Wettbewerb Holstenstraße

2. Preis - Wettbewerbsarbeit 1009

WES GmbH LandschaftsArchitektur, Berlin, mit H.H. Krafft

Beratung
Stadtplanung / Architektur: SMAQ Architektur und Stadt GmbH, Berlin
Verkehr: Ingenieure Rinne + Partner, Rosdorf

 

 

Übersichtsplan

Übersichtsplan

 

Die Idee

Der Holstenplatz wird zum baumüberstandenen, urbanen Platz, der als Bühne oder Stadtparkett fungiert und materiell sowie topografisch differenziert ist. Sitzbänke und Podeste sowie Nuancierungen im Pflaster strukturieren die ansonsten freie Fläche. Im Norden des Holstenplatzes wird ein Wasserspiel zum Treffpunkt. 

Ein Neubau am Heinrich-Ehmsen-Platz arondiert diesen Bereich städtebaulich und bringt zusätzlich Wohnnutzungen ins Kieler Zentrum. Im Erdgeschoss befinden sich hier Gewerbeeinheiten, wie ein Mobilitätsschaufenster, Gastronomie oder Lokalwarenläden. 

Eine breite sogenannte “Gosse” in der Mitte der Holstenstraße wird zum einheitlichen Erkennungsmerkmal und markiert die historische Achse. Die Andreas-Gayk-Straße erhält neben Baumpflanzungen begleitende Grünflächen und wird zur grünen Promenade.

 

Die Arbeit besticht durch ihre klare Ausdeutung der Raumfolge mit freiraumplanerischen Mitteln. Mit den Raumbildungen durch die Baumhaine und Reihungen sowie die gut proportionierten Zuschnitte des Flächenlayouts, entstehen Räume, die Halt und Orientierung geben. Das steinerne Plateau mit dem Platanenhain ordnet auf eindeutige Weise den Holstenplatz und schafft offene Räume der Bewegung und schattige Räume des Aufenthalts. So klar das räumliche Volumen des Baumhains den Platz strukturiert – durch das Ausfüllen der ganzen Längsachse fehlen dem Platz dadurch etwas die Offenbereiche und Raumeröffnungen in diesem Platzbereich.

Die Idee der aufgewölbten Ebene löst das Problem der Höhenlage der Bäume auf barrierefreie und entspannte Weise, obwohl die optische Wirkung nicht alle Mitglieder in der Jury überzeugt. Das lineare Element, der von den Verfasser*innen so genannten „Gosse“, stellt ein subtiles Rückgrat der Holstenstraße dar und bildet ein brauchbares Leitsystem. Sowohl die Benennung, als auch die Funktion als Abwasserführung lassen jedoch an der positiven Imagewirkung zweifeln.

Der Umgang mit den Baumsetzungen in den Straßenräumen ist souverän und trägt den differenzierten Anforderungen Rechnung. Die asymmetrische Behandlung der Andreas-Gayk-Straße ist räumlich gelungen, allerdings werden hier auch Stellplätze (Behindertenstellplätze, Taxi) vermisst. Keine Sympathien lösen die in der Visualisierung dargestellten Kübelpflanzen in der oberen Holstenstraße aus.

Die Entwicklung durchgängiger Beläge von Fassade zu Fassade findet Zustimmung auch die Differenzierung der Formate und Zuordnung unterschiedlicher Materialien für Platzteppich und Altstadtbereich. Der hohe Anteil an Beton als Material wird dabei allerdings als etwas kühl und wenig ortsspezifisch diskutiert.

Einen besonders wertvollen Diskussionsbeitrag liefert die Arbeit für den Heinrich-Ehmsen-Platz. Mit dem Kulturgebäude wird hier ein Stadtbaustein implementiert, der dem Holstenplatz eine klare räumliche Fassung und zusätzliche attraktive Randnutzungen bietet. Dieser städtebauliche Vorschlag kann allerdings auch längerfristig verfolgt werden. In der Folge allerdings fehlen hier Angebote für neue Mobilitätsformen die andernorts verwirklicht werden müssten.

Die Ausbildung der Bushaltestellen fällt sehr bescheiden aus. Insbesondere die Überdachungen dürften etwas länger sein. Aussagen zum barrierefreien Umstieg von der Straßenbahn in den Bus werden vermisst.

Insgesamt eine Arbeit die durch klare räumliche Setzungen und elegante Geometrien überzeugt und vielleicht nicht an allen Stellen das atmosphärisch Mögliche einlöst.


Einzelpläne

Asmus-Bremer-Platz bis Alter Markt
Holstenplatz, Stresemannplatz, ÖPNV-Station, Schevenbrücke, Heinrich-Ehmsen-Platz
Nördlicher Holstenplatz, Schnittansichten und Details

 

Übersichtpläne, Details und Visualisierungen
Obere Holstenstraße, Plan, Details und Visualisierung
Holstenplatz, Details und Visualisierung

Die anderen Wettbewerbsarbeiten

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