Nachhaltiges Kiel

Geschlechtergerechtigkeit

Eine nachhaltige Entwicklung kann nur erreicht werden, wenn die Gleichberechtigung der Geschlechter vorangebracht und Mädchen- und Frauenrechte weltweit durchgesetzt werden.

Geschlechtergerechtigkeit ist in der Agenda 2030 sowohl ein Querschnittsthema als auch ein eigenes SDG. Das SDG 5 zielt darauf, alle Formen der Diskriminierung gegen Frauen und Mädchen zu beenden.

Dabei wird auch ausdrücklich Bezug genommen auf Gewalt gegen Mädchen und Frauen, ihre Rolle innerhalb der Familien, das Thema unbezahlte Pflege- und Hausarbeit, die Beteiligung an der Entscheidungsfindung auf allen Ebenen – privat und öffentlich – sowie der Zugang zu sexueller und reproduktiven Gesundheitsdienstleistungen und reproduktiven Rechten.

In Deutschland sind wir noch lange nicht am Ziel

Auch wenn in den vergangen Jahrzehnten einiges Positives erreicht wurde, werden Mädchen und Frauen auch in Deutschland strukturell weiter benachteiligt: So haben etwa 25 Prozent der Frauen in Deutschland im Alter von 16 bis 85 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch Beziehungspartner und -partnerinnen erlebt.

Im internationalen Vergleich sticht Deutschland vor allem durch den hohen Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen hervor, der seit 2002 zwischen 21 und 23 Prozent liegt und auf 13 Männer in den Vorständen deutscher börsennotierter Unternehmen kommt gerade mal eine Frau.

In einigen Ländern des globalen Südens sind auch schädliche Praktiken wie Kinderheirat und Genitalverstümmelung noch an der Tagesordnung, so wurden beispielsweise beinahe die Hälfte aller heute 20 bis 24 Jahre alten Frauen in Südasien und Subsahara-Afrika verheiratet, bevor sie 18 Jahre alt waren. 

Geschlechtergerechtigkeit in Kiel

Auch in Kiel ist Geschlechtergerechtigkeit ein wichtiges Thema. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Stadt Kiel arbeitet hier eng mit zivilgesellschaftlichen Initiativen und Organisationen zusammen. Eine große Herausforderung stellt das Thema Gewalt gegen Frauen dar.

Viele Frauen und Mädchen mit Fluchthintergrund haben Gewalt erfahren müssen. Wie kann ihnen geholfen werden? Verschiedene Kieler Organsationen haben mit Hilfe der Expertise von Frauenfachreinrichtungen ein Grewaltschutzkonzept für den Schutz weiblicher Geflüchteter innerhalb von Gemeinschaftsunterkünften entwickelt, das seit Mai 2016 Anwendung findet.

Auch das Frauenhaus in Kiel muss erweitert werden, denn die Nachfrage schutzsuchender Frauen und Kinder nach vorübergehenden Plätzen im Frauenhaus ist höher als das Angebot. Die Gleichstellungsbeauftragte stellt daher in ihrem Bericht von 2016 die grundsätzliche Frage, wie dem Thema Gewalt gegen Frauen in Kiel nachhaltig begegnet werden kann.

Alleinerziehende besonders gefährdet

Wichtig ist es, Alleinerziehende - meist Frauen – massiv zu unterstützen, denn sie sind im Alltag großen Belastungen ausgesetzt und sind eine besonders armutsgefährdete Gruppe. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit in diesem Personenkreis ist besonders hoch und in den vergangenen Jahren in Kiel von 44 Prozent (2012) auf 51,6 Prozent (2016) gestiegen.

Das Forum Alleinerziehende, ein Netzwerk zahlreicher Kieler Fachberatungsstellen und städtischer Ämter unter Geschäftsführung des Referates für Gleichstellung, setzt sich in Kiel für die Belange Alleinerziehender ein.

Die Verwaltung als Vorbild

Beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie möchte die Landeshauptstadt Kiel als familienfreundliche Arbeitgeberin mit gutem Vorbild vorangehen. Aber auch hier gilt, dass nicht alles, was bereits auf dem Papier steht, auch schon in den Köpfen der Menschen angekommen ist: So muss zum Beispiel die Akzeptanz für Teilzeit und Telearbeit gerade bei Führungspositionen in der Verwaltung noch wachsen.

Auch eine geschlechtergerechte Sprache wird noch nicht konsequent in Berichten und Veröffentlichungen der Stadt angewandt. Zudem sind Frauen in Führungs- und gehobenen Fachpositionen in der Verwaltung noch unterrepräsentiert.

Beim von der Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführten Genderranking deutscher Großstädte 2017 nimmt Kiel mit Platz 19 eine Position im ersten Drittel ein. Zwei der fünf Kieler Dezernate, das Baudezernat und das Bildungsdezernat, werden von Frauen geleitet und der Frauenanteil in der Ratsversammlung beträgt 32,08 Prozent.


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