Nachhaltiges Kiel

Energie-Pioniere in Kiel

Der Zugang zu sauberer Energie (SDG 7) ist eine Grundbedingung für eine nachhaltige Entwicklung. Städte und Kommunen müssen dahingehend aktiv werden. Kiel ist Vorreiter in Sachen Energieeffizienz und moderner Energieversorgung.

Warum ist die Stadt zuständig?

Nach Schätzungen der Weltbank leben derzeit noch etwa eine Milliarde Menschen auf der Welt ohne Zugang zu Elektrizität. Unter Berücksichtigung der wachsenden Weltbevölkerung wird die Zahl der Menschen, die bis 2030 Zugang zu Energie benötigen, auf 2,5 Milliarden heranwachsen.

Die zentrale globale Herausforderung besteht also darin, diesen Menschen den Zugang zu einer bezahlbaren und verlässlichen Stromversorgung zu ermöglichen, ohne den globalen CO2-Ausstoß durch die Verfeuerung von Kohle, Gas und Erdöl weiter zu steigern.

Um das zu erreichen, müssen hochentwickelte Industrienationen ihren Verbrauch drastisch einschränken. Und entschlossen und mutig neue Wege aufzeigen, wie es besser gehen kann. Kiel ist im Vergleich zu anderen bundesdeutschen Städten Vorreiter in Sachen Energieeffizienz und Energieversorgung - mit dem Masterplan 100 % Klimaschutz und dem Green City Plan haben wir uns viel vorgenommen.

 

Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Kiel
Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Kiel - Foto: LH Kiel, Barbara Westendorf

Das tut die Stadt – Mobilität schrittweise umstellen

Im Kontext moderner und sauberer Energien spielt das Thema Mobilität eine große Rolle: In der Hafenstadt Kiel geht es naturgemäß nicht nur um den Straßen- und Schienenverkehr, sondern auch um den Binnen- und Seeschifffahrtsverkehr.

Um der Umweltbelastung durch die Dieselmotoren der Kreuzfahrtschiffe zu begegnen, wurde am 9.Mai 2019 Kiels erste Landstromanlage eingeweiht. Diese soll es zunächst drei Reedereien (Tui Cruise, Aida Cruise und Color Line) ermöglichen, die Nutzung ihrer Dieselmotoren während der Liegezeit weitgehend einzustellen, so dass insgesamt 2.400 Tonnen CO2 (entspricht dem Ausstoß von 1.360 Pkws) eingespart werden können.

Weitere Landstromanlagen sind bereits in Planung: Ab 2020 soll eine kombinierte Riesenanlage auf dem Schweden- und Ostseekai insgesamt drei Liegeplätze mit Strom beliefern, von denen zwei sogar gleichzeitig versorgt werden sollen.

Bei dem Energieträger der 16 Megavoltampere-starken Anlagen handelt es sich übrigens um zertifizierten Ökostrom. Das heißt, dass ein Teil der eingenommenen Gebühren in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert wird. Oslo-Fähren können bereits ab jetzt (Stand: Mai 2019) den Landstrom nutzen. Ungewiss ist indes, wann eine Entscheidung auf Bundesebene zum möglichen Wegfall der EEG-Umlage fällt.

Auch beim öffentlichen Nahverkehr der Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) sowie beim kommunalen Fuhrpark der Stadt wird schrittweise auf emissionsärmere Antriebe umgestellt: Im Dezember 2018 ist die Anzahl der weißen Hybridbusse um 19 auf insgesamt 30 Busse angestiegen. Mit Hilfe von Fördermitteln des Bundes sollen nun im nächsten Schritt ab Juni 2020 die ersten vollelektrisierten E-Busse in Kiel fahren: Bis 2021 ist geplant, dass insgesamt 36 E-Busse auf der Straße sind.

Die Förderung alternativer Antriebe im Kieler Verkehrssystem ist auch im Masterplan Mobilität und dem Green City Plan verankert, die ebenso wie der Masterplan 100% Klimaschutz nachhaltige Mobilität in den Vordergrund stellen.

Umsteiger
Der Umsteiger in Kiel - Foto: LH Kiel, Stefan Smal

Das haben wir davon – Energie sparen zu Hause

Bereits seit 2009 nimmt Kiel am europäischen Qualitätsmanagement und Zertifizierungsverfahren European Energy Award (eea) teil, mit dem die Energie- und Klimaschutzaktivitäten von Kommunen erfasst, bewertet und überprüft werden.

Im Jahr 2014 und im Jahr 2018 erhielt Kiel die Gold-Zertifizierung und gilt damit als vorbildlich im Klimaschutz.

Zu den relevanten Maßnahmen zählen unter anderem, dass bei städtischen Bau- und Sanierungsarbeiten die sogenannten InBA®-Standards angewandt werden. Diese hohen Energiestandards sollen auch in privatrechtlichen Verträgen mit Bauinvestoren berücksichtigt werden.

Entsprechend geht es darum, in einzelnen Quartieren nicht nur bezahlbaren, sondern auch umweltfreundlichen Wohnraum zu schaffen: Mit Klimagaarden stellte Kiel 2014 das landesweit erste Energiequartier fertig. Inzwischen gibt es drei weitere Energiequartiere (Elmschenhagen-Süd, Olympiazentrum Schilksee und Postillonweg).

Gefördert durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) arbeiten hier verschiedene Stadtteilakteure zusammen, um Heizungsanlagen zu erneuern, Dämmmaßnahmen durchzuführen oder Photovoltaikanlagen auf Dächern zu installieren. Auch dies sind wichtige Bausteine für mehr Energieeffizienz und einen geringeren Ausstoß klimaschädlicher Gase.

Kiel zeigt Ehrgeiz – unsere Klimaziele

Im Ausbau erneuerbarer Energien wie zum Beispiel Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft steckt großes Potential, um für die Umwelt und das Klima schädliche Emissionen zu senken.

In Deutschland stieg der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch zwischen 1990 und 2015 von zwei auf knapp 15 Prozent.

Damit belegt Deutschland aber noch lange keinen Spitzenplatz: Der Anteil von erneuerbaren Energien liegt in Schweden beispielsweise bei über 50 Prozent oder in Österreich bei über 30 Prozent. 

Die Bundesregierung sieht im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie vor, den Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch bis 2020 auf 18 Prozent, bis 2030 auf 30 Prozent und bis 2050 auf 60 Prozent zu steigern.

Masterplan 100 % Klimaschutz

Im Rahmen des Masterplans 100 % Klimaschutz hat Kiel sich das Ziel gesetzt, den Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um mindestens 95 Prozent zu reduzieren und den Energieverbrauch zu halbieren.

Eine Vielzahl an Handlungsfeldern ist damit verbunden: von Wohnen und Gewerbe über Mobilität bis hin zur Energieversorgung. In diesen Handlungsfeldern muss die Stadt Maßnahmen einleiten oder weiterführen, um ihre Klimaschutzziele zu erreichen.
Einen entscheidenden Beitrag dazu könnte das neue Kieler Küstenkraftwerk K.I.E.L. leisten, das im Jahr 2019 den Betrieb aufnehmen soll.

Durch die Nutzung von Erdgas anstelle von Steinkohle wird es möglich, die Treibhausgase in der lokalen Strom- und Wärmeerzeugung deutlich zu senken. Somit wird das klimaschonende Angebot des kommunalen Energieversorgers weiter erweitert. 


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Kontakt

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Leiterin des Büros des Stadtpräsidenten

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Koordinatorin kommunale Entwicklungspolitik

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