Konzerthaus im Kieler Schloss

Das Konzerthaus ist ein Kleinod der Kieler Altstadt und in seiner Architektur aus den 60er Jahren einzigartig.

Jetzt ist es umfassend saniert worden: barrierefrei, technisch hochmodern und denkmalgerecht.

 

Das Haus

Der Gebäudekomplex hat jetzt rund 7.100 Quadratmeter Nettonutzfläche. Es umfasst den Konzertsaal, großzügige Foyerzonen, gastronomische Bereiche, Garderoben, Übungs- und Arbeitsräume, Büros sowie umfangreiche Technik- und Lagerräume. 

Die zuvor vom NDR genutzten und 2019 freigewordenen Bereiche von rund 1.200 Quadratmetern Fläche flossen in die neue Planung ein und ermöglichen eine Nutzung des kompletten Hauses.

Im Raumstruktur im Inneren ist umfassend neu organisiert und modernisiert worden. Konzertsaal, Haupt- und Fördefoyer, Barbereiche, Garderoben und Nebenräume wurden funktional überarbeitet und gestalterisch neu gefasst.

Von außen

Über dem Saal ist das charakteristische Kupferdach originalgetreu erneuert worden. Das Flachdach erhielt eine effizientere Wärmedämmung und neue Entrauchungselemente, außen auf dem Dach wurden zusätzliche Strahler installiert.

Die Natursteinfassade der Fassade aus norwegischem Quarzit wurde aufgrund statischer Erfordernisse vollständig neu verankert. Insgesamt konnten rund 70 Prozent der Bestandsplatten wiederverwendet werden. Fenster und Türen wurden nach aktuellen technischen, akustischen und energetischen Standards ersetzt – in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. 

Die ursprünglichen Windfangtüren wurden demontiert und eingelagert, da die schweren Stahl-Glastüren einen barrierefreien Zugang zum Haus nicht zugelassen hätten. Die neuen Eingangstüren mit Taster im Außenbereich haben Automatik-Türantriebe für einen selbstständigen Zugang.

Von innen

Im Raumstruktur im Inneren ist umfassend neu organisiert und modernisiert worden. Konzertsaal, Haupt- und Fördefoyer, Barbereiche, Garderoben und Nebenräume wurden funktional überarbeitet und gestalterisch neu gefasst.

 

Herzstück Konzertsaal

Auf die Akustik kommt es an: Der Konzertsaal hat durch die abgehängten Akustiksegel eine bessere Akustik bekommen. Die reflektierenden Schallsegel sorgen dafür, dass sich die Musiker*innen auf der Bühne untereinander besser hören können. Gleichzeitig strukturieren die Segel die ästhetische Raumwirkung neu. Eine multifunktionale Bühnentechnik mit fahrbarer Untermaschinerie erlaubt flexible Bespielungen über unterschiedlichste Formate hinweg.

Die neuen und sehr viel wertigeren Corian-Wandverkleidungen im Saal und Foyer ersetzen die alten Resopal-Platten, behalten aber die ursprüngliche Struktur bei. Sie werden flächig mit LED hinterleuchtet, sind robust und erhöhen die akustische Steuerbarkeit. Corian ist ein Mineralwerkstoff aus natürlichen Mineralien und Acrylharz. Das Material ist ausgesprochen widerstandsfähig und haltbar.

Die unter Denkmalschutz stehenden roten Samtstühle aus den 1960er Jahren wurden restauriert, nach entsprechenden akustischen Tests zum Absorptionsverhalten aufgearbeitet und wieder in den Konzertsaal eingebaut. Insgesamt hat der Konzertsaal mit der Chorempore 1350 Plätze.

Die zur Errichtung im Saal eingebaute Orgel der Firma Kemper wurde nach dem Urteil einer Orgelkommission ausgebaut und an eine polnische Kirchengemeinde verkauft. Die Sachverständigen befanden, dass die Orgel eher einem barocken Klangbild entspräche und ein aufwändiger Umbau des Instruments nicht zum gewünschten Ergebnis führen würde, die Kosten dafür aber fast in die Nähe eines Neubaus gekommen wären.

