Sport und Spiel | 100 Jahre Grüngürtel

Bei ihren Planungen für den Grüngürtel richteten Leberecht Migge und Willy Hahn ein wesentliches Augenmerk auf Räume für Sport und Spiel.

"Kiel mit seiner hochentwickelten Sportbewegung", so schreibt Willy Hahn 1922, "hat alle Ursache, seine guten Traditionen auf diesem Gebiete durch Schaffung neuer Möglichkeiten weiter zu bilden". Beim Ausbau des Grüngürtels sollten daher vielfältige neue Räume für Sport und Spiel geschaffen werden.

 


Räume für Sport und Spiel | Sport und Spiel

Durch das Wachstum der Großstädte ab Mitte des 19. Jahrhunderts verändern sich die Lebensräume der Menschen und damit einhergehend auch der Raum für Sport und Spiel. Seit dem frühen 20. Jahrhundert werden daher gezielt Orte für den Sport geplant.

Ursprünglich waren öffentliche Straßen ein frei zugänglicher, unmittelbarer und lokaler Lebensraum für Kinder und Jugendliche. Die Straße war ein Ort für spontane und unbeaufsichtigte Spiele und Bewegung. Durch den Wachstum der Großstädte und die zunehmenden Gefahren im Straßenraum gehen diese Flächen als sozialer Lernort verloren.

In den wachsenden und zunehmend engeren Städten werden Lebensräume immer stärker funktional getrennt. Dadurch müssen auch neue Orte für Spiel, Sport und Bewegung entstehen. Diese Entwicklung beginnt mit dem starken Wachstum der Großstädte im Zuge der Industrialisierung. Die Freiraumplanung des frühen 20. Jahrhunderts reagiert daraufunter anderem mit der Gestaltung aktiv nutzbarer Flächen in öffentlichen Parkanlagen.

Raum für Sport an der Grundschule Kronsburg
Weitläufiger Rasensportplatz


Sport und Spiel im Grüngürtel | Sport und Spiel

Der Grüngürtel verfügt über vielfältige Möglichkeiten für Sport und Spiel. Zahlreiche Kieler Sportvereine und öffentlich zugängliche Sportanlagen befinden sich innerhalb des Grüngürtels.

Stadtbaurat Willy Hahn wollte mit dem Ausbau des Grüngürtels neue Räume für Sport für alle Altersgruppen schaffen. "Vom Kleinderkinderspielplatz bis zum Stadion" sollten verschiedene Arten und Formen von Spiel- und Sportanlagen entstehen. 

Die wohl bekannteste Sportanlagen im Grüngürtel ist das bereits 1907 von der Stadt gestaltete Nordmarksportfeld. In den 1920er Jahren wurden zahlreiche weitere Flächen für Sport und Spiel geschaffen. Doch nicht nur die Stadt, sondern auch viele Sportvereine sowie die Universität schufen neue Möglichkeiten für Sport und Spiel. 

Auch heute werden rund um den Grüngürtel neue Sport- und Spielmöglichkeiten geschaffen. So entand seit 2009 direkt angrenzend an den Grüngürtel der Sportpark Gaarden als Begegnungraum für die Gaardener Bevölkerung. 

Night Glow auf dem Nordmarksportfeld
Leuchtende Heißluftballoons nachts auf dem Nordmarksportfeld


Das Nordmarksportfeld | Sport und Spiel

Das Nordmarksportfeld ist wohl die bekannteste Sportanlage im Grüngürtel. 1907 wurde es als "großer Sport- und Spielplatz" eingeweiht. Es hat eine wechselvolle Geschichte.

In seinen Anfangsjahren verfügte der neu angelegte Sport- und Spielplatz über mehrere Laufbahnen, Rasenfelder, eine Gras- und Sandbahn für Pferderennen sowie einen Reitsprunggarten. Auch eine Gastwirtschaft und ein Musikpavillon waren auf dem Gelände vorhanden. Bereits kurz nach der Einweihung wurde der Platz auch für den Flugverkehr genutzt. Ab 1910 befand sich auf dem Platz eine Luftschiffhalle. 

Heute ist das Nordmarksportfeld eine multifunktionales Sport- und Veranstaltungsgelände. Jährlich während der Kieler Woche findet hier die Balloon-Sail statt. 

Luftschiff über Kiel
Historische Postkarte von einem Zeppelin über der Kieler Förder

 


Kinderspielplätze | Sport und Spiel

Die Planungen Leberecht Migges und Willy Hahns sahen für die ganze Stadt zahlreiche neue Kinderspielplätze vor. Mit der Umsetzung dieser Planungen war die Stadtgärtnerei beauftragt. Deren Leiter Ferdinand Hurtzig beschreibt in seinen Erinnerungen die rege Bautätigkeit zur Anlage neuer Spielplätze.

"Dieser Entwicklung der Sport- und Spielplatzanlagen für die heranwachsende Jugend sollte auch der Ausbau der Kinderspielplätze [...] nicht nachstehen. Da jedoch im Stadtinnern geeignete Flächen nicht ohne weiteres freizumachen sind, so wurden denn kleinere, ungenutzt liegende, städtische Bauplätze in allen Stadtteilen provisorische zu Kinderspielplätzen einfacher Art hergerichtet [...]. 

Unsere Anlagen in der Stadt und auch alle Aufforstungen am Rande der Stadt weisen sämtlich Kinderspielplätze auf. Am begehrtesten sind sie, wenn sie außer den Spielsandkästen auch noch ein Planschbecken enthalten." (Ferdinand Hurtzig. Die Entwicklung der städtischen Gartenanlagen in den Jahren 1900 bis 1937. Kiel 1938). 

Planschbecken im Volkspark
Historsiche Postkarte vom Planschbecken im Volkspark


Der Sportpark Gaarden | Sport und Spiel

Der Sport- und Begegnungpark Gaarden ist ab 2009 als Modellprojekt im Rahmen eines integrierten Stadtentwicklungskonzepts für das Kieler Ostufer entstanden. Damit auf 37 Hektar Parkfläche ein neuer Ort für Sport und Spiel entstanden.

Mit dem Sportpark Gaarden wurde ab 2009 eine Parkanlage zu einer vielfältig nutzbaren Sport- und Spiellandschaft entwickelt. Gemeinsam mit den Bürger*innen der angrenzenden Stadtteile wurde ein Begegnungsraum mit Angeboten für alle Kulturen und Generationen entwickelt. 

So wurden beispielsweise eine Spiel- und Sportachse sowie mehrere Kleinspielfelder angelegt. Zwei Sportplätze sowie ein Skatepark wurden neu gebaut. Ab 2020 ist die Integration des öffentlichen Schwimmbads in den Park vorgesehen. 

Der direkt an den Sportpark angrenzende Interkulturelle Garten ergänzt das Angebot dieses Begegnungraums und veranschaulicht das Zusammenspiel von urbanen Gärten und Sport. 

Sportpark Gaarden
Klettergerüst im Sportpark Gaarden