Bodenuntersuchung & -sanierung

Aktuell: Schadstoff-Funde auf dem Gelände der Hebbelschule – Sanierung in den Sommerferien lässt Schulbetrieb ohne Bedenken zu

Das Grundstück, auf dem sich die heutige Hebbelschule befindet, war bis zum Ende des 2. Weltkrieges ein überwiegend unbebautes, sumpfiges Gelände. Die Folgen der Kriegshandlungen sind auf den Luftbildern aus dem Jahr 1945 in Form von zahlreichen Bombentrichtern erkennbar. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gelände um 3 - 5 Meter mit Trümmerschutt aufgefüllt. Trotz der ungünstigen Baugrundverhältnisse wurde dort von 1956-1958 das heute denkmalgeschützte Schulgebäude errichtet.

Beim Neubau eines Klassentraktes ist man 2018 auf mit Schadstoffen durchsetzte Auffüllungen gestoßen. Es handelt sich möglicherweise um teerhaltige Gaswerksrückstände, die dort in einem der Bombentrichter abgelagert wurden.

Der Neubau des Klassentraktes ist gemeinsam mit dem Bau der Mensa und einer neuen Turnhalle die erste größere Baumaßnahme seit 1958 auf dem Gelände. Da es sich bei der Fläche weder um einen Altstandort (ehemalige Produktionsstätte) noch um eine bekannte Altablagerung (Müllkippe) handelt, war sie bislang nicht im städtischen Boden- und Altlastenkataster erfasst.

 

Oberboden-Untersuchungen auf 27 weiteren Teilflächen

Dieser Fund war aber Anlass dafür, nicht nur den Boden in diesem verfüllten Bombentrichter aufwändig und unter gutachterlicher Aufsicht zu sanieren, sondern auch den Oberboden auf dem gesamten Schulgelände zu beproben. 

Im Mai und Juni 2019 sind auf allen Flächen, auf denen sich Menschen schwerpunktmäßig aufhalten, 27 weitere Proben genommen worden (darunter Schul-Innenhöfe, Schulhof und Schulgarten, Sportplatz, Laufbahn, Zuwegung, Wege, Flächen um den Teich). Zusätzlich wurden Proben aus dem Teich und aus dem Drainagewasser gezogen.
 

Luftbild von 1945
Luftbild von 1945, heutige Daten unterlegt - Bild: NARA / Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH

Messwerte & Einschätzung

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind in sämtlichen Umweltmedien (hauptsächlich in der Luft, insbesondere im städtischen Raum) sowie in Gebrauchsgegenständen (zum Beispiel Gummiprodukten) vorhanden und werden auch über die Nahrung (zum Beispiel Grillgut) aufgenommen. In Kiel existiert zudem durch die Bombardierungen und Brände im 2. Weltkrieg eine gegenüber dem ländlichen Raum deutlich erhöhte Hintergrundbelastung der Böden mit PAK.

Der Vorsorgewert für PAK16 (10 mg/kg) laut Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung wurde im Oberboden von 11 der 27 Teilflächen überschritten. Der minimale Gehalt liegt bei 0, der maximale Gehalt bei 69,92 mg/kg, der Mittelwert bei 11,79 mg/kg. Der Prüfwert für Benzo[a]pyren (1,0 mg/kg für den Pfad-Boden-Mensch in Wohngebieten) als Leit- beziehungsweise Bezugssubstanz für die toxikologische Wirkung des gesamten PAK-Gemisches wurde ebenfalls bei 11 Teilflächen überschritten (minimal 0 und maximal 3,3 mg/kg; Mittelwert: 1,01 mg/kg). Auf der Laufbahn des Sportplatzes wurde ein erhöhter Bleiwert festgestellt.

Mehr zu den Werten finden Sie in der offiziellen Stellungnahme der Stadt.
 

