Nachhaltiges Kiel

Leben an Land

Das SDG 15 zielt darauf ab, diese lebenswichtigen Landökosysteme zu erhalten, zu schützen und nachhaltig zu nutzen. Es geht hier vor allem darum, dem Verlust der Bodenfruchtbarkeit, der Entwaldung und der Wüstenbildung entgegen zu wirken und die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten zu bewahren.

Funktionierende Ökosysteme – unter anderem fruchtbare Böden, Seen, Moore und Wälder - mit ihrer natürlichen Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten sind unverzichtbar für unsere menschliche Existenz. Sie sind die Grundlage für unsere Ernährung, sie sorgen für saubere Luft und sauberes Trinkwasser und liefern wichtige Rohstoffe. Zudem gleichen sie Temperaturen aus und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie CO2 binden.

Wälder sind besonders gefährdet

Ein große Thema vor diesem Hintergrund ist die Zerstörung der Wälder, die nicht nur massiv zum Klimawandel beiträgt, sondern auch das Artensterben vorantreibt, da die natürlichen Lebensräume für Tiere und Pflanzen zerstört werden. Die deutsche Bevölkerung ist vor allem durch ihre Konsum- und Produktionsweise mitverantwortlich für die globale Waldzerstörung. Immer mehr Menschen wollen möglichst billig Fleisch essen. Für den Anbau der Futtermittel für die Tiere werden große Flächen Wald gerodet.

Auch die Nachfrage nach Bau- und Energieholz sowie nach Papier wächst. Beim Papierverbrauch belegt Deutschland sogar einen traurigen Spitzenplatz: durchschnittlich 249 Kilogramm Papier pro Kopf verbrauchen wir jährlich. Zum Vergleich: der Weltdurchschnitt beträgt 55 Kilogramm.

In Deutschland werden jeden Tag 100 Fußballfelder zubetoniert

Ein großer Interessenskonflikt besteht bei der Versiegelung der Flächen. Dies gilt auch für Kiel als eine mit Blick auf die Wirtschaftskraft und Einwohnerzahl wachsende Stadt: Unternehmen benötigen Gewerbegebiete, Einwohnerinnen und Einwohner Wohnraum, Touristinnen und Touristen Hotels und alle gemeinsam eine gute Verkehrsinfrastruktur.

Pro Tag werden in Deutschland 66 Hektar Naturflächen zubetoniert. Das sind etwa 100 Fußballfelder – jeden einzelnen Tag! Auch in Kiel steigt der Druck auf den mittlerweile rund 100 Jahre alten historischen Kieler Grüngürtel.

Kieler Umweltschutzamt und untere Naturschutzbehörde als wichtige Akteure

Mit Blick auf das SDG 15 sind in Kiel vor allem das Umweltschutzamt und die untere Naturschutzbehörde wichtige Akteure. Es geht darum, Eingriffe in die Natur und Landschaft möglichst zu vermeiden oder zu verringern und die Umwelt zu schützen. Diese Ziele finden sich im Kieler Landschaftsplan wieder, der wiederum in die Bauleitplanung und in den Flächenplan übernommen wird.

Wird durch Baumaßnahmen in Natur und Landschaft eingegriffen, müssen Ausgleichszahlungen geleistet werden, damit an anderer Stelle der Naturschutz- und Landschaftsschutz vorangebracht werden kann. Das Umweltschutzamt setzt diese Gelder für Flächenankäufe und umfangreiche Naturschutzmaßnahmen im Kieler Stadtgebiet ein. Damit fördert es die Biodiversität in der Stadt und schafft durch Naherholungsgebiete mehr Lebensqualität für die Kieler Bevölkerung.

