Nachhaltiges Kiel

Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Das SDG 8 zielt darauf ab, vor Ort ein Wirtschaftswachstum zu fördern, das möglichst schonend mit der Umwelt umgeht, Ressourcen effizient einsetzt und allen Menschen zugutekommt.

Der in den vergangenen Jahrzehnten erreichte Wohlstand in Deutschland und anderen Industrieländern hat viel zu tun mit einer erfolgreichen Wirtschaft und fortdauerndem Wirtschaftswachstum. Er ist aber auch eng verbunden mit Umweltzerstörung, Klimaerwärmung, Artensterben und der Ausbeutung von Rohstoffen.

Das SDG 8 wird daher oft als das widersprüchlichste nachhaltige Entwicklungsziel herausgestellt: kann es wirklich ein dauerhaftes – also endloses – Wirtschaftswachstum geben, das gleichzeitig nachhaltig ist?

Neben dem Wirtschaftswachstum fordert das SDG 8 menschenwürdige Arbeitsbedingungen, also gesicherte Arbeitsplätze, eine gerechte Entlohnung und das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit.

Auch in Deutschland und Kiel ist die Situation zum Beispiel für geringfügig Beschäftigte oder Zeitarbeitnehmer*innen noch nicht zufriedenstellend. Zudem liegt der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland mit 22 Prozent sehr hoch und muss dringend angegangen werden.

Kiels Wirtschaft entwickelt sich positiv

Der Landeshauptstadt geht es wirtschaftlich gesehen zurzeit gut. Bei einer Einwohnerzahl von knapp 250 000 beträgt die Zahl der Erwerbstätigen etwa 170 000 (2017). Die Arbeitslosigkeit liegt auf dem niedrigsten Niveau seit 20 Jahren.

Von den 100 größten Unternehmen in Schleswig-Holstein haben 20 ihren Sitz an der Förde, zudem ist Kiel der führende Bildungs- und Wissenschaftsstandort im nördlichsten Bundesland.

Wie anderenorts auch, ist der industrielle Bereich in den vergangenen Jahrzehnten geschrumpft, inzwischen werden 85 Prozent der Wirtschaftsleistung in Kiel im Dienstleistungssektor erzeugt.

Hafen auf Wachstumskurs mit ökologischen Herausforderungen

Neben der Gesundheitswirtschaft rund um die Kliniken in Kiel und einer dynamischen IT-Branche spielt die maritime Wirtschaft eine große Rolle. Der Kieler Hafen befindet sich in einem äußerst wettbewerbsintensiven Umfeld und ist insgesamt auf Wachstumskurs. Dies bringt aber auch Kritik mit sich, so empfinden viele Kielerinnen und Kieler die Dieselabgase der Kreuzfahrtriesen und auch der Fährschiffe als belästigend und machen sich Sorgen um ihre Gesundheit.

Mit dem aktuellen Konzept „Blue Port“ zeigt die Landeshauptstadt auf, wie diese Herausforderungen im Umweltbereich angegangen werden – beispielsweise durch den Bau von Landstromanlagen, die zu einer deutlichen Reduzierung der Abgase beitragen sollen.

Die zwei großen Werften in Kiel, Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) und German Naval Yards sind für viele Menschen in Kiel und Umgebung ein wichtiger Arbeitgeber. Auch viele Zulieferer, IT-Firmen, Ingenieursbüros oder Meeres- und Unterwassertechnik-Spezialisten sind eng verflochten mit den Schiffbaubetrieben. Sie alle profitieren davon, dass sich die beiden großen Kieler Werften trotz Krise in der Schifffahrt behaupten und ihr Geschäft ausweiten konnten.

Vor dem Hintergrund der Agenda 2030 - insbesondere dem SDG 16, das eine Beendigung aller Formen der Gewalt vorsieht - wird aber auch ein Interessenskonflikt deutlich: Zu den lukrativen Aufträgen der Werften gehören auch Rüstungsaufträge aus Ländern wie Saudi-Arabien und Israel.

Dynamische nachhaltige Start-up Szene in Kiel

In den vergangenen Jahren hat sich in Kiel eine innovationsfreudige und lebendige Zivilgesellschaft und Start-up Szene entwickelt, aus der heraus spannende Initiativen und Unternehmen entstanden sind. Dazu zählen zum Beispiel die Alte Mu, ein Ort, an dem Projekte, Initiativen, Künstler und Vereine zusammenkommen und für eine solidarische und nachhaltige Stadtentwicklung eintreten, oder auch kielspezifische Unternehmen wie das Kieler Craftbeer Lillebräu oder das Social-Start-Up my Boo, das in Ghana produzierte Bambusfährräder verkauft.

Das Zusammenspiel vieler unterschiedlicher Akteure – unter anderem die Kiel School of Sustainability, die Starterkitchen im Wissenschaftspark, das Bildungscluster opencampus.sh, der Transferpark im Anscharpark - schafft beste Voraussetzungen dafür, Kiel zu einem richtigen Gründerort zu machen und kreative Talente auch nach dem Examen in Kiel zu halten. Die Stadt unterstützt dies explizit mit unterschiedlichen Förderinstrumenten und neuen Veranstaltungen wie dem Start-up-Festival Waterkant oder der Digitalen Woche Kiel.

Spannend ist, dass wichtige Elemente der Agenda 2030 und der nachhaltigen Entwicklungsziele in der Start-up Szene oft ganz selbstverständlich mitgedacht und gelebt werden: so achten die Gründerinnen und Gründer auf faire Arbeitsbedingungen, ökologische Materialien und effizienten Energieeinsatz und auch Regionalität spielt oft eine herausragende Rolle.

Weltwirtschaftlicher Preis

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ist eine traditionsreiche und international bekannte Forschungs- und Beratungseinrichtung. Eines der aktuellen Forschungsprojekte „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ befasst sich explizit mit der Frage wie ein nachhaltigeres Wirtschaftswachstum erreicht werden kann.

Jedes Jahr verleiht das IfW während der Kieler Woche und in Kooperation mit der Landeshauptstadt Kiel und der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein den weltwirtschaftlichen Preis an herausragende Vordenkerinnen und Vordenker einer weltoffenen, marktwirtschaft¬lichen und sozialen Gesellschaft.

In 2018 gehörte dazu auch Bas van Abel, der Gründer des Fairphones. In 2013 wurde Gro Harlem Bundtland ausgezeichnet, die ehemalige Ministerpräsidentin Norwegens leitete unter anderem auch die Klima- und Umwelt- Kommission der Vereinten Nationen und gilt als eine der wichtigsten Nachhaltigkeitspionierinnen weltweit.


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