Bei einer Prüfwertüberschreitung folgt in der Regel eine einzelfallbezogene Prüfung, um festzustellen, ob eine schädliche Bodenveränderung oder Altlast vorliegt. Eine unmittelbare Gefährdung der menschlichen Gesundheit lässt sich hieraus noch nicht ableiten. Im Bereich der Hebbelschule liegt nur eine moderate Überschreitung der Prüfwerte im Oberboden vor, und der Kontakt zum Boden war und ist durch die überwiegend vorhandene Vegetation, die großflächige Versiegelung (Gebäude, gepflasterte Wege, asphaltierter Schulhof) sowie die Art der Nutzung stark eingeschränkt.

Insgesamt ist unter Berücksichtigung der Untersuchungsergebnisse nur von einer geringen zusätzlichen Exposition gegenüber PAK und damit verbunden nur von einem geringen zusätzlichen Risiko der im Bereich der Hebbelschule arbeitenden, lernenden und spielenden Personen, im Vergleich zum übrigen Kieler Stadtgebiet auszugehen. Trotzdem rechtfertigen die Datenlage und die Eigenschaften dieser Stoffgruppe Maßnahmen zur Minimierung.

Eine kurzzeitige Nutzung der Laufbahn für Sprints ist trotz der geringfügigen Prüfwertüberschreitung für Blei ohne gesundheitliche Bedenken möglich. Eine Sanierung ist 2020 geplant.


Bohrstock mit Bodenprobe

Mit solchen Bohrstöcken sind im Bereich der Hebbelschule 403 Oberbodenproben entnommen worden. Jeweils 13-15 dieser Proben von einer Fläche wurden zu einer Mischprobe zusammengeführt und im Labor untersucht.

Was ist bereits geschehen und was sind die nächsten Schritte?

Die Stadt hat sich mit dem Landesamt für soziale Dienste Schleswig-Holstein, Dezernat Umweltbezogener Gesundheitsschutz, und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Abteilung Geologie und Boden abgestimmt. 

Die Untersuchungsergebnisse und die in den Sommerferien 2019 ausgeführten Sanierungs- und Schutzmaßnahmen lassen die Aufnahme des Schulbetriebs nach dem jetzigen Kenntnisstand ohne Bedenken zu.

Das sind die Maßnahmen im Einzelnen:

  • Der Boden im Bereich der Neubauten ist bereits 2018 saniert worden.
  • An den weiteren auf dem Gelände gefundenen Stellen mit erhöhten PAK-Gehalten sind die Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen im Juli 2019 abgeschlossen worden. Teilweise wurde der Boden ausgetauscht, eine Grasnarbe wurde hergestellt. Einige Flächen sind vorläufig mit Vlies und Holzhackschnitzeln abgedeckt worden. In der Vegetationspause folgt dort dann die abschließende Sanierung mit Bodenaustausch und anschließender Neubepflanzung.
  • Die gärtnerische Nutzung des Geländes wird in Absprache mit der Schulleitung eingeschränkt. Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, obwohl die Prüfwerte unterschritten sind. Für den Biologieunterricht werden neue Hochbeete angelegt.
  • Im Umfeld des neu errichteten Klassentraktes wird nach dem Abschluss der Baumaßnahme unbelasteter Mutterboden aufgebracht und bepflanzt.
  • Der Bodenbelag der Laufbahn wird im Zuge der Umgestaltung des Sportplatzes saniert.
  • Generell werden Eingriffe in den Boden minimiert. Bei unvermeidbaren Erdarbeiten sind erweiterte Schutzmaßnahmen zu beachten. 

Zusätzlich zum bereits untersuchten und bewerteten Pfad Boden-Mensch wird derzeit im Umweltschutzamt eine orientierende Untersuchung des gesamten Schulgrundstücks geplant. Dabei sollen unter anderem durch gezielte Beprobung der verfüllten Bombentrichter auch der tiefere Untergrund sowie das Grundwasser und die Bodenluft untersucht werden.

Für diese Maßnahme hat das MELUND bereits Fördergelder in Aussicht gestellt. Die Arbeiten sollen möglichst noch 2019 beginnen und Anfang 2020 abgeschlossen sein. 


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