Freiräumliches Leitbild gemeinsam mit Nachbarkommunen

Von Bedeutung ist auch das Freiräumliche Leitbild, das die interkommunale Arbeitsgemeinschaft Kiel und Umland gemeinsam erarbeitet hat und das für Kiel und 35 Nachbargemeinden gilt. Dieses ist sozusagen die bildliche Darstellung eines grünen Grundgerüsts, an dem sich die städtebauliche Entwicklung orientieren soll, das heißt die dargestellten Flächen sollen grundsätzlich von Bebauung frei gehalten werden.

Weide-, Moor- und Wasserlandschaften

Beispiele sind unter anderem die in Kiel-Rönne Mitte der neunziger Jahre gestarteten Weidelandschaften, die inzwischen 90 Hektar umfassen oder die Wiedervernässung des Alten Moorsees im Kieler Süden. In Schilksee werden seit dem Jahr 2005 die Seekamper Seewiesen nach und nach angestaut und bieten einen wichtigen Lebensraum für alle möglichen Wasservögel, die hier aus unmittelbarer Nähe beobachtet werden können.

Stadtgrün und Wald

Zudem gibt es in Kiel fünf Tiergehege, mehr als 100 Kilometer Wanderwege, etwa 75 000 Bäume, verschiedene Gewässer sowie eine Vielzahl an Grünanlagen, Parks und Friedhöfen, für deren Pflege und Gestaltung das Grünflächenamt zuständig ist.

 Etwas über 10 Prozent der Stadtfläche Kiels sind Wald - allerdings nicht zusammenhängend, sondern verteilt auf unterschiedlich große Areale wie unter anderem das Düsternbroker, Viehburger oder Hasseldieksdammer Gehölz.

Dabei setzt die Stadt ein naturnahes Waldkonzept um zum Schutz und zur Wiederbelebung des Ökosystems Wald. Ziel ist es, den Wald im Kieler Stadtgebiet als Lebensraum für anderenorts selten gewordenen Pflanzen und Tiere attraktiv zu machen. Bereits jetzt bietet er Rückzugorte für große Säugetiere wie Hirsche und Wildschweine und auch der besonders unter Schutz stehende Uhu wurde hier schon beobachtet.

Auch die Zertifizierung des Kieler Stadtwaldes nach dem deutschen Standard des „International Forest Stewardship Council (FSC)“ sowie nach „Naturland Standard“ ist beschlossen worden. Von Seiten der Kieler Zivilgesellschaft kommt allerdings Kritik, dass die Naturwaldflächen des Kieler Stadtwaldes noch bei weitem nicht ausreichen.

Bienenfreundliche Blütenpflanzen

Ein wichtiges Projekt, das zum Erhalt der Artenvielfalt im Stadtgebiet beiträgt, ist der Kieler Aktionsplan Bienenschutz, der dem Aussterben zahlreicher Wildbienenarten in Schleswig-Holstein entgegen wirken soll. Hierfür werden „Buntflächen“ angelegt, die Bienen und anderen Insekten reichlich Nahrung bieten.

Zudem wird bereits seit über 30 Jahren bei der Pflege der städtischen Grün- und Freiflächen darauf verzichtet, Herbizide – also Unkrautbekämpfungsmittel - einzusetzen. In 2010 ist Kiel dem Bündnis „Biologische Vielfalt in Kommunen“ beigetreten, das sich eine möglichst naturnahe Pflege der Flächen zum Ziel setzt.

Umweltschutz für große und kleine Kieler*innen

Auch die Öffentlichkeitsarbeit spielt beim SDG 15 eine wichtige Rolle. Die Kieler Umweltberatung ist legendär, seit 30 Jahren bietet sie niedrigschwellige Beratungs- und Präventionsangebote.

Zudem bietet der Naturerlebnisraum „Alte Stadtgärtnerei Kollhorst“ ein vielfältiges umweltpädagogisches Veranstaltungsprogramm an, das von Apfelsaftpressen über die Herstellung von Naturkosmetik bis zu Keschern in Kleingewässern und zur Honigproduktion reicht.

Damit wird auch schon den ganz jungen Kieler*innen die große Bedeutung von Natur- und Biodiversitätsschutz nahegebracht.


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