Die Barrierefreiheit

Ein neuer Aufzug im Foyer, optimierte Parkettverläufe mit 14 barrierefreien Sitzplätzen, eine induktive Höranlage im Parkett und im Rang, ein barrierefreier Kassenbereich, Ausgangstüren mit Taster und Automatik-Türantriebe sowie barrierefreie Sanitäranlagen im Untergeschoss erweitern die Barrierefreiheit deutlich.

 

Foyer, Gastronomie, Backstage

Im Haupt- beziehungsweise Parkettfoyer wurden unnötige Einbauten komplett zurückgebaut und die Lage von Publikumsgarderoben und Gastro-Tresen neu sortiert. Der vormals im Außenbereich angebaute Personenaufzug wurde komplett zurückgebaut. Stattdessen wurde ein Aufzug im Innenbereich eingebaut, der nun alle Geschosse barrierefrei erschließt.

Der Bewirtungstresen befindet sich nun neu zentral gegenüber dem Haupteingang. Der Garderobentresen wurde geteilt und jeweils links und rechts des Parketts an die Außenwände gerückt.

Das Fördefoyer in der oberen Etage wurde komplett umgestaltet. Nun befindet sich dort die zentrale gastronomische Versorgung: die Fördebar im Konzerthaus. Der neue Caterer für das Konzerthaus ist das Kieler Hotel Birke.

Die Kristallleuchter im Foyer wurden ausgebaut, komplett überarbeitet, vom Nikotinbelag vieler nicht rauchfreier Jahre befreit und mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet. Die LED-Beleuchtung wurde dabei in einem Lichtlabor an die ursprüngliche Beleuchtung durch Glühlampen angepasst, so dass die Lichtwirkung der Kristallleuchter der Wirkung aus der Errichtungszeit weitgehend entspricht. Das gesamte Beleuchtungskonzept wurde auf energieeffiziente LED-Technik umgestellt.

Für das Orchester entstanden zeitgemäße Stimm- und Probenräume im Backstagebereich. Für die jeweiligen Stimmgruppen des Orchesters existieren jetzt insgesamt sieben Stimmzimmer. Dazu gibt es einen Chorraum sowie Garderoben für Chöre und technische Mitarbeiter*innen sowie ergänzende Büro- und Lagerflächen. Eine Vorbereitungsküche im Untergeschoss verbessert die gastronomische Infrastruktur.

Das Programm

Betreiber des Konzerthauses ist künftig das Theater Kiel. Das Konzerthaus fungiert als Heimspielstätte für das Philharmonische Orchester Kiel. Neben Klassik gehören auch Konzerte anderer Genres, Lesungen, Comedy, Familienangebote und weitere kulturelle Formate anderer Partner*innen zum Angebot.

Das Konzerthaus soll im Kern Spielstätte für klassische Konzerte sein, aber auch flexibel für Konzerte der Unterhaltungsmusik, Theater, Comedy, Ballett, Show nutzbar sein und als Stadthalle für Tagungen und Versammlungen dienen. 

Karten gibt es an den Vorverkaufskassen im Opernhaus und Schauspielhaus sowie unter 0431 901-901 und auf www.theater-kiel.de. Für einige Veranstaltungen läuft der Kartenverkauf über externe Stellen. Vor dem jeweiligen Veranstaltungsbeginn wird im Konzerthaus eine Abendkasse geöffnet.

 

Die Sanierung

Im Jahr 2018 hatte die Landeshauptstadt Kiel das denkmalgeschützte Schlossensemble erworben. Damit war die Grundlage geschaffen worden, den Konzertsaal von 1961 als zentralen Kulturbaustein der Stadt langfristig zu sichern und zugleich funktional in die Gegenwart zu führen. 

Ziele der Planung waren die Neustrukturierung der Flächen und der funktionalen Zusammenhänge im Gebäude sowie die Erneuerung der technischen Infrastruktur der Haustechnik und der bühnentechnischen Einrichtungen. Hinzu kommen die Schaffung weitestgehender Barrierefreiheit und vielfältige Energieeffizienzmaßnahmen. So sollen gegenüber früher rund 30 Prozent Heizenergie eingespart werden. 

Es wurden zudem etwa 70 Prozent der Platten der Natursteinfassade erhalten. Das denkmalgeschützte Erscheinungsbild des Gebäudes sollte entsprechend dem ursprünglichen Entwurfskonzept bewahrt und die Grundrissstruktur nur geringfügig verändert werden. Die baulichen Eingriffe konzentrieren sich gleichermaßen auf Hülle und Innenräume. 

