Boden pflegen

Der Boden ist die Quelle für alles, was wächst. Er ist Nahrung für widerstandsfähige und gesunde Pflanzen. Den Rohstoff für guten Boden liefert der Garten selbst.

Gröberer Humusboden mit etwas Laub
Foto: Permakulturzentrum Kiel e.V.

 


Humus

Guter Boden ist lebendiger Boden. Er ist besiedelt von Mikroorganismen, Kleinst- und Kleinlebewesen. Die bewirken, dass er krümelig und nährstoffreich ist. Um solchen Boden zu erhalten, brauchen wir einfach nur Regenwurm und Co. zu füttern! Dabei bildet sich die wichtige Humusschicht.

Als "Regenwurmfutter" dient Pflanzenmaterial wie organische Gartenabfälle (Pflanzen, Grünschnitt, Laub, Stängeln, Äste, Holz, Grasschnitt, Heu). Je nach Boden können sie mit Gesteinsmehl und Hornspänen ergänzt werden.


Organisches Material eignet sich als Dünger, weil es

  • die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen versorgt
  • die Bodenvitalität und Bodenstruktur verbessert
  • langfristig Pflanzenkrankheiten vorbeugt
  • nichts kostet
  • der Boden nur minimal bearbeitet werden muss und sogar sollte, damit Prozesse nicht gestört werden.

 

 

Humus aufbauen mit



Kompost

Sammeln Sie Grünabfälle, die sich nicht mal eben zwischen den Pflanzen verteilen lassen. In freien oder "gerahmten" Komposthaufen verwandeln sie sich in Komposterde, die Sie anschließend auf den Beeten ausgetragen können.

Sortieren Sie Ihre Grünabfälle. Je nach Platz in

  • Feinschnitt (weicher Grünschnitt von Möhren, Kohl, Kräutern, Blätter, Brennnesselstängeln, Blumen, Laub, ungekochte Küchenabfälle wie Obst, Gemüse, Salat),
  • Grobschnitt (holzige Stängel zum Beispiel. von Staudensonnenblumen, dünne Äste und Zweige) und
  • Holzschnitt (Äste, Wurzeln), die wahrscheinlich noch gesägt werden.

 

Für eine zügige und gelingende Kompostierung ist eine Schichtung der Grünabfälle (aus unserer Sammlung) wichtig sowie die Ergänzung mit Gesteinsmehl und effektiven Mikroorganismen (EM).

Dann wird der Prozess für drei oder mehr Monate in Ruhe gelassen. In dieser Zeit ist es gut darauf zu achten, dass die Abdeckung (Grassoden, Laub, Heckenschnitt, ..) immer wieder kontrolliert und nachgelegt wird.

Schichten Sie den Komposthaufen gern frei im Garten auf. Dafür braucht man ein wenig Platz im Halbschatten.

  1. Die Basis des Komposthaufens bildet grob aufgeschichtetes holziges Material. Die Freiräume und Lücken zwischen den Ästen und Wurzeln sorgen dafür, dass sich kein Stauwasser sammelt und feinste Partikel nicht zu einer undurchlässigen Schicht schwämmen.
  2. Schicht 2: grobes Material. Es kompostiert besser, wenn Zweige oder Stängel auf cirka 20 Zentimeter (gute Handlänge) gebrochen oder geschnitten werden.
  3. Schicht 3: Feinschnitt aus Obstabfällen, Wurzelgrün, Rasenschnitt, Blumen, Blättern.
  4. Gesteinsmehl und – wenn möglich – Effektive Mikroorganismen.
  5. Die Schritte 2 bis 4 solange wiederholen, bis der Kompost hoch genug aufgeschichtet ist. 
  6. Den Abschluss bildet eine feste Decke aus aus Heu, Stroh, Laub, Rasensoden. Sie ist wichtig für die Stabilität des Komposthaufens; sie schützt gegen Wind, kräftigen Regen, Vögel, Mäuse und unterstützt auch Stabilität der Temperatur im Inneren von cirka 50 Grad.

Ein Kompost dieser Art - wenn er im Oktober / November aufgeschichtet wird – ist zur neuen Saison im März / April einsetzbar. Das heißt, er kann je nach Bedarf der Pflanzen gemischt oder pur auf den Beeten und in Pflanzlöchern verteilt werden.

Sollte sehr viel Grobschnitt und Holz im Kompost enthalten sein, empfiehlt es sich, ihm länger Zeit für den Kompostierungsvorgang zu geben.

Und für den Fall, dass ein Garten jedes Jahr ordentlich Hecken- und Baumschnitt abwirft, gibt es weitere schöne Möglichkeiten, diesen zu verwenden: als "lebendige" Totholzhecke, als Pflanzenkohle für Kompost, für Hoch- und Hügelbeete als Grundstock für nährstoffreiche Jahresbeete.



Aquarellzeichnung mit Legende

 

Noch mehr Kompost-Tipps


Es gibt viele Möglichkeiten, die Gartenabfälle platzsparend und sortiert in Form zu bringen: Holzlatten im Stecksystem, Europaletten, enges Drahtgeflecht oder Kunststoffboxen aus dem Baumarkt bieten sich an.

Wie viele Kompostbehälter benötigt man für die beschriebene Form der Humusbildung aus Gartenabfällen bis zur neuen nährstoffreichen Erde?

Optimal sind 3 bis 5:

  • ein Kompostbehälter, aus dem man sich direkt bedienen kann (er ist in der Regel sehr schnell aufgebraucht!),
  • den zweiten, der gerade geschlossen ist und seine Kompostierungsarbeit leistet,
  • den dritten zum Sammeln von täglich anfallendem Feinschnitt,
  • den vierten für Grobschnitt und
  • den fünften für grobes holziges und wurzeliges Zeug – wenn kein schattiges Plätzchen im Garten zur Verfügung steht.

Eine Lösung für kleine Gärten, Balkon und Dachterrassen ist die Wurmkiste. Grünabfälle aus den pflanzlichen Überresten kommen in eine "Kiste" und werden von Regenwürmern zu Kompost verwandelt.

Die Kiste besteht aus drei Etagen: die oberste enthält das Kompostmaterial, in der mittleren leben die arbeitenden Würmer und in der unteren werden der fertige Kompost und Flüssigkeit geerntet.

Wenn man es richtig macht, entsteht kein unangenehmer Geruch.

Wurmkisten kann man kaufen oder auch selbst herstellen. Anleitungen finden Sie im Internet.

Bokaschi – der Begriff kommt aus dem Japanischen und beschreibt die schrittweise Umsetzung von allerlei Gemüse- und Obstabfällen aus der Küche als geschlossenen Fermentierungsprozess (wie bei Sauerkraut).

Einfache Variante: Küchenbokashi

Man nehme einen Plastikbehälter mit einem Volumen von etwa 10 Litern, der luftdicht geschlossen werden kann. Sammeln Sie klein geschnittene Grünabfälle in der Küche darin. Nach jeder Befüllung den Deckel verschließen. Zum Abschluss die Masse gut pressen und mit einem Glas (150-200 ml) Effektiver Mikroorganismen begießen.

Den Deckel luftdicht schließen und an einem Ort bei etwa 20 Grad für 3 bis 4 Wochen fermentieren lassen. Die Masse anschließend in einen Komposthaufen einarbeiten oder gut mit Erde vermischt als Dünger verteilen.

Im ersten Moment ist die Masse sehr unappetitlich. Sie verwandelt sich dann aber sehr schnell im Kontakt mit Kompost oder Erde!




Mulch

Die einfachste Methode, lebendige Erde dauerhaft zu kultivieren, ist die Abdeckung mit Mulch.

Zwischen den Pflanzen wird eine Decke von bis etwa 10 cm Dicke Pflanzenmaterial um bereits wachsende Planzen ausgelegt. Dabei handelt es sich um frisches Grünzeug wie Rasenschnitt, Wurzelgrün, Klee, Salatblätter, Grünschnitt (noch nicht in Saat geschossen, klein gerupft) und vieles mehr.

Die Blätter von Bäumen eignen sich gut als Winterschutz für Beete und frostempfindliche Pflanzen.

Dazu werden Nährstoffe in den Boden eingetragen, wenn sie auf der Fläche kompostieren. Zu beachten ist, dass zum Beispiel Eichenblätter nicht innerhalb eines Jahres kompostieren und Walnussblätter einen Wuchshemmstoff freisetzen.

Laubhaufen im Garten werden gern als Überwinterungsquartier von Igeln und Insekten genutzt. Ist ausreichend Lebensraum für Tiere im Garten geschaffen, so erweisen sie sich als wirksame Fressfeinde gegen Schädlinge wie Schnecken und Blattläuse.

Lebensräume

Rückschnitt von Stauden oder ungewünschten Wildkräuter aus den Beeten können Sie an einem schattigen Ort im Garten lagern, in Hügelform oder mit Rahmen.

Wird es nach einem Jahr nicht verbraucht, so muss es mindestens einmal gewendet werden, um Fäulnis zu vorzubeugen.

Krautige Abfälle können auch als Flächenkompost auf Beetflächen ausgebracht werden, oder zur Befüllung von Hochbeeten genutzt werden, um ein Nachdüngen überflüssig zu machen.

Ziel des Mulchens ist es, dass der Boden nie nackt ist, da er dann durch Sonne, Regen und Wind geschädigt werden kann.

Nach dem Ernten oder beim Umgestalten der Beete liegt der Boden quasi brach und wartet auf eine neue Einsaat. Dann ist es empfehlenswert, eine geschlossene, dicke Decke aus Gras, Heu, Blättern oder Stroh auszulegen. Für die Pflanzlöcher können Sie kleine Flächen (Kreise, Reihen) freiräumen. Der Boden ist dann locker und kann ohne Probleme bestellt werden.

Der Boden ist dann locker und kann ohne Probleme bearbeitet werden. 

 

Boden mit Laub und Holzspänen



Gründünger

Der gärtnerisch genutzte Boden benötigt nach der Humuszehrung durch Gemüse einen Ausgleich. Neben Kompost, Mulch, Jauchegaben und Pflanzenvergesellschaftung ist Gründüngung eine weitere erfolgreiche Möglichkeit, den Boden zu „nähren“.

Bei der Gründüngung handelt es sich um die Aussaat von bestimmten Pflanzen, die Nährstoffe im Boden anreichern. Insbesondere geht es um Stickstoffsammler wie Lupinen, Ackerbohnen, Erbsen, Wicken, Kleearten, Espersette, Phacelia, Ringelblume, Spinat und Senf.

Mit Hilfe sogenannter Knöllchenbakterien sammeln diese Pflanzen Luftstickstoff und lösen Mineralien. Sie beschleunigen so den Abbau von Pflanzenresten und damit die Bildung von Humus.


Gründüngung dient drei unterschiedlichen Zwecken:

  • Durchwurzelung und Lockerung mit Senfsaaten, Ölrettich, Phacelia
  • Umstrukturierung des Bodenlebens mit Ringelblumen und Senfsaaten
  • Bodendeckung mit allen schnellwüchsigen Gründüngungspflanzen, insbesondere Phacelia (Bienenweide)

Beete sollten Sie, sobald sie abgeerntet sind, gleich wieder angesäen, damit der Boden bedeckt bleibt. Pflanzen, die für die Gründüngung sorgen, sollten Sie nicht ausreißen; lassen Sie vielmehr die Wurzelmasse im Boden und den Grünwuchs als Mulch auf dem Boden zum Verkompostieren. In Pflanzlöchern oder Pflanzreihen können Sie neue Saat verteilen.

Slider-Fotos: Permakulturzentrum Kiel e.V.

 

Grün & erholsam für den Boden
Weißklee und Spinat
Weißklee und Spinat nähren den Boden
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Kleeblätter und Spinat
Hier sprießt grüne Bedeckung für den Boden
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Natürliche Zusatzstoffe

Gesteinsmehl

Wind, Wasser und Gletschereis zermahlen die Gesteinsoberflächen zu Mehl. So entstand der mehlfeine Staub aus Gebirgs-Gesteinen über Jahrmillionen.

Die Inhaltsstoffe wechseln je nach Zusammensetzung des Gebirges. So können mehr Anteile an Kalk, Kali oder Magnesium eine Rolle spielen. Steinmehle sind reich an Spurenelementen aller Art. Sie wirken nicht direkt, sondern in Abhängigkeit von der Lebendigkeit der Humusschicht.

Einmal in die Humussicht eingetragen gelangen die Wirkstoffe langsam in den lebendigen Kreislauf und reichern ihn mit den Mineralstoffen an.

Steinmehle verbessern auch die Fähigkeit des Bodens, Wasser und Nährstoffe festzuhalten. Bodenkrümel sind stabiler und nehmen wertvolle Huminstoffe auf, so dass sich Mikroorganismen gut vermehren.

  • Das Urgesteinsmehl besteht meist aus Granit- oder Basaltmehl.
  • Tonmehl wird zur Verbesserung von Sandböden genutzt.
  • Mehl aus Kalksteinmagnesium ist besonders für kalkarme, saure Böden geeignet.

Bei der Wahl des Steinmehls wird die Zusammensetzung nach dem Bedarf der Gartenerde ausgewählt. Allgemein gilt, auch bei Unsicherheit zur Bestimmung der Bodenqualität: Die Düngung und Bodenverbesserung mit Steinmehlen ist eine richtige Wahl. Grobe Fehler kann man damit nicht machen.

 

Hornspäne

Horn- und auch Knochenmehl sind tierische Düngemittel und werden aus Schlachtabfällen hergestellt. Das Material ist trocken und streufähig (grob bis fein) und in Gartenbau-Abteilungen oder Online-Handel zu erwerben.

Bewährt hat sich der Naturdünger als Mischung von Horn-, Blut und Knochenmehl. Die Hauptwirkstoffe sind Phosphor, Kali, Stickstoff und Spurenelemente. Sie kommen beim Aufsetzten von Kompost, in Pflanzlöchern und als Streudünger auf Baumscheiden zur Wirkung.

Übrigens: In Hornspänen sind Antibiotika und Hormone enthalten, wenn die Tiere damit gefüttert wurden; es lohnt sich also darauf zu achten, ob sie unter Bio-Bedingungen gehalten wurden.



Wasser & Böden

Regenwasser – der wertvollste Stoff von allen. Fangen Sie es in einer Regentonne auf, die Sie an die Regenrinne anschließen. Aber auch Wasserverlust im Boden können Sie vermeiden. 

Hat der Boden eine gute Aufnahmefähigkeit, so saugt er Wasser auf, wie ein Schwamm und gibt es bei Bedarf wieder ab. Lässt man ihn austrocknen, nimmt die Aufnahmefähigkeit ab.

 

Die Struktur des Bodens ist ausschlaggebend 

Sind ausreichend Poren (Kapillare) vorhanden, so kann der Boden das Wasser halten und transportieren. Wird Boden verdichtet oder regelmäßig aufgebrochen, so nimmt die Kapillarkraft ab und Wasser geht verloren.



Fazit: Düngen mit organischem Material ist Pflanzenschutz

Für eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung sind organische Dünger immens wichtig, da sie nicht nur die Pflanzen mit wichtigen Nährstoffen versorgen, sondern auch Bodenvitalität und Bodenstruktur verbessern. 

Langfristig helfen solche Dünger dabei, Pflanzenkrankheiten zu vermeiden und Kosten zu reduzieren.


Minimaler Anspruch an Bodenbearbeitung 

Im Boden befinden sich unzählige nützliche Lebewesen. Von Regenwürmern, die Humus erzeugen, bis hin zu Mikroorganismen, die Nährstoffe aufspalten und sie so den Pflanzen verfügbar machen. Jeder Eingriff in den Lebensraum stört diese Prozesse und zwingt zum Ausgleichen.