Klärwerk Bülk

Das Klärwerk Bülk entsorgt die Abwässer der Landeshauptstadt Kiel und der 20 angeschlossenen Umlandgemeinden. Die Landeshauptstadt will die Abwasserreinigung möglichst klimaneutral betreiben.

Zurzeit sind rund 310.000 Einwohner*innen und rund 54.000 Einwohnergleichwerte (zum Beispiel Industrie) angeschlossen. Diese produzieren zusammen eine Jahresabwassermenge von etwa 19.000.000 m³ pro Jahr. Daraus ergibt sich ein täglicher Abwasserzulauf von circa 52.000 m³. Dieses Abwasser wird auf national und international sehr hohem Niveau gereinigt.

Der Ablauf erfolgt etwa 1,1 Kilometer vom Ufer entfernt in die Ostsee und das genutzte Wasser wird somit wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt. Die stoffliche Verwertung des Klärschlammes mit rund 33.000 Tonnen pro Jahr erfolgte früher als Dünger in der Landwirtschaft. Jedoch enthält der Klärschlamm neben wertvollen Düngestoffen auch Schadstoffe. Deshalb will die Landeshauptstadt Kiel komplett aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung aussteigen und investiert rund 5,25 Millionen in den Neubau einer Schlammentwässerungsanlage und Schlammlagerhalle.


Klärwerk Bülk
Das Klärwerk aus der Vogelperspektive
Das Klärwerk aus der Vogelperspektive
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Die Belebungsanlage
Die Belebungsanlage
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Ein Raum mit Maschinen
Das Blockheizkraftwerk
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Ein grauer Speicher
Der Gasspeicher
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Kontakt

Betriebsleiter Klärwerk Bülk
Dipl.-Ing. Klaus Reichel

04349 91 72 22

 

Leite der Arbeitsgruppe Elektro- und Automatisierungstechnik
Dipl.-Ing Heiko Müller

04349 91 72 49

Links
11

Gigawatt-Stunden Strom pro Jahr

35

kWh pro Einwohner*in und Jahr

8,75

Gigawatt-Stunden pro Jahr selbst erzeugt

80

Prozent des benötigten Stroms - schon heute

 

Mit dem Ratsbeschluss (Drs. 0985/2017) der neuen Klimaschutzstrategie „Masterplan 100 % Klimaschutz“ übernimmt die Landeshauptstadt Kiel ihre Verantwortung zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und spielt weiterhin eine bundesweite Vorreiterrolle im Klimaschutz.


Einen wesentlichen Teilbetrag zur Energieeinsparung leistet das Tiefbauamt, Abt. Stadtentwässerung mit dem Klärwerk Bülk. Hier wird sowohl zukünftig der Verbrauch reduziert und zusätzlich die Eigenproduktion gesteigert. Um das Ziel einer klimaneutral betriebenen Abwasserreinigung zu erreichen wird derzeit in drei Maßnahmen in das Klärwerk Bülk investiert.

 


Wie wurde das Klärwerk klimaneutral?

Auf dem Gelände des Klärwerks Bülk sind neben den Büros Umkleideräume, Werkstätten und Maschinenhallen auszuleuchten. Deshalb wurden 95 Leuchtmittel der Außenbeleuchtung und 386 der Innenbeleuchtung von vorhandenen Leuchtstofflampen auf moderne LED-Technik umgestellt.

Neben der Energieeinsparung wird auch besonderen Wert auf gesundheitsförderliche Ausleuchtung der Arbeitsbereiche gelegt. Das Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative das Klimaschutzprojekt „LED-Beleuchtung Klärwerk Bülk“ gefördert.

Rund 77.000 KWh können durch die neue Beleuchtung pro Jahr eingespart werden. Dies entspricht einer CO2-Einsparung von immerhin rund 910 Tonnen CO2 über die Lebensdauer der Leuchten (20 Jahre). Die Maßnahme wurde 2019 verwirklicht.

 

 

Die Gesamtmaßnahme des umfangreichen Projekts „Erneuerung Blockheizkraftwerk und Gasanlage“ ist das Ergebnis verschiedener Einzelproblemstellungen hinsichtlich Energieeffizienz und Lebensdauer der einzelnen Anlagenteile. Die bisherige Zwischenspeicherung des im Klärprozess anfallenden Klärgases in Hochdrucktanks benötigt rund 600.000 KWh im Jahr. Da sowohl die Speichertanks als auch die zugehörigen Gasverdichter das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben, wurde das System durch einen 5.000 m³ fassenden Niederdruckgasspeicher ersetzt.

Das anfallende Klärgas wird auf der Kläranlage in einem BHKW verstromt. Der Unterhaltungsaufwand der fast 25 Jahre alten BHKW-Module stieg stetig. Daher wurden die vorhandenen Module gegen neue energieeffizientere Motoren ausgetauscht.

Im Belebungsbecken wird das Abwasser mittels Mikroorganismen gereinigt, die viel Sauerstoff benötigen. Die technische Lufteinperlung in das Belebungsbecken mit den vier zugehörigen Lüftverdichtern stellt den größten Energieverbraucher des Klärwerks Bülk dar. Die vorhandenen Verdichter haben mit einem Alter von rund 20 Jahren die Grenze der wirtschaftlichen Lebensdauer erreicht. Für das kommende Jahr ist die Beschaffung von neuen Luftverdichtern – so genannten Turboverdichtern – geplant.

Durch eine Optimierung des Gesamtsystems lässt sich der Energiebedarf spürbar verringern. Auch weitere Ideen wie der Bau eines neuen energiesparenden Zwischenpumpwerks werden in den nächsten Jahren umgesetzt. Anfang 2022 soll eine erste Photovoltaikanlage auf einer Lagerhalle in Betrieb gehen.

Auf dem Weg zur thermischen Klärschlammverwertung

Mit dem Bau einer neuen Schlammentwässerung ist ein neues Großprojekt auf dem Klärwerksgelände angelaufen. Aus der Abwasserreinigung fallen aus den Faultürmen täglich etwa 700 Kubikmeter dünnflüssiger Klärschlamm an, der auf dem Klärwerk Kiel in Bülk entwässert wird.

Früher wurde er als landwirtschaftlicher Dünger in die Landwirtschaft abgegeben. Das ist seit dem letzten Jahr nicht mehr möglich, weil der Quecksilbergehalt im Schlamm gestiegen ist. Daher müssen nun bislang etwa 35.000 Tonnen Klärschlamm pro Jahr zur thermischen Verwertung in Verbrennungsanlagen mit Lkw durch halb Deutschland gefahren werden.

 

 

Die Neubauten sind ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem umweltfreundlichen Klärwerk: Nach dem Bau des Blockheizkraftwerkes soll nun mit einem energiesparenden Zwischenpumpwerk und einer neuen Photovoltaikanalage auch noch Strom in das Kieler Stadtnetz eingespeist werden können. Das Klärwerk Bülk ist durch das Blockheizkraftwerk und die Klärgase energieautark und damit europaweit an der Spitze.