Zero.Waste.City
Lebensmittel retten: Schlauer einkaufen, weniger verschwenden

Einleitung und Sprunglinks zu Abschnitten

Jeder Mensch in Deutschland wirft durchschnittlich 75 kg Lebensmittel pro Jahr weg. Und damit auch Energie, Wasser, Dünger und Treibstoff, die für die Lebensmittel-Herstellung benötigt werden.

Mit unseren Tipps landen weniger Lebensmittel im Abfall. Machen Sie mit und schonen Sie Umwelt und Portemonnaie!

 

Unser Ansatz für Lebensmittelwertschätzung

Icon Sprechblasen

Kommunikation

Kiel berichtet über die Wertschätzung und Verschwendung von Lebensmitteln und informiert in Beratungsangeboten und Veranstaltungen.

Icon Austausch

Umverteilung

Kiel unterstützt die Umverteilung von noch genießbaren Lebensmitteln aus Betrieben, Mensen und Kantinen und dem Handel, die sonst im Abfall landen würden.

Icon Zahnräder

Netzwerk

Kiel unterstützt die Akteure, die sich für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln in Kiel engagieren.

 

Lebensmittel retten leicht gemacht

Obst und Gemüse machen ein Drittel der Lebensmittelabfälle im Haushalt aus. Regionale und saisonale Lebensmittel haben viele Vorteile: Kurze Wege führen zu weniger Emissionen durch Transport und Lagerung. Verpackungen und Konservierung sind oftmals nicht notwendig. So kann das Abfallaufkommen entlang der Produktionskette verringert werden.

 

So geht's

Gezielt einkaufen

Planen Sie Ihren Einkauf mit einem Einkaufszettel oder Wochenplan. So landen nur Zutaten, die Sie brauchen, im Einkaufskorb. Kaufen Sie weiches Obst und Gemüse erst einen oder zwei Tage vor der Verwendung. Die Übersicht im Saisonkalender für Gemüse (PDF) und der Saisonkalender für Obst (PDF) der Kieler Umweltberatung hilft Ihnen bei der Planung.

Richtig lagern

Viele Lebensmittel halten unter bestimmten Bedingungen besonders lange, so gibt es im Kühlschrank für jedes Produkt den richtigen Platz. Zudem verzögert ein hygienischer Umgang mit Lebensmitteln das Verderben, ein sauberer Lagerplatz ist daher Pflicht. Die Verbraucherzentrale hat eine ausführliche Beschreibung der richtigen Lagerung für viele verschiedene Produktgruppen erstellt. 

Mit Resten kochen

Verbrauchen Sie angebrochene und verderbliche Lebensmittel, bevor Sie einkaufen gehen. Apps wie „Zu gut für die Tonne!“ helfen, Rezeptideen zu finden. Aus vielen vermeintlichen Obst- und Gemüseabfällen können Sie leckere Gerichte zaubern – zum Beispiel ein Pesto aus Möhrengrün.

Einfrieren

Zu viel gekocht? Frieren Sie Reste in Boxen und Gläsern ein. Auch zu viel gekauftes Obst oder Gemüse können Sie einkochen oder einfrieren und bei Bedarf wieder auftauen.

Auf Sinne verlassen

Produkte außer Fisch und Fleisch sind meist auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums genießbar. Machen Sie den Augen-Nase-Zunge-Check. Wenn das Lebensmittel gut aussieht, riecht und schmeckt, ist es zu gut zum Wegwerfen.

Fair-teilen

Auf foodsharing.de finden Sie Orte in Kiel, an denen Sie übriggebliebene Lebensmittel spenden können. Oder Sie bieten Nachbar*innen und Kolleg*innen Ihre übrigen Lebensmittel an. Besonders vor dem Urlaub ist das ein guter Weg, um Essen vor der Tonne zu retten.