Verantwortliche Architekt*innen sind für den Entwurf gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner aus Berlin und für die Bauausführung bbp Architekten aus Kiel.

Die Bauzeit

Im Sommer 2021 wurde die Nutzung des Konzerthauses am Schloss durch Kiel Concerts beendet. Da zu diesem Zeitpunkt noch keine Förderbescheide vorlagen, wurde ein sogenannter vorzeitiger Maßnahmenbeginn in einem begrenzten Umfang beantragt, um die Zeit bis zum Vorliegen der Förderbescheide nutzen zu können. So wurden beispielsweise die Stühle demontiert, technische Geräte entfernt und vor allem Abbrucharbeiten durchgeführt. Die Arbeiten begannen im November 2021. Es wurden insgesamt rund 2.800 Tonnen Material aus dem Gebäude ausgebaut.

Die Übergabe der Förderbescheide verzögerte sich bis Ende Februar 2023. Währenddessen konnten keine weiteren Maßnahmen ausgeschrieben werden, da sich dies ansonsten förderschädlich auf die Gesamtmaßnahme ausgewirkt hätte. Ab Februar 2023 konnte der Baubetrieb dann regulär erfolgen. Die Fertigstellung und die Eröffnung erfolgt nun im Januar 2026. Im Außenbereich verbleiben einige Restarbeiten, die bis Anfang März 2026 abgeschlossen werden.

Die Kosten

Für die Sanierung des Konzerthauses am Schloss wurde im Jahr 2025 im Zuge der Nachbewilligung von Fördermitteln eine vorläufige Kalkulation von rund 47 Millionen Euro vorgelegt. Dieser Rahmen konnte trotz herausfordernder Bedingungen in der Bauwirtschaft weitgehend eingehalten werden. Die endgültigen Kosten werden in Kürze nach abgenommener Fertigstellung der Baumaßnahme vorliegen, doch der vorläufige Kostenstand bestätigt weitgehend die damalige vorausschauende Planung. 

Knapp die Hälfte der Gesamtkosten wurden dabei durch Fördermittel von Bund (rund 11 Millionen Euro) und Land (rund 10 Millionen Euro) sowie aus privaten Spenden über den Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss (rund zwei Millionen Euro) finanziert. Mit den Fördergebern wurden die Erreichung verschiedener Nachhaltigkeitsziele wie Energieeinsparung vereinbart. Die Erfüllung war eine der Voraussetzungen für den Erhalt der Fördersummen.


Ort der Begegnung

Die Stadt und die Musik-Liebenden unserer Region brauchen einen attraktiven Ort, an dem Musik und Kultur erlebt und gelebt werden kann. Der Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die umfassende Renovierung des Konzertsaales am Kieler Schloss zu begleiten und die notwendigen Spenden dafür einzuwerben.

Er leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Finanzierung der dringend notwendigen Sanierungsarbeiten. Durch das großzügige Engagement zahlreicher Spender*innen wird die Zukunft eines wichtigen Ortes der Kultur und Begegnung in Kiel gesichert.
 

Jede Spende ist willkommen und zählt
Visualisierung: Ein Paar verlässt den Konzertsaal in Richtung abendlich erleuchteter Bar im Fördefoyer
 

Eindrücke vom Bauverlauf
Aufgearbeitete Klappsessel
Frisch aufgearbeitet: die nahezu unverwüstlichen Konzertsessel
1/8
Blick von oben in den Rohbau und Grube für die Podest-Technik
Platz für die künftigen Hub-Podeste
2/8
Bauleiter und OB Kämpfer mit Helm zwischen Gerüsten im Konzertsaal-Rohbau
Das Herzstück Konzertsaal bekommt ein neues Innenleben
3/8
Sitzreihen mit Klappbestuhlung, zwei Personen bauen Sessel ab
Bleiben erhalten und bekommen eine Auffrischung: die grundsoliden Sessel
4/8
Konzertsaal mit freigelegtem Mauerwerk, ohne Wandverkleidung und ohne Leuchten
Der Kern
5/8
Baupläne an einer Wand im Gang
6/8
Viele Heizungsleitungen und Ventile
7/8
Schalttafel mit alten Steuerelementen
Hat es lange genug getan: die alte Technik
8/8
 
 

Förderung

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages