

Kontakt

Landeshauptstadt Kiel
Grünflächenamt
Übergreifende Planung, Ausgleich und Ersatz

Rebecca Nagel
0431 901-3835

 


Halboffene Weidelandschaften | Stärkung von Artenvielfalt und Biodiversität

Eine typische Ausgleichsmaßnahme auf stadteigenen Flächen ist die Umwandlung von intensiv genutzten Ackerflächen in „extensiv“ genutzte sogenannte halboffene Weidelandschaften.

Dabei handelt es sich um großflächig umzäunte Grünlandflächen, die von wenigen Robustrindern oder Schafen je Flächeneinheit beweidet werden. Zur weiteren ökologischen Aufwertung wurden Kleingewässer für Amphibien, Einzelbäume, Feldgehölze und Knicks angelegt.

Die Tiere gestalten diese kleine Landschaft selbst, indem sie die Feldgehölze durchweiden, sich wälzen, und die Pflanzen unterschiedlich intensiv oder schnell abfressen. Durch das bewegte Relief, Trittspuren und Wälzstellen sowie unterschiedlich stark beweidete Bereiche entstehen strukturreiche Landschaften mit einer im Vergleich zu intensiv genutzten Äckern hohen Artenvielfalt.

Besonders schön entwickelte Weidelandschaften finden sich am Großen Wiesenberg in Rönne. Hier hat die Stadt Mitte der 1990er Jahre zunächst wenige Hektar einer landwirtschaftlichen Nutzfläche in eine halboffene Weidelandschaft umgewandelt. Schrittweise wurden gezielt weitere Flächen in Rönne erworben und entwickelt. 

So ist im Laufe der Jahre aus einer weitgehend intensiv genutzten, monotonen Agrarlandschaft nach und nach eine vielfältige Landschaft entstanden, die mit ihrer Strukturvielfalt einer großen Zahl an Pflanzen- und Tierarten Lebensraum bietet. 

 
Mehrere Rinder stehen auf einer Weidfläche, im Hintergrund Bäume und Gehölze
Rinder bei der Landschaftspflege auf der Ausgleichsfläche am Kroog
 

Großer Wiesenberg in Rönne | Halboffene Weidelandschaft in Kiel

Ein schwarzes und mehrere bruane Rinder grasen auf einer ausgedehnten Weide, im Hintergrund mehrere Baumgruppen und eine kleine Siedlung.
Robustrinder beweiden die Ausgleichsflächen am Großen Wiesenberg.
Ein Steg führt hin zu einem Weg. Im Hintergrund eine weitläufige Weidefläche, rechts und im HIntergrund Bäume.
Ausgleichsflächen dienen nicht nur dem Naturschutz, sondern auch der Erholung: Ein Rundweg um den Großen Wiesenberg gibt schöne Einblicke in die Weidelandschaft.
Ein kleines Gewässer inmitten einer naturbelassenen Wiesen- und Gehölzlandschaft.
Kleingewässer bieten wertvolle Feuchtlebensräume.

 


2026 UN-Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums

Weideland bedeckt mehr als die Hälfte der Landfläche der Erde und ist dennoch das am meisten gefährdete und am wenigsten geschützte Ökosystem. Es ist die Lebensgrundlage von 500 Millionen Menschen und weiteren 2 Milliarden Menschen entlang der Wertschöpfungsketten.

Deshalb haben die Vereinten Nationen das Jahr 2026 zum Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums ausgerufen. Damit soll der wichtige Beitrag von Weidelandschaften und Hirt*innen für Ernährungssicherheit, Wirtschaft, Ökosystemleistungen, Klimaresilienz und Kultur sichtbar gemacht werden. Ziel des UN-Jahres ist, Weidelandschaften und Hirt*innen für heutige und zukünftige Generationen zu sichern. 

Das Grünflächenamt beteiligt sich mit mehreren Veranstaltungen am UN-Jahr und möchte es dazu nutzen, über die städtischen Ausgleichsflächen und ihre Bedeutung für Biodiversität und Artenvielfalt im Umfeld eng bebauter Siedlungsräume zu informieren. 

Gemeinsam mit unseren Pächter*innen möchten wir Sie im Sommer und im Herbst zu Führungen auf den städtischen Ausgleichsflächen einladen. Ab Mai 2026 informieren wir auf dieser Seite über Termine und Inhalte der Veranstaltungen. 

 

Logo des UN-Jahrs der Weiderlandschaften. Zeichnung einer Weide in Hügelform, auf der ein Hirte, ein Hirtenhund ein Rind, eine Ziege und ein Schafe hintereinander hergehen. Drüber fliegt ein Vogel. Darunter die Aufschrift IYRP 2026
Logo des Internationalen Jahrs der Weidelandschaften und des Hirtentums (International Year of Rangelands and Pastoralists)

 


Impressionen | Ausgleichsflächen in Kiel

Eine Schafherde steht und liegt auf einer ausgedehnten Weidefläche, im Hintergrund Wald
Auch Schafe werden zur Landschaftspflege eingesetzt
Eine Weidelandschaft aus rosefarbenen Gräsern, im Hintergrund eine Baumgruppe
Grünland in Felde
Ein Baum steht inmitten einer ausgedehnten Weide, links und rechts der Weide stehen Bäume
Blick in die Zukunft: aus einer Intensivweide im Norden Kiels soll über eine angepasste Bewirtschaftung eine extensive Mähwiese mit Feuchtstellen werden.