Lebensmittelabfälle richtig entsorgen

Biotonne nutzen

Laut einer deutschlandweiten Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (2020) werden Lebensmittelabfälle häufig über die Restmülltonne (33 Prozent) oder sogar das Abwasser (13 Prozent) entsorgt. 

Durch die Entsorgung über die graue Tonne gehen wichtige Rohstoffe bei der Verbrennung der Abfälle verloren. Die Entsorgung von Lebensmittelabfällen durch das Abwassersystem kann zudem die in Städten häufig bestehende Rattenproblematik weiter verstärken und die Kläranlagen belasten.

Gekochte und ungekochte Lebensmittelabfälle sowie Obst- und Gemüseabfälle kommen in die Biotonne. Weitere Informationen zur Entsorgung von Lebensmitteln gibt es beim Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel

VERPACKUNG & LEBENSMITTELABFÄLLE GETRENNT ENTSORGEN

17 Prozent der Lebensmittelabfälle, ein Drittel davon Milchprodukte, werden ungeöffnet oder geöffnet mit samt der Verpackung entsorgt. Werden Kunststoffverpackungen in der Biotonne entsorgt, verunreinigen sie  den aus den Abfällen in der Biotonne hergestellten Kompost. Außerdem können die Kunststoffe der Verpackungen nicht mehr dem Recyclingkreislauf zugeführt werden.

„Kompostierbare“ Plastiktüten & Verpackungen gehören nicht in die Biotonne.

Die Zersetzung der kompostierbaren Plastikersatzprodukte erfordert bis zu drei Mal so viel Zeit wie die Kompostierung der regulären Bioabfälle, weshalb diese in den aktuellen Kompostierungsanlagen nicht vollständig umgesetzt werden können. 

Um aus Bioabfällen wie Lebensmittelabfällen und Grünschnitt hochwertigen Kompost herstellen zu können, muss der Bioabfall frei von Verpackungen und Fremdstoffen sein. 

 

Kiel ist Foodsharing Stadt

Als Foodsharing Stadt kooperiert die Landeshauptstadt unter anderem eng mit den ehrenamtlichen Mitgliedern von foodsharing Kiel e. V., die übriggebliebene Lebensmittel von Betrieben, Veranstaltungen oder privaten Haushalten sammeln und verteilen.

Die etwa 650 Foodsaver*innen von foodsharing Kiel e.V. arbeiten mit rund 93 Betrieben zusammen. 2023 konnten sie bei mehr als 300 Rettungen 8,3 Tonnen Lebensmittel pro Woche retten.

Die Auszeichnung zur foodsharing-Stadt wurde 2024 vom Bundesverein Foodsharing an die Landeshauptstadt Kiel vergeben. Sie bestätigt die Partnerschaft zwischen dem Kieler foodsharing-Team und der Stadtverwaltung. Mit anderen bundesweit ausgezeichneten Städten werden Ideen zur weiteren Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ausgetauscht.

 
 
Urkundenübergabe von foodsharing Kiel e.V. an Stadträtin Alke Voß im Nachhaltigkeitszentrum

Unser Konzept für Zero Food Waste

Bis unsere Lebensmittel den Weg auf unseren Teller finden, gehen Sie einen langen Weg entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette. Von den Lebensmittelproduzenten, über die Groß- und Einzelhändler, hin zu lebensmittelverarbeitenden Betrieben und den Konsumenten in privaten Haushalten. 

Auf diesem Weg gibt es vielfältige Ursachen für Lebensmittelverschwendung. Beginnend bei der Vernichtung von krummem, zu großem oder zu kleinem Gemüse durch den Produzenten (EU-Politik), über Verschwendung durch falsche Lagerung im Geschäft oder Handel, oder durch Fehlkäufe im gewerblichen und privaten Bereich.

Das Zero Waste-Konzept enthält daher eine Vielzahl an Maßnahmen, die dabei helfen, Lebensmittel vor der Abfalltonne zu retten.

  • Die Gesamtabfallmenge pro Kopf pro Jahr in der Landeshauptstadt Kiel soll bis 2035 um 15 Prozent reduziert werden.
  • Die Haus- und Geschäftsabfälle in der Landeshauptstadt Kiel sollen bis zum Jahr 2035 um 50 Prozent (auf durchschnittlich 85 Kilogramm pro Kopf pro Jahr) reduziert werden. Langfristig strebt die Landeshauptstadt Kiel ein Haus- und Geschäftsabfallaufkommen von durchschnittlich weniger als 50 Kilogramm pro Kopf pro Jahr an.
  • Der Anteil des biogenen Abfalls im Haus- und Geschäftsabfall soll in der Landeshauptstadt Kiel 1. erfasst und 2. bis 2035 um 50 Prozent reduziert werden.
  • Die Abfälle aus Produktion und Gewerbe sollen 1. erfasst und 2. soll die Abfallintensität (Abfallaufkommen/ BIP) des Abfalls aus Produktion und Gewerbe bis 2035 halbiert werden.
 

Zwölf Maßnahmen des Zero Waste-Konzepts verfolgen das Ziel, die Lebensmittelverschwendung in verschiedenen Sektoren zu reduzieren.

Öffentliche Verwaltung

  • Lebensmittelabfälle in städtischen Organisationen erfassen
  • Catering in der Verwaltung an Zero Waste-Richtlinien auslegen

Haushalte

  • Einkaufsratgeber Zero Waste
  •  Zero Waste Beratungsangebot für Kieler Haushalte
  •  Zero Waste Haushaltschallenge

Bildungseinrichtungen

  • Abfallfreie Mensa

Gewerbe

  • Selbstverpflichtung für Zero Waste-Konzepte in Restaurants
  • Flächendeckendes Angebot zum Foodsharing, auch für Produktionsreste

Events

  • Verpflichtung zu Foodsharing-Angeboten auf Kieler Event
  • Zero Waste-Picknick

Handel

  • Förderung unverpackter, regionaler Lebensmittel
  • Zero Waste-Label
 

Projekte & Aktionen

Städte gegen Food Waste

Plakat: Jede dritte Banane ist uns Banane

In den Jahren 2022-2024 war Kiel Teil der deutschlandweiten Initiative „Städte gegen Food Waste“ von dem Unternehmen Too Good To Go. Ziel der Initiative war es, die Lebensmittelverschwendung in Städten zu reduzieren.

Die Grundlage der Initiative bildeten drei Säulen: Kommunikation, Umverteilung und Prävention. Hierzu gehörte das Informieren der Bürger*innen über die Lebensmittelverschwendung, die Umverteilung von Lebensmitteln und die Prävention von Verschwendung.

In verschiedenen Veranstaltungen und bei Aktionen wurden Informationen über den Umgang mit Lebensmitteln geteilt. Bei der Zero Waste-Challenge und im Klimathon konnten Kieler*innen im Alltag aktiv werden und vielfältige Tipps ausprobieren.

Mit verschiedenen Kampagnen rief Kiel zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung auf und teilte Tipps zum Beispiel im Rahmen der Aktionswoche des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) „Deutschland rettet Lebensmittel“.

 

Interaktiver Zero Waste-Kühlschrank

interaktiver Zero Waste-Kühlschrank

Was jede*r bereits bei der Sortierung im Kühlschrank gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun kann, lässt sich spielerisch am interaktiven Zero Waste-Kühlschrank im Nachhaltigkeitszentrum ausprobieren.

Wussten Sie zum Beispiel, dass Tomaten außerhalb vom Kühlschrank ihr Aroma länger behalten? Äpfel, wenn sie nicht direkt gegessen werden, im Kühlschrank knackig bleiben? Und Zwiebel sowie Kartoffel am besten nicht zusammen gelagert werden?

Probieren Sie es aus und kommen Sie uns im Nachhaltigkeitszentrum, Europaplatz 2 im Rahmen der Öffnungszeiten besuchen.